Boubacar Sanogo im Portrait

Sie nennen ihn Jürgen

Von Andreas Lehner
Montag, 10.12.2007 | 18:47 Uhr
Sanogo, Boubacar, Werder, Bremen
© Getty
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München - Es war ein nervenaufreibendes, intensives Spiel, das Werder Bremen am Samstag bei Hannover 96 hinter sich brachte.

Eine 3:4-Niederlage mit vielen umstrittenen Schiedsrichterentscheidungen und abenteuerlichen Abwehrfehlern. Ein Spiel, das an den Nerven zerrt - und das so kurz vor dem alles entscheidenden Champions-League-Spiel bei Olympiakos Piräus (Das spannende Finale: Di., 20.45 Uhr im SPOX-LIVE-TICKER oder die deutschen Spiele in der Konferenz bei Premiere und im Internet TV).

Auch dort erwartet Bremen ein heißer Tanz vor rund 33.000 fanatischen Griechen. Damit es mit dem Sieg im Stadion Georgios Karaiskakis klappt, benötigt Bremen Tore - für die soll Boubacar Sanogo sorgen.

Seit seinem Wechsel vom Hamburger SV blüht der Ivorer richtig auf und erzielte neben sieben Bundesligatreffern auch drei Tore in vier Spielen in der Königsklasse. Nur im Hinspiel gegen Piräus traf er nicht. Das will er natürlich ändern.

Klinsmann als Vorbild

In kurzer Zeit hat sich Sanogo zum Fixpunkt im Bremer Angriff entwickelt. Vielleicht liegt es auch an der Nummer 18, die er auf dem Trikot trägt. "Ich hab immer gesagt, wenn ich Profi bin, muss ich mit dieser Nummer spielen", sagt Sanogo im Exklusiv-Interview mit Premiere (hier geht es zum Video). Der Grund: Jürgen Klinsmann ist sein großes Vorbild. Schon als Kind rannte er in seiner afrikanischen Heimat am liebsten mit Klinsmann-Trikot rum.

Für seine Mitspieler ist der Fall damit klar. Warum den richtigen Namen verwenden, wenn es doch viel einfacher geht - sie nennen ihn Jürgen. Sanogo freut das: "Ich liebe diesen Spieler."

Selbst die Bewegungsabläufe des ehemaligen Bundestrainers wollte sich der Ivorer einst aneignen. Doch Klinsmanns eigenwilliger Laufstil, der ihm den Spitznamen "Traber" einbrachte, war selbst für den Ivorer zu viel. "Ich habe probiert so wie er zu laufen - aber das geht nicht", meint der 24-Jährige und grinst verschmitzt.

Schlechte Zeit in Hamburg

In Sachen Torgefährlichkeit und Abschlussstärke kommt er seinem Idol teilweise sehr nahe - und dass, obwohl er vor nicht einmal einem halben Jahr als gescheitert galt.

In Hamburg wurde Sanogo nie richtig glücklich und zum Sündenbock für eine verkorkste Saison auserkoren. Am Ende pfiffen ihn sogar die eigenen Fans gnadenlos aus. Für den sensiblen Stürmer kam Bremens Angebot wie ein Rettungsanker: 120 km südwestlich von Hamburg gelang ihm auf Anhieb der Neuanfang.

"Ich will nicht mehr von Hamburg sprechen, weil das eine schlechte Zeit für mich war", sagt Sanogo heute. Nur sieben Tore gelangen ihm in 37 Pflichtspielen für den Nord-Rivalen. Vielleicht lag es auch an der ungeliebten Rückennummer 17.

Glücksfall für Werder

Bremen erwies sich als Glücksfall für ihn. Genauso wie Sanogo für Bremen, der seine fünf Millionen Euro Ablöse schon in der ersten Saisonhälfte rechtfertigte und den Abgang von Miroslav Klose damit vergessen ließ. "Er ist eine absolute Kultfigur in Bremen. Jede Aktion wird vom Publikum getragen. Ein Riesen-Kompliment", ist auch Klinsmann von seinem Fan begeistert.

Seine Leistungen haben ihn auch wieder ins Nationalteam gespült. Der Coach der Elfenbeinküste, Uli Stielike, sieht ihn sogar als würdigen Vertreter von Didier Drogba, da dieser für den Afrika-Cup im Januar auszufallen droht.

Für Bremen wäre dies zu Beginn des Jahres ein herber Verlust. Aber auch für Sanogo wäre es wohl schwer, für längere Zeit nicht für Werder spielen zu können. Denn er fühlt sich sehr wohl an der Weser: "Ich bin jetzt in einer besseren Mannschaft und sehr glücklich." Ein Sieg in Piräus würde dieses Gefühl noch verstärken.

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