Carl Lewis gesucht!

Von Haruka Gruber
Dienstag, 01.04.2008 | 16:00 Uhr
Fußball, Champions League, Barcelona, Schalke, Kuranyi
© Getty
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München - Physikalisch machte der Satz überhaupt keinen Sinn. Metaphorisch jedoch hätte es Carles Puyol nicht besser formulieren können.

"Wir waren so gut wie inexistent", sagte der Kapitän des FC Barcelona nach dem 2:3 bei Betis Sevilla. Porös präsentierte sich die Azulgrana bei der Generalprobe zum Viertelfinal-Hinspiel der Champions League auf Schalke (20.45 Uhr im SPOX-TICKER und im Internet TV). Als ob die Mannschaft kurz davor gestanden hätte, sich in Nichts, in Antimaterie aufzulösen.

"Die Spielweise nach der Pause war unerklärlich und ich schäme mich dafür", sagte daher auch Trainer Frank Rijkaard. 2:0 führte Barca in Sevilla, kassierte drei aberwitzig leichtsinnige Gegentore, verlor zum dritten Mal in den vergangenen fünf Ligaspielen - und lieferte Schalke unfreiwillig eine exakte Blaupause, wie der Revierklub vielleicht doch für eine Überraschung sorgen könnte.

(Die Highlights der Partie ab 23.15 Uhr bei SPOX.TV!)

Odonkor sorgt für Unruhe

"Man muss deren Abwehrriegel durchbrechen, man muss viel laufen, viel Sprintarbeit leisten", erkannte S04-Coach Mirko Slomka. In der Tat: Die Offensive der Katalanen ist vermutlich nicht aufzuhalten, auch wenn mit Lionel Messi, Ronaldinho oder Deco herausragende Kreativspieler ausfallen.

"Eto'o, Henry und Krkic sind auch Namen, die man sich auf der Zunge zergehen lassen kann", sagte Slomka.

In der Rückwärtsbewegung jedoch demonstriert Barcelona eine Inkompetenz, die die Ansprüche eines europäisches Spitzenteams ad absurdum führt. Ein David Odonkor, mit Verlaub kein Mann von internationalem Format, wurde in Sevilla in der 53. Minute eingewechselt und überrannte schlichtweg die betulich-schwerfällige Barca-Abwehr.

Pressing ja, aber nur gezielt

"In der ersten Halbzeit hat Barcelona mit uns gemacht, was sie wollten. Aber in der zweiten Hälfte waren wir aggressiver. So muss Schalke auch spielen: Gas geben und aggressiv zur Sache gehen - dann hat man gegen Barca eine Chance", lautet Odonkors Ratschlag in der "Westfälischen Rundschau".

Ähnlich sieht es Andreas Hinkel, der mit Celtic Glasgow im CL-Achtelfinale auf die Azulgrana traf, im Gespräch mit SPOX.com: "Barcelona geht immer einen hohen Rhythmus, von daher sollte man auf keinen Fall Pressing spielen. Da läuft man sich kaputt. Nein, man muss kompakt stehen und auf Konter lauern."

Als ob Hinkel den Andalusiern ins Ohr geflüstert hätte... Der Gameplan von Betis sah nämlich wie folgt aus: Trotz des 0:2-Rückstands ließ sich Sevilla nicht allzu weit rauslocken, blieb kompakt, initiierte Tempogegenstöße über die flinken Außenstürmer.

30 Prozent Ballbesitz reichen

Trivial, unästhetisch, etwas einfältig - aber auch erfolgreich und effektiv. Barcelona hatte zwar rund 70 Prozent Ballbesitz, wenn ein Odonkor oder Edu aber einfach mal lossprinteten, wussten vor allem Linksverteidiger Eric Abidal und Lilian Thuram zentral hinten weder ein noch aus.

Barcas Manko: Nahezu jeder Defensivspieler hat mit sich zu ringen. Abidal ist außer Form, Thuram zu alt, Gianluca Zambrotta sehnt sich eine Rückkehr nach Italien herbei, Puyol ist angeschlagen, Yaya Toure auf der eminent wichtigen Sechser-Position ebenfalls. Und Hoffnungsträger Gabriel Milito, der neben Puyol in der Innenverteidigung beginnen soll, ist erst frisch genesen.

"Barcelona hat in den letzten sechs Liga- und Pokal-Partien 15 Gegentore kassiert. Das ist schon außergewöhnlich", sagt Slomka im Premiere-Interview. Die Chance für Schalke sei, "die Bälle besser als zuletzt zu verarbeiten und sich gut zu bewegen".

Warum kein Sanchez? Warum kein Lövenkrands?

Geradezu irrational daher, wie die Startaufstellung der Schalker offenbar aussieht. Vicente Sanchez, der trickreiche und schnelle Uruguayer: Reservist. Peter Lövenkrands, nicht torgefährlich, von der Spielweise her aber Odonkor nicht unähnlich: Reservist.

Vielmehr setzt Slomka auf das - im Vergleich - gemächliche Sturmduo Kevin Kuranyi und Halil Altintop. Die Flügelzange mit Gerald Asamoah und Christian Pander erinnet mehr an Marc Blume als an Carl Lewis.

Sollte sich Slomka nicht umentscheiden, wird wohl das eintreffen, was Schalkes Kapitän Marcelo Bordon bereits voraussieht: "Normal ist, wenn wir verlieren." Schade eigentlich.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Schalke: Neuer - Rafinha, Bordon, Krstajic, Westermann - Asamoah, Ernst, Kobiaschwili (Grossmüller), Pander - Kuranyi, Altintop

Barcelona: Valdes - Zambrotta, Puyol, Milito, Abidal - Xavi, Toure, Iniesta - Bojan, Eto'o, Henry

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