Fussball

FC Bayern - Hannover 96 3:1: FCB feiert Arbeitssieg und Robbens Comeback

Arjen Robben (r.) kehrte gegen Hannover 96 in Bayerns Startelf zurück.

Der FC Bayern hat einen weiteren Schritt Richtung 29. Meisterschaft gemacht. In einer von zwei fragwürdigen Schiedsrichter-Entscheidungen und dem Comeback des lange verletzten Arjen Robben geprägten Partie setzte sich der Spitzenreiter mit 3:1 (2:0) gegen Schlusslicht Hannover 96 durch. Aufgrund der Niederlage des VfB Stuttgart bei Hertha BSC (1:3) ist der Abstieg der Hannoveraner noch nicht endgültig besiegelt.

"Noch ist alles drin", gab sich Doll nach dem Spiel kämpferisch. "Vorausgesetzt wir machen unsere Hausaufgaben und Wolfsburg gewinnt nächste Woche in Stuttgart. Ganz Fußball-Deutschland hat heute gesehen, dass wir noch leben."

96 hatte vor über 70.000 Zuschauern in der Allianz Arena phasenweise ordentlich mitgespielt und in fast 40-minütiger Unterzahl eine höhere Niederlage verhindert. Damit konnten die Hausherren nicht zufrieden sein. "Die erste Halbzeit war noch okay, aber in der zweiten haben wir nicht gut gespielt", meinte Bayerns Rechtsverteidiger Joshua Kimmich.

Ärger herrschte auch über den Elfmeter in der 51. Minute, der zum Tor der Hannover führte. Referee Christian Dingert legte die Handspielregel nach Rücksprache mit seinem Videoassistenten sehr genau aus, nachdem ein Schuss von Linton Maina den angelegten Ellenbogen von Jerome Boateng touchierte.

Aber auch auf der Gegenseite traf Dingert kurze Zeit später mit der Gelb-Roten Karte von Jonathas, der Kimmich beim Abschirmen des Balles unglücklich mit der Hand im Gesicht traf, eine sehr fragwürdige Entscheidung. Der sichtlich bediente Doll sagte dem Referee daraufhin fehlendes "Fingerspitzengefühl" nach: "In so einer Situation Gelb zu zeigen, das geht gar nicht."

Immerhin konnte einer nach dem Spiel lachen: Rückkehrer Arjen Robben. Der 35 Jahre alte Niederländer wurde nach seiner fünfmonatigen Verletzungspause kurz vor Schluss unter tosendem Applaus und Sprechchören eingewechselt. Kimmich sprach von einem "Gänsehaut-Moment", während Robben selbst meinte: "Ich bin einfach nur dankbar, dass ich wieder zurück bin und die Fans mich so empfangen haben."

FC Bayern - Hannover 96: Die Stimmen zum Spiel

Niko Kovac (Trainer FC Bayern): "Die ersten 20 Minuten hat es Hannover sehr gut verteidigt, wir hatten zwar Ballbesitz, aber nicht allzu viele torgefährlichen Situationen. Mit dem 1:0 hat sich das Spiel geöffnet und wir haben sehr gute Chancen herausgespielt. Wir hätten mit 4:0 in die Halbzeit gehen müssen, dann hast du Ruhe. Aus heiterem Himmel passiert dann etwas, was in der heutigen Zeit ein Elfmeter ist, was aber aus meiner Sicht keiner war. Aber wir haben unsere Hausaufgaben gemacht."

Thomas Doll (Trainer Hannover 96): "In den ersten 20, 25 Minuten haben wir es ganz gut hingekriegt, dann rollt Welle für Welle über dich drüber. Das 0:1 haben wir nicht gut verteidigt, da müssen wir näher dran sein, aber die Jungs haben das sehr vernünftig gemacht. Michael Esser hat einen klasse Job gemacht. Es war ein bisschen kurios, dass wir plötzlich nochmal dran waren - aus heiterem Himmel, das war ein Phantomelfer, wie wir ihn so oft erlebt haben die letzten Wochen. Dass wir dann einen Spieler verlieren, hat mich sehr, sehr geärgert. Da musst du als Schiedsrichter ein bisschen Fingerspitzengefühl zeigen."

Arjen Robben (FC Bayern): "Es war eine schwere Zeit für mich. Das, was ich in den letzten fünf Monaten erlebt habe, will ich nie wieder erleben. Ich bin jetzt einfach nur dankbar, dass ich wieder zurück bin und die Fans mich so empfangen haben. Ich will mich hier mit zwei Titeln verabschieden."

