Fussball

SV Werder Bremen - Borussia Dortmund 2:2: BVB verspielt wohl letzte Titelchance

Von Max Schrader
Borussia Dortmund hat in Bremen nach einer 2:0-Führung unentschieden gespielt.

Borussia Dortmund hat durch ein 2:2 (2:0) bei Werder Bremen wohl die letzte Chance auf die Meisterschaft verspielt. Der BVB gab in Bremen nach einer dominanten Stunde eine Zwei-Tore-Führung aus der Hand.

Am Ende gab es zwei Verlierer: Der BVB verspielte wohl die Chance auf den Meistertitel, Werder bringt der Punkt im Rennen um die Europapokal-Plätze genauso wenig. Nur Claudio Pizarro, der den Ausgleich erzielte, konnte grinsen: "Wenn wir den Bayern helfen können: Warum nicht?"

Die Zuschauer im Weser-Stadion sahen zwei unterschiedliche Halbzeiten. "Wir hatten klare Gelegenheiten, vor allem in der ersten Halbzeit", sagte BVB-Trainer Lucien Favre nach der Partie gegenüber Sky. Dortmund verspielte zum fünften Mal in dieser Saison eine Führung. "Es ist schwer zu sagen, wie wir das wieder geschafft haben. Es ist unglaublich ärgerlich", sagte Julian Weigl.

Unterm Strich kosteten zwei haarsträubende individuelle Fehler dem BVB drei Punkte. Beim Anschlusstreffer der Bremer, die bis zu diesem Zeitpunkt kaum für Torgefahr gesorgt hatten, flutschte BVB-Keeper Roman Bürki der Ball durch die Hosenträger.

"Wir müssen nicht über Roman sprechen. Egal was passiert ist: Er hat eine Top-Saison gespielt", sagte Favre. Dem 2:2 ging ein Fehler von Manuel Akanji voraus. Der BVB hat nun vier Punkte Rückstand auf den FC Bayern. Sei Einführung der Drei-Punkte-Regel wurde ein solcher Vorsprung nach dem 32. Spieltag nie mehr eingeholt.

Doch auch die Bremer schlichen trotz der euphorischen Schlussphase mit gesenkten Häuptern in die Katakomben. "Das Ergebnis deckt sich nicht mit unseren Ansprüchen. Euphorie hin oder her: Wir haben nur einen Punkt", sagte Max Kruse.

Der Werder-Kapitän ärgerte sich über den nicht gegebenen Handelfmeter zugunsten des SVW. Mario Götze hatte den Ball mit dem Unterarm gestoppt. Favre wollte sich zu diesem Thema nicht mehr äußern.

Werder Bremen - BVB: Die Stimmen zum Spiel

Florian Kohfeldt (Trainer Werder Bremen): "Wir haben ein tolles Spiel gemacht, obwohl wir in der ersten Halbzeit Schwierigkeiten hatten. Jeder kann stolz sein, dass wir in schöner Regelmäßigkeit solche Spiele abliefern."

Claudio Pizarro (Werder Bremen): "Es ist immer etwas Besonderes hier zu spielen. Leider haben wir am Ende nicht gewonnen, aber wir haben einen guten Job gemacht. Und wenn wir den Bayern helfen können: Warum nicht?

... über den Effekt seiner Einwechslung: "Wenn ich reinkomme, versuche ich immer die Jungs mitzunehmen und ins Spiel zu kommen. Das hat geklappt. Am Ende sind wir zufrieden mit dem Unentschieden. Wir kämpfen weiterhin um die Europa-League-Teilnahme."

... über seine Zukunft: "Ich habe immer noch Lust Fußball zu spielen. Ich werde in den nächsten Wochen mit den Vereinsverantwortlichen sprechen, dann werden wir sehen."

Max Kruse (Werder Bremen): "Wir haben es am Anfang sehr schlecht gemacht, haben die Balance aus Pressing und Abwarten nicht hinbekommen. Es ist schwer, gegen so einen Gegner nochmal zurückzukommen. Das haben wir geschafft, aber das Ergebnis deckt sich nicht mit unseren Ansprüchen. Euphorie hin oder her: Wir haben nur einen Punkt. Wir glauben noch dran, wir wissen aber, dass es schwierig wird."

... über das Handspiel von Mario Götze: "Der Elfmeter ist derzeit nicht unser Freund. Der Ball war lange in der Luft, keiner war mehr dran, da hat die Hand nichts zu suchen. Für mich gibt es da keine zwei Meinungen."

Julian Weigl (Borussia Dortmund): "Es ist schwer zu sagen, wie wir das wieder geschafft haben. Es ist unglaublich ärgerlich. Wir hatten viele Chancen. Das wieder herzugeben ist bitter. Unterm Strich geht das 2:2 in Ordnung so wie Bremen in der zweiten Halbzeit gespielt hat. Es war schwierig, Akzente zu setzen, wenn Bremen so reindrückt. Die defensive Spielweise hat sich so aus dem Spielverlauf ergeben. Rein rechnerisch ist die Meisterschaft noch möglich, aber es wird natürlich jetzt extrem schwierig."

