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Fussball

FC Bayern und Leon Goretzka siegen auf Schalke: Kein Grund für große Emotionen

Von Dennis Melzer
Leon Goretzka spielte von 2013 bis 2018 auf Schalke, ehe er im Sommer ablösefrei nach München wechselte.
© Getty

Der FC Bayern München lässt auch auf Schalke keine Zweifel an seiner nationalen Vormachtstellung aufkommen und gewinnt beinahe mühelos. Leon Goretzka behält bei seiner Rückkehr bajuwarisch-kühlen Kopf und begegnet Anfeindungen mit großer Gelassenheit.

Grau in Grau präsentierte sich Gelsenkirchen an diesem samstäglichen Spätnachmittag. Bindfadenartiger Regen ergoss sich über dem Ruhrgebiet, als die Mannschaftsbusse an der Veltins-Arena vorfuhren. Wohl dem, der bei solch ungemütlichen Rahmenbedingungen über die fortschrittliche Technik verfügt, dem Wetter ein Schnippchen zu schlagen.

Kurzerhand wurde das Dach des Stadions geschlossen, ehe der Protagonist des Abends erstmals in Erscheinung trat: Leon Goretzka schlich sich beinahe etwas schüchtern aus den Katakomben, ließ mit großen Augen die Blicke in seinem alten Wohnzimmer schweifen und erntete mit Betreten des Rasens das erwartete Pfeifkonzert.

Weil er im Sommer die Fronten gewechselt hatte, den Arbeiterverein aus dem Pott gegen den FC Bayern München, den verhassten Schickeria-Klub aus dem Süden, eingetauscht hatte.

Goretzka-Rückkehr: kein Vergleich mit Lissabon und Sanches

Noch am Freitag hatte Bayern-Trainer Niko Kovac einen Appell an die Fans des FC Schalke gerichtet. Er würde sich wünschen, "dass ehemalige Spieler, die Gutes für diesen Verein geleistet haben, genauso empfangen werden, wie wir das vor zwei Tagen gesehen haben".

Gemeint waren damit die denkwürdigen Szenen, die sich am Mittwoch im Lissaboner Estadio da Luz abgespielt hatten, als Benficas Ex-Spieler Renato Sanches im Dress des Gegners zum entscheidenden 2:0 getroffen hatte und die Anhänger ihren einstigen Liebling mit Applaus und Standing Ovations bedachten.

Dass Goretzka keinen ähnlich warmen Empfang auf Schalke erwarten durfte, war ihm zuvor aber schon selbst klar. "Das wird sicherlich nicht so werden wie bei Renato", hatte der gebürtige Bochumer gleich nach Abpfiff der Champions-League-Partie erklärt.

Wie erwartet fiel die Begrüßung unversöhnlich aus, einige wenige im Knappen-Trikot spendeten dem Nationalspieler aber immerhin ein wenig Beifall. Schon im Vorfeld hatte Kovac verraten, dass Goretzka gegen die ehemaligen Kollegen von Beginn an mitmischen würde und seinem Neuzugang einen klaren Kopf attestiert.

Kopfballungeheuer James Rodriguez stellt die Weichen

Während der Begegnung ebbten die Unmutsbekundungen gegen den 23-Jährigen schnell ab, die Zuschauer widmeten sich lieber der Anfeuerung der eigenen Mannschaft. Lauthals pushten die Königsblauen auf den Rängen ihre Jungs nach vorne, sangen sich die Kehlen heiser, um ihren Teil beizutragen, den großen Favoriten aus dem Süden endlich einmal ins Wanken zu bringen.

Es sollte nicht erhört werden. Viel zu souverän machte der Rekordmeister in aller Deutlichkeit klar, dass für die noch punktlose Truppe von Domenico Tedesco auch am vierten Spieltag nicht viel zu holen sein würde.

James Rodriguez stellte mit seinem zweiten Kopfballtor in Serie (traf schon in der vergangenen Woche gegen Leverkusen per Kopf) die Weichen bereits nach acht Minuten auf Bayern-Erfolg. In der Folge machten die Gastgeber die Räume zwar eng, suchten ihr Heil aber in uninspirierten Befreiungsschlägen, die allesamt von Mats Hummels und Niklas Süle locker entschärft wurden.

Bayern mit perfekter Bilanz, Schalke weiter ohne Bundesliga-Punkt

Während die Bayern zwischenzeitlich in eine Art erfolgssichere Lethargie verfielen, ohne dabei in Gefahr zu geraten, brach sich das Wasser durch ein Loch im Arena-Dach Bahn, ausgerechnet gleich neben Tedesco. Ein Bild mit Symbolcharakter.

Nach einem fälligen Strafstoß für die Gäste, den Robert Lewandowski locker verwandelte, war das entschieden, was eigentlich schon seit dem Anstoß entschieden war: Der Dauer-Dominator der Liga fuhr den siebten Sieg im siebten Pflichtspiel ein, Schalke kassierte die vierte Pleite im vierten Bundesliga-Spiel der noch jungen Saison.

Obwohl Kovac sein Team gegenüber Lissabon auf vier Positionen umgestellt hatte, stellten sich auch diesmal kaum Unstimmigkeiten ein, abermals überzeugte auch die - wenn man so will - zweite Reihe ohne Arjen Robben, Jerome Boateng oder Javi Martinez.

Leon Goretzka: Unauffällig, aber "sehr gut"

Und Goretzka? Der blieb einigermaßen unauffällig, erfüllte seinen Job aber mit Sorgfalt. Am Ende hatte der Mittelfeldmann, der neben Thomas Müller in der Zentrale agierte, 78 Prozent seiner Pässe an den Mitspieler gebracht, weit über die Hälfte seiner Zweikämpfe und alle Kopfballduelle gewonnen.

Ein Auftreten, das in der Bundesliga aktuell nun einmal reicht, um die Konkurrenz hinter sich zu lassen. "Sehr engagiert, sehr gut", fasste Kovac dessen Leistung kurz und prägnant zusammen.

"So wie ich es erwartet hatte", antwortete Goretzka im Anschluss auf die Frage, wie er seinen Empfang wahrgenommen habe. "Es war ähnlich wie beim Abschied: Es gibt immer gewisse Hardliner, die ihren Unmut äußern, das ist okay. Ich habe mir nichts vorzuwerfen, ich habe fünf Jahre bis zum letzten Tag alles gegeben."

Und so ging er dahin, ließ noch einmal die Blicke durchs Rund schweifen, bevor er sich noch am selben Abend auf den Weg in seine neue Heimat machte. Raus aus dem grauen Gelsenkirchen, zurück nach München, das am Samstag einen zumindest teilweise sonnigen Oktoberfest-Start feierte. Irgendwie sinnbildlich für die derzeitigen Situationen der jeweiligen Klubs.

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