Thomas Müller (FC Bayern): "Wir wollen nicht nur das Double holen, wir wollen die drei Spiele gewinnen, überzeugend auftreten und es einfach super positiv beenden. Wir haben uns aus dem Loch im Herbst herausgezogen, dafür wollen wir uns jetzt auch belohnen."

FC Bayern - Hannover 96: Die Analyse

Bayern-Coach Kovac entschied sich gegenüber dem 1:1 am vergangenen Spieltag in Nürnberg für eine offensivere Startelf: Außenstürmer Gnabry ersetzte den an Knieproblemen leidenden Martinez. Dafür rückte Goretzka auf die Sechs neben Thiago und Müller vom rechten Flügel auf die Zehn. Zudem durfte Boateng anstelle von Hummels in der Innenverteidigung ran.

96-Trainer Doll hingegen setzte auf eine defensive Grundordnung: Sorg, Albornoz und Walace kamen für Müller (Adduktorenbeschwerden), Bakalorz (Gelbsperre) und Jonathas (Bank) ins Team. Dolls Plan ging in der Anfangsphase noch auf: Die Münchner taten sich gegen die mit elf Mann in der eigenen Hälfte verteidigenden Hannoveraner schwer, Torchancen zu kreieren.

Ab der 20. Minute nahm der Druck der Kovac-Elf aber immer mehr zu. 96-Keeper Esser rettete aus kurzer Distanz gegen Müller (26.), blieb 60 Sekunden später nach einer von Lewandowski verwerteten Kimmich-Flanke jedoch machtlos. Vor der Pause stellte Goretzka mit einem präzisen Aufsetzer-Schuss aus der zweiten Reihe die Weichen auf Sieg (40.).

Dass sich daran trotz des strittigen Elfmetertors der Gäste kurz nach Wiederanpfiff nichts mehr änderte, war dem Platzverweis des eingewechselten Jonathas geschuldet. 96 konnte nicht mehr, der FCB wollte nicht mehr. Die Partie plätscherte vor sich hin - bis Joker Ribery mit einer schönen Einzelaktion für die endgültige Entscheidung sorgte (84.). Kurz darauf erhoben sich die Zuschauer noch einmal, um das Comeback des lange verletzten Robben zu bejubeln.

Die Daten des Spiels FC Bayern - Hannover 96

  • Tore: 1:0 Lewandowski (27.), 2:0 Goretzka (40.), 2:1 Jonathas (51./HE), 3:1 Ribery (84.)
  • In der Bundesliga-Historie kam es nur einmal vor, dass ein Tabellenletzter bei einem Tabellenführer gewann: Im August 1996 siegte Düsseldorf mit 1:0 in Leverkusen.
  • Hannover 96 ist seit 28 Bundesliga-Gastpartien sieglos (9 Remis, 19 Pleiten). Der letzte Sieg gelang im Oktober 2017 mit 2:1 in Augsburg.

Der Star des Spiels: Joshua Kimmich (FC Bayern)

Sehr agiler Auftritt des Rechtsverteidigers. Hatte die meisten Ballaktion aller Spieler (135). Suchte anders als gegen Nürnberg auch viel häufiger die Grundlinie und schlug präzise Flanken wie vor dem 1:0 durch Lewandowski. Beendete die Partie mit neun Torschussvorlagen (Bestwert) und einer Passquote von 89 Prozent. Bei Hannover der Stärkste: Torhüter Esser, ohne dessen starke Paraden (neun an der Zahl) das Ergebnis deutlich höher ausgefallen wäre.

Der Flop des Spiels: Jonathas (Hannover 96)

Auch wenn die zweite Gelbe Karte hart war: Mit seinem Platzverweis binnen drei Minuten erwies der Brasilianer seinen Kollegen einen Bärendienst. In Unterzahl war die letzte Chance, etwas Zählbares aus München mitzunehmen, dahin.

Der Schiedsrichter: Christian Dingert

In der ersten Halbzeit noch grundsolide, in der zweiten konfus. Gab kurz nach dem Seitenwechsel einen Elfmeter für die Gäste, weil Boateng einen Schuss von Maina mit dem Ellenbogen geblockt hatte (51.). Eine Entscheidung, die ebenso fragwürdig war wie die zweite Gelbe Karte von Jonathas wenig später, die einer insgesamt fair geführten Begegnung die letzte Spannung nahm (55.). Dingert erwischte schon bessere Tage.

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