Lucien Favre (Trainer Borussia Dortmund): "Wir hatten klare Gelegenheiten, vor allem in der ersten Halbzeit. Wir kriegen zwei unnötige Tore, das ist klar."

... über den Patzer von Roman Bürki: "Wir müssen nicht über Roman sprechen. Egal was passiert ist: Er hat eine Top-Saison gespielt."

... zum Handspiel von Götze: "Ich will nicht mehr darüber gesprochen. Ich habe schon viel zu diesem Thema gesagt."

Werder Bremen - BVB: Die Analyse

Nach der Derby-Pleite musste Trainer Lucien Favre zwei Mal wechseln: Die rotgesperrten Reus und Wolf wurden durch Alcacer und Pulisic ersetzt. Bei den Gastgebern musste Trainer Kohfeldt auf den gesperrten Moisander sowie auf den verletzten Gebre Selassie verzichten. Außerdem nahm Johannes Eggestein auf der Bank Platz. Dafür spielten Friedl, Veljkovic und Osako.

Der BVB begann sehr munter und hatte schon nach 30 Sekunden die erste Möglichkeit. Nur fünf Minuten später traf Pulisic nach feinem Solo zur frühen Führung. Bremen schaffte es nicht, die schnellen Außen um Sancho und Pulisic zu stellen. Dortmund verschob clever, sodass sowohl Klaassen als auch Eggestein durch das 4-3-1-2-System zu weit innen waren.

Nach 14 Minuten verhinderte Pavlenka den zweiten Gegentreffer, als er glänzend gegen Götze hielt. In einer Phase, in der die Werderaner sich mehr Spielanteile herausspielten, traf der BVB durch einen sehenswerten Freistoß von Alcacer zum 2:0 und hätte kurz vor der Pause mit drei Toren führen müssen, doch Diallo traf drei Meter vor dem Tor den Ball nicht richtig.

In Halbzeit zwei kam das Team von Florian Kohfeldt besser ins Spiel, was auch daran lag, dass Möhwald den blassen Sahin im Zentrum ersetzte. Gefährlich wurde es jedoch nur vor dem Bremer Gehäuse - erst durch Guerreiro, später durch Alcacer. Ein verhängnisvoller Aussetzer von BVB-Keeper Bürki bei einem haltbaren Möhwald-Abschluss ebnete den Werderanern jedoch einen unverhofften Weg zurück ins Spiel.

Durch die Hereinnahme von Pizarro drückte Werder mehr und kam nur fünf Minuten später erneut durch einen dicken Bock von Akanji zum Ausgleich: Anstatt den Ball zu klären, ließ Akanji Augustinsson den Ball in die Mitte spielen, wo Pizarro das Leder zum Endstand über die Linie drückte und den Dortmunder Meisterträumen wohl endgültig den Todesstoß versetzte.

Die Daten des Spiels SV Werder Bremen gegen Borussia Dortmund

  • Tore: 0:1 Christian Pulisic (6.), 0:2 Paco Alcacer (41.), 1:2 Kevin Möhwald (70.), 2:2 Claudio Pizarro (75.)
  • Max Kruse hat sein 250 Bundesliga-Spiel bestritten.
  • Dortmund gewann acht der letzten neun Samstagabendpartien und verlor nur Anfang April beim 0-5 in München.
  • Werder Bremen ist der einzige Bundesligist, der an den letzten elf Spieltagen ohne Weiße Weste blieb. Letztmals zu null spielte der SVW am 10. Februar beim 4-0 gegen den FC Augsburg.

Der Star des Spiels: Christian Pulisic

Auffälligster BVB-Akteur mit guten Dribblings, viel Tempo und dem Führungstreffer nach feinem Solo. Holte außerdem den Freistoß zum 2:0 raus und bestritt mit Abstand die meisten Zweikämpfe (67,9 Prozent gewonnen).

Der Flop des Spiels: Nuri Sahin

Gegen seinen Ex-Verein sollte er das Spiel lenken, doch das gelang ihm zu keiner Zeit. Auch im Zweikampfverhalten ließ er viel vermissen. Gewann lediglich 28.6 Prozent seiner Zweikämpfe. Musste nach einer guten Stunde für Möhwald weichen.

Der Schiedsrichter: Marco Fritz

Der FIFA-Schiedsrichter ließ oft Fingerspitzengefühl vermissen. Hätte Friedl in der 22. Minute verwarnen müssen. Zehn Minuten später bekam Klaassen den gelben Karton, Fritz hätte aber vorher abpfeifen müssen, als Osako von Diallo gefoult wurde. Vor dem 2:0 auf Foul zu entscheiden war hart, aber vertretbar. Verweigerte Bremen nach dem Ausgleich trotz VAR-Überprüfung einen Handelfmeter, den er wohl hätte geben können. Ein sehr durchwachsener Auftritt des Unparteiischen.

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