Ohne Romantik ins Schicksalsspiel

SID
Dienstag, 04.03.2008 | 12:28 Uhr
schalke, porto, champions league, fußball
© Getty
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München - Der FC Schalke 04 ist auf dem allerbesten Wege, erstmals in seiner Vereinsgeschichte das Viertelfinale der Champions League zu erreichen.

Die reine Faktenlage spricht dafür: Gerade wo sie doch derzeit renommierte, europaerfahrene Trainer fordern: ein 1:0 Hinspielsieg ist für Trainer vom Schlage Mourinho, Lippi oder Benitez das perfekte Ergebnis.

Perfekt deshalb, weil man die eigenen Teams für so gut organisiert hält, dass zwei Gegentore nahezu utopisch sind, perfekt, weil man sich jederzeit in der Lage sieht, überall auf der Welt selbst ein Tor zu erzielen. Findet sich in dieser Beschreibung auch eine Mannschaft wie Schalke 04 wieder?

Die Gelehrten streiten sich

Die Gelehrten streiten sich. Handelt es sich tatsächlich um ein Bein, mit dem der Klub im Viertelfinale steht, ist es nur ein halbes, oder gar nur der kleine Zeh?

Massiv beeinflusst werden die Antworten auf diese Fragen derzeit dadurch, dass zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt eine Trainerdiskussion losgetreten wurde. 

Nach drei Bundesliga-Niederlagen in Folge ist die nicht völlig unlogisch, durch Platz 6 in der Liga scheint die bei einem Klub wie Schalke sogar zutiefst menschlich. Allerdings nimmt man dadurch dem Spiel in Porto, diesem möglichen neuen Meilenstein in der Vereinshistorie, im Vorfeld jedwede Form von Romantik.

Weil es eben nicht darum geht, ob diese Mannschaft gegen ein europäisches Spitzenensemble irgendwie das Weiterkommen schafft, sondern in erster Linie darum, ob Mirko Slomka seine Mannschaft noch erreicht, ob sich die Mannschaft noch erreichen lassen will, oder, vielleicht im Moment noch wichtiger, ob der Vorstand seinen Trainer noch erreicht.

Mal wieder ein Endspiel 

Ein Spiel, das eine genussvolle Herangehensweise verdient gehabt hätte, vielleicht nötig gehabt hätte, verkommt jetzt zu einem Schicksalsspiel - Endspiel.

Und es gibt ja in der jüngeren Vergangenheit nicht viele Beispiele, wo die Knappen gezeigt hätten, dass sie mit einer derartigen Schwere im Gepäck außergewöhnlich gut umgehen könnten.

Zu sehen war das wieder mal am vergangenen Wochenende, als dieses 0:1 gegen den FC Bayern nur sehr unzureichend beschrieb, wie die tatsächliche Gemengelage auf dem Platz war.

Pflicht anstatt Kür 

Emotionen sind seit jeher ein großes Gut auf Schalke. Derzeit droht ihnen dieser königsblaue Kessel um die Ohren zu fliegen, auch wenn sie derzeit noch hastig versuchen, mit Schlichtungsgesprächen die Situation notdürftig zu kitten.

So kann diese Mannschaft längst nicht so unschuldig auftreten, wie ihre Ahnen der Eurofighter-Generation. Wo damals jede Runde Kür sein durfte, scheint jetzt das Erreichen des Viertelfinals in der Königsklasse Pflicht.

Nur Durchgangsstation für Porto 

In Porto registriert man das mit einem gewissen Wohlwollen. Aus der eigenen nationalen Liga sind sie längst herausgewachsen.

Der portugiesische Serienmeister hat den personellen Schnitt nach dem Champions-Legue-Sieg 2004 mittlerweile verarbeitet, die Mannschaft ist in den letzten Jahren so gewachsen, dass man sich bereit fühlt für den nächsten großen Titel.

Schalke ist als Durchgangsstation gedacht. Schalke, Gelsenkirchen, das ist auch noch ein bisschen Schicksal, nachdem man dort 2004 die Champions League gewann.

Historische Chance 

Ein Aus, gegen die europäische Elite, wie in der vergangenen Saison im Achtelfinale gegen den FC Chelsea, das könnte man noch akzeptieren - und da waren sie schon nah dran. Das Scheitern gegen Schalke hätte einen peinlichen Beigeschmack.

Die Knappen haben in dieser Saison gegen Chelsea, in Valencia und gerade auch im Hinspiel gegen Porto bewiesen, dass ihnen an guten Tagen Europas Spitze zuweilen näher ist, als es ihre Bundesliga-Performance vermuten lässt.

Es liegt mir fern zu spekulieren, wie viel Politik gegen Verein und/oder Trainer sich auf nationalem Terrain dahinter verbirgt. Klar ist, auf europäischem Niveau, will sich jeder Akteur, schon aus eigenem Interesse, in Abendgarderobe präsentieren. Gut für Schalke 04, gut für Mirko Slomka, gut für die historische Chance.

Bleiben Sie sportlich,

Wolff Fuss

Wolff Fuss kommentiert am Mittwochabend das Spiel Porto gegen Schalke in der Champions-League-Konferenz von Premiere live!

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