Wunder der etwas anderen Art

SID
Donnerstag, 04.10.2007 | 13:18 Uhr
hugo almeida
© Getty
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Bremen - Nach dem Werder-Wunder der etwas anderen Art machte sich das Entsetzen breit. 

Rat- und fassungslos schauten die Bremer auf den Boden und suchten nach Erklärungen für eine peinliche Pleite, die für den Bundesligisten das fast schon sichere Champions-League-Aus bedeutet.

"Wir haben ein bisschen um die Tore gebettelt", kommentierte Nationalspieler Per Mertesacker das verschenkte Spiel beim 1:3 (1:0) gegen Olympiakos Piräus, das zeigte, wie schmal der Grat zwischen Überlegenheit und Überheblichkeit ist.

Beeindruckende 65 Prozent Ballbesitz, 5:1 Torchancen - die in 31 Auswärtsspielen der Champions League sieglosen Griechen schienen in der ersten Halbzeit zum Abschuss bereit zu stehen. "Dann dachten wir vielleicht, alles würde so weitergehen", sagte Diego und gab zu: "Wir haben in der zweiten Halbzeit aufgehört zu laufen, wir haben es schleifen lassen."

"Heilige griechische Nacht"

Mit an Arroganz grenzender Lässigkeit ließen die behäbigen Bremer den zuvor sicher und souverän beherrschten Gegner aufkommen, der sein Glück kaum fassen konnte. "Das ist ein historischer Sieg", jubilierte der sonst eher dröge Piräus-Coach Panagiotis Lemonis.

Und die Sportzeitung "Protathlitis" schrieb: "Heilige Nacht! Ein 31- Spieltage-Auswärtsfluch ist zu Ende". Piräus gelang eine jener Aufholjagden, die sonst eher Werders Spezialität sind und die den Mythos vom "Wunder an der Weser" begründeten.

Ungewohnt deutlich kritisierte Trainer Thomas Schaaf: "Es ist vollkommen egal, ob man Königsklasse oder Kreisklasse spielt, wenn man den Zweikämpfen aus dem Weg geht, dann kann man nicht gewinnen." Wenn man Piräus spielen lasse, "muss man mit so etwas rechnen".

Nach der Werder-Führung durch Hugo Almeida (32.), der bei Nutzung aller Chancen locker die Führung in der Champions-League-Torjägerliste übernommen hätte, nahmen Ieroklis Stoltidis (72.), Christos Patsatzoglu (83.) und Darko Kovacevic (87.) das freundliche Werder- Angebot an.

"Es sieht für uns nicht gut aus"

Letztlich unerheblich war, dass der für den verletzten Tim Wiese eingesprungene Ersatz-Keeper Christian Vander beim letzten Treffer der Griechen mithalf. "Das dritte Tor schmälert meine Leistung, das macht mich tot-traurig", sagte der Schlussmann nach seinem ersten Europokal-Einsatz. Vander habe "in der ein oder anderen Szene nicht gut ausgesehen", sagte Schaaf, schränkte jedoch ein, dass das ja auf die gesamte Mannschaft zutreffe.

"Das war ein Schritt zurück statt nach vorne", konstatierte der Coach angesichts der zuletzt guten Leistungen nach dem schwierigen Saisonstart. Und zu den Chancen des punktlosen Tabellenletzten der Vorrunden-Gruppe C sagte er: "Es sieht für uns nicht gut aus."

Dass der Sprung in die nächste Runde auch nach solch einem Fehlstart noch möglich ist, haben die Bremer vor zwei Jahren bewiesen: Trotz der beiden Auftakt-Niederlagen gegen Panathinaikos Athen und FC Barcelona erreichten sie mit Glück und Geschick doch noch das Achtelfinale.

Rückkehrer sind einziger Trost 

Hoffnung macht Werder, dass die lange verletzten Torsten Frings, Tim Borowski und Clemens Fritz ihre Comebacks unbeschadet überstanden haben, auch wenn sie noch nicht bei voller Leistungsstärke sind.

"Wir haben lange den Ausfall der Verletzten kompensiert, jetzt müssen wir ihre Rückkehr kompensieren", sagte Mertesacker und prophezeite: "Mittelfristig werden sie uns richtig Auftrieb geben."

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