Fussball

Borussia Dortmund - VfB Stuttgart 3:1: BVB verliert trotz Arbeitssieg gegen Stuttgart die Tabellenführung

Von Jonas Rütten
Marco Reus erzielte das 1:0 per Elfmeter.

Borussia Dortmund hat den Abwärtstrend der vergangenen Wochen vorläufig gestoppt und kam gegen den VfB Stuttgart zu einem mühsamen 3:1 (0:0)-Heimsieg. Dennoch verlor der BVB zum ersten Mal seit Ende September die Tabellenführung an den FC Bayern München, weil dieser zeitgleich den VfL Wolfsburg mit 6:0 schlug und aufgrund des bessere Torverhältnisses nun vor der Borussia rangiert.

Favre stellte seine Mannschaft im Vergleich zur 0:1-Niederlage gegen Tottenham notgedrungen um, brachte Hakimi auf der linken Abwehrseite für den erkälteten Weigl und stellte damit auf ein nominelles 4-1-4-1 mit Reus, Götze und Alcacer in der Startelf um.

Auffällig war dabei, dass sich Witsel immer mal wieder sehr tief postierte und im eigenen Spielaufbau fast schon als dritter Innenverteidiger agierte. Während sich der VfB gegen den Ball tief in einem 5-3-2 formierte und auf lange Bälle in die Spitze lauerte, kam der BVB mit viel Energie, großer Kombinationsfreude und funktionierendem Gegenpressing ins Spiel und wurde ein ums andere Mal gefährlich.

Alcacer und Reus hätten nach Traumpässen des umtriebigen Götze für die frühe Führung sorgen müssen. Besonders über die rechte Seite mit Sancho und Wolf (74 Prozent der Angriffe in der Anfangsphase) fand der BVB immer wieder den Weg zur Grundlinie und in den Rücken des Schwaben-Riegels.

Doch wie schon gegen die Spurs, konnte der BVB seine spielerische Dominanz (77,5 Prozent Ballbesitz in der ersten Halbzeit) nicht in Tore ummünzen. Der konsequent verteidigende VfB entnervte die Dortmunder zunehmend und hatte urplötzlich die Riesenchance, selbst in Führung zu gehen, doch Gonzalez versagten freistehend vor Bürki die Nerven (32.).

Anders als zu Beginn der Partie, kam der BVB nach der Pause nur schwer in die Gänge. Ein berechtigter Foulelfmeter, den Marco Reus zur Führung verwandelte, war nach gut einer Stunde dann der vermeintliche Türöffner für die Schwarz-Gelben (62.). Doch Alcacer vergab nur wenige Minuten später die Großchance zum 2:0 und Stuttgart kam nach einem Standard aus dem Nichts zum Ausgleich (71.).

Der BVB verlor in der Folge etwas die Struktur im Spiel, war zwar nach wie vor dominant, wurde jedoch überhaupt nicht mehr gefährlich. Das 2:1 durch Alcacer war mehr Zufallsprodukt und Willensleistung als alles andere. Christian Pulisic traf in der Nachspielzeit mit seinem ersten Bundesliga-Tor seit September noch zum 3:1.

Trotz des Heimsiegs und dem positiven Ende der englischen Woche nach Niederlagen gegen Augsburg und Tottenham verlor der BVB die Tabellenführung zum ersten Mal seit Ende September des vergangenen Jahres wieder an den FC Bayern. Der Rekordmeister siegte zeitgleich mit 6:0 gegen den VfL Wolfsburg und ist nun drei Tore besser als der BVB.

Die Daten des Spiels Borussia Dortmund gegen VfB Stuttgart

  • Tore: 1:0 Reus (62./FE), 1:1 Kempf (71.), 2:1 Alcacer (84.), 3:1 Pulisic (90.+2)
  • Der VfB Stuttgart kassiert im zwölften Bundesligaspiel in Folge mindestens ein Gegentor - die längste Negativserie der Schwaben seit den 13 Spielen in der Abstiegssaison 2015/16. Zuletzt stand beim 1:0 gegen Augsburg am 13. Spieltag hinten die Null.
  • Alcacer erzielt sein 14. Saisontor - nur 3 davon als Startelfspieler. 2 der 3 gegen den VfB.
  • Der BVB trifft zum 17. Mal in der Schlussviertelstunde - Ligahöchstwert.
  • Historisch: Mit nur 19 Punkten nach 25 Spieltagen spielt der VfB die schwächste Saison seiner BL-Historie.
  • Borussia Dortmund ist die einzige Mannschaft dieser Bundesliga-Saison, die noch ohne Heimniederlage ist (11 Siege und 2 Remis).
  • Mario Götze war in den vergangenen 5 BL-Spielen an 5 Toren direkt beteiligt (2 Tore und 3 Assists)

Der Star des Spiels: Mario Götze (Borussia Dortmund)

Bestätigte seine aktuell blendende Form: Spielte im ersten Durchgang drei Bälle mit der ganz feinen Klinge auf Alcacer und Reus, die jeweils anschließend eigentlich zur Dortmunder Führung treffen mussten. Auch sonst sehr umtriebig und mit guten Aktionen in der Offensive. Scheute darüber hinaus nicht die Rolle des Arbeiters, führte die meisten Zweikämpfe (34) und spulte die meisten Kilometer aller Dortmunder ab. Krönte seine starke Leistung mit der Vorlage zum 3:1. Ebenfalls stark: Marius Wolf.

Der Flop des Spiels: Andreas Beck (VfB Stuttgart)

Hatte auf seiner rechten Seite immer wieder Probleme mit Hakimi und Guerreiro. Schwache Zweikampfquote und unauffällig in der Offensive. Gab keine gute Figur gegen Witsel vor dem 3:1 durch Pulisic ab.

Der Schiedsrichter: Benjamin Cortus

Bewies Fingerspitzengefühl, als er Hakimi bei dessen gelbwürdigem Einsteigen gegen Gonzalez eindringlich ermahnte, es aufgrund der frühen Phase des Spiels aber dabei beließ. Anschließend dann aber mit einer allzu großzügigen Linie. Hätte Esswein (Einsteigen gegen Witsel) und Diallo (Leichter Ellenbogenschlag gegen Ascaibar) Gelb zeigen müssen. Nach knapp einer Stunde dann im Fokus des Geschehens: Übersah ein Handspiel von Castro außerhalb des Strafraums, ahndete kurz darauf aber das Foulspiel des Ex-Dortmunders an Sancho. Entschied auf Freistoß, weil das Foulspiel aber im Strafraum stattfand, wurde er vom VAR korrigiert und gab Elfmeter. Anschließend kehrte er zu seiner souveränen Spielleitung zurück und leistete sich keinen groben Fehler mehr.

Stimmen und Reaktionen zu BVB - VfB Stuttgart

Lucien Favre (Trainer Borussia Dortmund): "Es war sehr schwer. Stuttgart hat gut verteidigt und war gut organisiert. Die haben einen gigantischen Bus geparkt. Wir haben das Spiel dominiert. Nach dem unnötigen Gegentor haben wir gut reagiert. Die Mannschaft wollte unbedingt gewinnen. Der Sieg ist verdient."

Markus Weinzierl (Trainer VfB Stuttgart): "Kompliment an meine Mannschaft. Wir haben gut verteidigt. Ich hätte mir gewünscht, dass wir einen Punkt mitnehmen. In Dortmund braucht man auch Glück, das hatten wir heute nicht gehabt, weil Alcacer der Ball vor die Füße fällt."

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