Dienstag, 04.03.2008

Ronaldinho exklusiv

"Ich bin stärker als je zuvor"

Barcelona - Es gibt diese eine Anekdote, die besagt, dass Joan Laporta es bei Ronaldinhos Vertragsunterschrift nicht erwarten konnte, ihn kicken zu sehen. 

© Getty

Schon im Büro soll der Präsident des FC Barcelona seinem Neuzugang einen Ball zugeworfen haben, um sich an seinen Tricks zu ergötzen. Ronaldinho tat wie ihm geheißen.

Viereinhalb Jahre ist diese Episode nun her und die meiste Zeit tat Ronaldinho das, was er am besten kann: Einfach nur Fußball spielen.

Disco statt Trainingsplatz

Doch im letzten halben Jahr war dem 27-Jährigen irgendwie die Leichtigkeit des Seins abhanden gekommen. Ronaldinho ist eben mehr als eine Zirkusattraktion, er ist ein ganz normaler Mensch.

Angeschlagen war er seit vergangenem Herbst eigentlich immer, mal am Knie, mal am Oberschenkel, dann am Rücken, zuletzt wieder am Knie. Seine Leistungen fielen rapide ab - prompt fand er sich erstmals seit über drei Jahren in einem Liga-Spiel auf der Bank wieder.

Dazu kamen Gerüchte, er würde sich mehr im Nachtleben als auf dem Trainingsplatz rum treiben. "Wenigstens dort hast du einen Stammplatz", höhnte die spanische Presse. Ronaldinho schwieg die meiste Zeit. Das Lausbubgrinsen, das man von ihm in jeder Lebenslage gewohnt ist, huschte nur selten über sein Gesicht. Und wenn, dann wirkte es mechanisch.

Neben den körperlichen Defiziten schien ihm auch irgendwie der Hunger nach weiteren Erfolgen abhanden gekommen sein. Wem kann man es verdenken - mit einer Weltmeisterschaft, zwei Weltfußballertiteln, einem Champions-League-Triumph und zahlreichen nationalen Titeln hat Ronaldinho so ziemlich alles erreicht, was man mit Fußballschuhen eben erreichen kann.

Ronaldinho (r.) wurde 2004 und 2005 zum Weltfußballer des Jahres gewählt
Ronaldinho (r.) wurde 2004 und 2005 zum Weltfußballer des Jahres gewählt
© Getty

Noch mal Weltfußballer werden...

Doch jetzt, jetzt ist der Hunger wieder da, sagt Ronaldinho im Gespräch mit SPOX.com. "Ich bin mit meinen 27 Jahren immer noch jung und ich glaube fest daran, dass die FIFA nicht darum herum kommen wird, mich noch öfter zum Spieler des Jahres zu wählen", sagt der Brasilianer. Da ist es wieder. Das Lausbubgrinsen.

"Die vergangenen Monate waren wirklich hart. Aber das ist nun vorbei! Jetzt bin ich stärker als je zuvor", verspricht der Brasilianer.

Einen kleinen Vorgeschmack gab es schon am Samstag, als er im Spiel bei Atletico Madrid eine Xavi-Flanke vom Elfmeterpunkt per Fallrückzieher ins Netz zauberte.

"Wenn ich auf dem Platz stehe, kann mich niemand bändigen. Ganz spezielle Tricks zu probieren, viele Freiheiten zu haben - das ist für mich das Schönste am Fußball", sagt er. Ganz wie früher.

"Ich sehe mich noch viele Jahre hier"

Auch die Fans hat er wieder hinter sich. "Die Zuschauer im Camp Nou sind sehr intelligent", sagt der 27-Jährige. "Sie haben sich von den bösen Geschichten über mich in der Presse nicht blenden lassen und haben immer zu mir gestanden. Dafür möchte ich mich bei den Fans bedanken."

"Ich verspreche, dass ich weiterhin alles für das Team gebe und dass ich das Publikum weiterhin mit ausgefallenen Tricks begeistern werde." Ein Zugeständnis zu Barca? "Ich sehe mich noch viele Jahre hier in Barcelona. Mein Vertrag läuft bis 2010 und ich lebe hier meinen Traum. Ich will am Ende der Saison alle drei Titel erobern und dann eine große Party feiern", sagt er.

Rijkaard ein echter Freund

Seinen Dank richtet Ronaldinho auch an seine Mitspieler. Profi-Fußball ist zwar oft ein Haifischbecken, doch glaubt man ihm, gibt es durchaus noch echte Freundschaft und Loyalität im großen Geschäft.

"Meine Teamkollegen haben mich immer aufgemuntert. Der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft wurde immer stärker. Heute ist das Team wie eine Familie für mich", sagt er.

Seine Rolle als Reservist habe er nie so eng gesehen, wie man es ihm nachsagte.

"Bei Barcelona gibt es keine Ersatzspieler. Hier sind die besten Spieler der Welt versammelt und alle haben ein gemeinsames Ziel: Die drei Titel müssen her."

Auch sein Verhältnis zu Trainer Rijkaard sei besser denn je - ganz anders als die spanische Presse es in den vergangenen Monaten beobachtet haben will: "Wir hatten schon immer ein gutes Verhältnis. Aber jetzt weiß ich, dass er ein echter Freund ist, weil er immer zu mir gehalten hat."

Ronaldinho ist auf dem Weg zurück zu alter Klasse. Mit 27, sagt man, fangen die besten Fußballerjahre erst an. Vielleicht sogar wenn man schon Weltmeister, Weltfußballer und Champions-League-Sieger ist.

Florian Bogner

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