Fussball

VAR-Verwirrung bei FC Augsburg gegen RB Leipzig: Auf die Länge kommt es an

Schiedsrichter Tobias Welz nahm seine Elfmeterentscheidung nach Rücksprache mit dem VAR zurück.
© imago

Beim 0:0 zwischen dem FC Augsburg und RB Leipzig stand einmal mehr der Videobeweis im Mittelpunkt. Erst nach über vier Minuten und einer zwischenzeitlichen Bestätigung nahm Schiedsrichter Tobias Welz eine Elfmeterentscheidung zurück.

"Es hat viel zu lange gedauert", sagte Augsburgs Rani Khedira nach dem Spiel und um zu betonen, wie viel zu lange, zog er das "viel" einfach in die Länge: "Viiiiiiel!" Es ging um die Zeit zwischen der Spielsekunde 9:12, in der Timo Werner während eines Zweikampfs mit Jeffrey Gouweleeuw zu Boden sank und Welz umgehend auf Elfmeter entschied. Und der Spielsekunde 13:26, in der er das Abseits-Handzeichen in die Augsburger Luft malte.

In der Zwischenzeit machte sich Khedira allerlei Gedanken. "Ich hatte das Gefühl, ich verkühle mich", erinnerte er sich. "Dann habe ich daran gedacht, dass der Yussuf wahrscheinlich links oben schießen wird, weil er im Training acht von zehn dorthin geschossen hat." Khedira und Yussuf Poulsen spielten einst gemeinsam für RB Leipzig, Khedira hatte beim Elfmeter-Training offenbar gut aufgepasst.

Zunächst deutete alles darauf hin, dass Poulsen den Elfmeter gegen Khediras aktuellen Klub Augsburg auch tatsächlich ausführen dürfe. Nach einem Besuch in der Review Area machte Welz bei Spielsekunde 12:56, über drei Minuten nach dem Pfiff also, nämlich erneut die Elfmeter-Geste. "Er hat auf Elfmeter entschieden und nach drei Minuten anschauen hat er nochmal auf Elfmeter entschieden", resümierte Leipzig-Trainer Ralf Rangnick. Dann suchte Welz aber offenbar erneut den Kontakt mit Köln - und nahm den Elfmeter wegen einer Abseitsstellung korrekterweise doch zurück.

Das war passiert: Nordie Mukiele eroberte den Ball am eigenen Strafraum und drosch ihn nach vorne, wo ihm Jean-Kevin Augustin aus einer Abseitsposition knapp in der gegnerischen Hälfte entgegenhuschte. Er leitete ihn zu Poulsen weiter, der auf der linken Seite Werner bediente. Bis zum Strafraum bequemte er sich noch, um dort zu Boden zu fallen. Ob Foul oder nicht, war letztlich unerheblich. Warum aber brauchten Welz und seine Kollegen in Köln über vier Minuten, um die faktische ja/nein-Abseitsentscheidung zu treffen?

Tobias Welz erklärt seine Entscheidung

"Zunächst wurde der Zweikampf überprüft, aber darum ging es dann bald nicht mehr, sondern nur mehr um den Abseitsnachweis", erklärte Welz. "Mein Assistent hat sofort nach der Strafstoßentscheidung angemerkt, dass es im Vorfeld eine ganz knappe Abseitssituation gab. Auf Grund der großen Distanz zwischen dem Abspiel vom Leipziger Strafraum nach vorne war es aber unwahrscheinlich schwierig, die richtige Kameraperspektive zu finden. Die Kollegen in Köln haben akribisch gesucht und deshalb hat das so lange gedauert."

Die Augsburger Videoanalysten auf der Tribüne waren anscheinend schneller. "Nach einer halben Minute bekamen wir von oben die Info, dass es eine Abseitsposition war", sagte Augsburgs Manager Stefan Reuter. Zu diesem Zeitpunkt war Welz noch nicht einmal in der Review Area. Erst über eine Minute nach der Spielunterbrechung schaute er sich den Zweikampf an, den er übrigens auch nach Ansicht der Bilder als "elfmeterwürdig" bezeichnete.

Erst dann ging es um die Abseitsentscheidung. Während in Köln weiterhin nach der richtigen Kameraperspektive gesucht wurde, ging Welz zurück aufs Feld, "um die beiden Spielführer zu informieren". Dann machte er erneut das Elfmeter-Handzeichen, wenig später kam doch noch das Signal: Abseits.

Eine VAR-Entscheidung und drei Unklarheiten

Warum - trotz angeblichem Hinweis des Assistenten - nicht direkt die Abseitssituation überprüft wurde, blieb letztlich unklar. Auch unklar blieb, warum Welz zwischenzeitlich erneut das Elfmeter-Handzeichen gab, und für alle Beteiligten war zunächst offenbar ebenfalls unklar, wer denn nun im Abseits stand. "Der Schiri hat gesagt, ich war im Abseits. Das verstehe ich nicht. Ich weiß nicht, was er da herausgefunden hat", sagte Poulsen, der tatsächlich nicht im Abseits stand. Sondern Augustin, der ihm den Ball weitergeleitet hatte.

Was blieb, war viel Verwirrung und die gönnerhafte Aussage des Augsburger VAR-Befürworters Michael Gregoritsch, er würde für die richtige Entscheidung sogar "eine Viertelstunde" warten. Seinem Kollegen Khedira bliebe viel Zeit zum Nachdenken.

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