Nerazzurri feiern großes Jubiläum

100 Jahre verrücktes Inter

Von Christian Bernhard
Freitag, 14.03.2008 | 19:28 Uhr
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© Getty
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München - Normalerweise ist der Pirelli-Schriftzug auf dem Inter-Trikot weiß. Am Sonntag wurde er im Ligaspiel gegen Reggina (2:0) zur Feier des Tages aber golden gefärbt. Zu feiern gab es nämlich jede Menge, denn man wird ja schließlich nicht alle Tage 100 Jahre alt.

Zu den Feierlichkeiten waren alle Inter-Legenden der vergangenen Jahrzehnte eingeladen. Und egal ob Lothar Matthäus, Giuseppe Bergomi, Roberto Baggio oder Jürgen Klinsmann - alle waren sie auf Kosten des Vereins gekommen, um den 100. Geburtstag des Mailänder Traditionsvereins zu feiern.

Auf dem Rasen von San Siro sang Adriano Celentano und auf den Rängen feierte inmitten der Tifosi ein chinesisches Pärchen in Hochzeitkleid und Anzug den soeben vollzogenen Bund der Ehe.

Dabei wurden allerhand alte Geschichten ausgegraben. Geschichten, die Inter zu einem der verrücktesten Vereine Italiens und ganz Europas machen. Der Traditionsklub ist am ehesten zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt einzuordnen. Denn vor dem Gewinn der Scudetti in den vergangenen zwei Jahren wurden die Nerazzurri jahrelang belächelt.

Bei Inter aussortiert - später Stars

Präsident Massimo Moratti, der im Februar 1995 das Ruder in der Via Durini übernahm, musste in diesen 13 Jahren beispielsweise mit ansehen, wie "seine" Spieler Roberto Carlos, Andrea Pirlo, Dennis Bergkamp und Clarence Seedorf bei anderen Vereinen zu absoluten Topstars wurden, nachdem er sie aussortiert hatte.

In seiner Amtszeit verpflichtete der Sohn des früheren Inter-Präsidenten Angelo Moratti insgesamt 130 Spieler im Wert von über 700 Millionen Euro.

So gut wie jeder Topstar wurde schon mal mit Inter in Verbindung gebracht, egal ob Ronaldinho, Cristiano Ronaldo oder zuletzt Lionel Messi, von dem Moratti in höchsten Tönen schwärmt. "Messi ist mein großes Transferziel und mein größter Traum", betont der 62-Jährige immer wieder.

Zusätzlich wären da ein paar verpasste Meisterschaften, wie in der Saison 2001/02. Da verloren die Nerazzurri als Tabellenführer am letzten Spieltag gegen Lazio Rom und mussten den Scudetto Juventus Turin überlassen. Unvergessen ist das Bild von Ronaldo, der nach seiner Auswechslung weinend den Kopf in seinem Schoß vergrub.

Matthäus vor Ronaldo

In seiner Historie machte der Verein seinem Namen alle Ehre. Spieler aus 35 verschiedenen Ländern trugen das Trikot der Mailänder und auch im aktuellen Kader stehen nur vier Italiener. Zwei davon sind Reservetorhüter. Dafür gibt es nicht weniger als 15 Südamerikaner im Aufgebot. Wenn Weltmeister Marco Materazzi nicht spielt, sind meistens elf Ausländer auf dem Platz. FC Internazionale eben.

Auch der jetzige Kapitän ist ein Ausländer. Javier Zanetti ist Argentinier, aber er hat in seiner 13. Saison für den amtierenden Meister den Inter-Geist schon lange komplett verinnerlicht. "Dieser Verein ist meine Familie. Ich habe nie auch nur einen Moment gedacht, Inter zu verlassen", sagt der 34-Jährige voller Stolz.

Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass er momentan die Wahl zum Inter-Spieler des Jahrhunderts anführt. Noch vor der vor zwei Jahren verstorbenen Legende Giacinto Facchetti und Giuseppe Bergomi. Lothar Matthäus liegt auf Rang sieben, einen Platz vor Ronaldo, der wie ein Gott verehrt wurde, aber seit seinem Engagement beim Stadtrivalen Milan bei den Tifosi unten durch ist.

Mancini verkündet Abschied und bleibt dann doch

Von seinen Fans wird Inter liebevoll "la pazza Inter" (das verrückte Inter) genannt. Diesem Übernamen machte der Verein in den letzten Tagen wieder einmal alle Ehre. Nach dem Champions-League-Aus gegen den FC Liverpool verkündete Trainer Roberto Mancini seinen Rücktritt zum Saisonende. Der Aufschrei unter den Interisti war riesig.

Doch einen Tag später sah alles schon wieder ganz anders aus. Nach einem Treffen mit Moratti verkündete Mancini, dass er seinen Vertrag bis 2012 doch erfüllen wird und nächste Saison wieder in der Champions League angreifen wird. "Meine Worte fielen in der Hitze des Gefechts. Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich es nicht mehr so machen", kroch Mancini zu Kreuze.

Für den Verein eine verrückte Geschichte mehr, die man beim nächsten Jubiläum erzählen kann.

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