Schalke vor dem Porto-Spiel

Eine fatale Erkenntnis

Von Haruka Gruber
Dienstag, 19.02.2008 | 11:27 Uhr
© Getty
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München - Zu den verbreitetsten Methoden in der Betriebswirtschaftslehre gehört das "Management by Objectives".

Klingt kryptisch, die Grundidee hinter dem MbO ist jedoch eine simple: Ein Unternehmen definiert mit den Arbeitnehmern bestimmte Ziele, bei Erfüllung dieser winken Gratifikationen.

In der Terminologie des Fußballs sind es Prämien, die etwa der FC Schalke 04 an seine Spieler überweist, wenn Königsblau im Hinspiel des Champions-League-Achtelfinals gegen den FC Porto (ab 20.45 Uhr im SPOX-TICKER und Internet TV) ein gutes Ergebnis erzielt.

Oder wenn Schalke nach einem halben Jahrhundert endlich die Meisterschaft gewinnt. Oder wenn am Ende der Saison zumindest der dritte Bundesliga-Platz herausspringt, um sich auch nächste Saison mit den Besten der Besten zu messen.

Und das sind nur die Objectives für dieses Jahr. 2012 zum Beispiel soll der Verein bereits auf Augenhöhe mit dem FC Bayern agieren, wie Präsident Josef Schnusenberg verriet.

Gelungene Generalprobe? Von wegen!

Beim Revierklub geht es demnach äußerst ambitioniert zu. Wäre nur nicht ein grundlegendes Problem: Ziele gibt es zuhauf, es hakt jedoch an der Umsetzung. In der Winterpause wurde noch offensiv von einem Titelgewinn gesprochen, gleich zum Rückrunden-Auftakt setzte es aber im vermeintlich leichtesten Wettbewerb, dem DFB-Pokal, das Achtelfinal-Aus in Wolfsburg.

Vier Tage vor dem Porto-Spiel verpasste Schalke in der Bundesliga dann auch noch durch die vermeidbare Heimniederlage gegen Angstgegner Wolfsburg Big Points im Kampf um die Champions-League-Plätze.

Eine Frage der Einstellung

"Gegen den VfL waren wir nicht total konzentriert. Als ob wir gedacht hätten: Wir sind ja besser, es läuft schon", sagt Kevin Kuranyi im "Kicker". Dem Kader mangelt es folglich an der Fokussierung. Eine fatale Erkenntnis vor dem ersten Champions-League-K.o-Spiel der Klubhistorie, so Marcelo Bordon.

"Ich habe keine Erklärungen mehr für solche blöden Gegentore. Hier stimmt was nicht", sagt der sonst so zurückhaltende Kapitän. "Wir müssen etwas verändern." Und was? "Alles." Es knistert im Gebälk. Bordon hat genug vom Larifari-Fußball und hält vor allem die Offensivspieler dazu an, gegen Porto konsequenter nach hinten zu arbeiten. "In der Defensive sind alle gefragt."

Das Morgen ist wichtiger als das Heute

Im Umkehrschluß: Ist Bordons Kritik ein Indiz dafür, dass sich das Team womöglich vom schicken Champions-League-Antlitz hat blenden lassen? Dafür, dass sich das Team bei der Heerschar an Objectives nicht mehr ganz bewusst ist, wie die Prioritäten beim Vizemeister verteilt sind?

Erstens: Bundesliga. Zweitens: Bundesliga. Und irgendwann auf Platz drei: Mußestunden in der Königsklasse. So ist die Reihenfolge bei Königsblau seit jeher, denn während Erfolge in der Champions League mit dem "guten, aber nicht großen Team" (Zitat Kuranyi) nur schwer einzuplanen sind, verspricht ein dritter oder sogar zweiter Platz in der Bundesliga mehr finanzielle Planungssicherheit.

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Führungsetage hält still

Eine Politik der Vernunft. Von der Schalker Führungsriege formuliert und nach außen kommuniziert - kurioserweise aber nicht nach der Niederlage gegen Wolfsburg. In Anbetracht der Schalker Schlafmützigkeit wäre es nahe liegend gewesen, die Mannschaft zur Räson zu bringen. Erstens: Bundesliga. Zweitens: Bundesliga. Fernab dahinter: Champions League.

Aber ganz im Gegenteil: Trainer Mirko Slomka sprach lediglich von einer "bitteren Niederlage", Manager Andreas Müller attestierte der Mannschaft sogar eine "ordentliche Leistung". Mehr noch: "Wir sind in der Lage, gegen fast jede Mannschaft in Europa mitzuhalten."

Was also will Schalke? Sich auf die Bundesliga fokussieren? Mit aller Macht den Überraschungscoup gegen Porto anstreben? Oder sind beide Ziele irgendwie doch miteinander vereinbar?

Durch den offensichtlichen Interessenkonflikt hat sich Schalke für heute Abend gehörig und völlig unnötig unter Druck gesetzt.

Mark Twain sagte einmal: "Wer nicht weiß, wo er hin will, wird sich wundern, dass er ganz woanders ankommt." Aber was wusste Twain schon vom Fußball...

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Schalke: Neuer - Rafinha, Bordon, Krstajic, Westermann - Jones, Ernst - Rakitic, Kobiaschwili - Asamoah, Kuranyi

Porto: Helton - Fucile, Emanuel, Alves, Cech - L. Gonzalez, Assuncao, Meireles - Sektioui, Lisandro Lopez, Quaresma

Schiedsrichter: Duhamel (Frankreich)

 

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