Fussball

BVB mit nächstem Dämpfer im Titelkampf: Unreife Leistung

Borussia Dortmund hat beim FC Augsburg die zweite Saisonniederlage kassiert. Dem BVB ist das Momentum der Hinrunde verloren gegangen: Die auch psychische Unreife der jungen Mannschaft kommt während des nun seit vier Wochen anhaltenden Leistungslochs immer mehr zum Vorschein.

Dass dieser Dämpfer saß, war spätestens in den Katakomben der Augsburger WWK-Arena unübersehbar. Reichlich bedient blickten die Spieler von Borussia Dortmund drein. Roman Bürki und der wieder genesene Marco Reus erledigten im Schnelldurchlauf ihre Pflichten vor den diversen TV-Kameras und verschwanden in der Kabine.

Einzig Thomas Delaney stellte sich denjenigen, die keine TV-Kamera dabei hatten. Zahlreiche Worte sprach auch er nicht, doch irgendwie sagte der Däne mit wenig viel. Alle anderen Spieler, die der Reihe nach den Heimweg an den wartenden Medienvertretern vorbei antraten, ignorierten die Fragen nach weiteren Statements beharrlich.

Für Journalisten ist das genauso ärgerlich wie Niederlagen für Profifußballer, schließlich wäre es reichlich interessant, die Gründe für das anhaltende Dortmunder Leistungsloch von den Protagonisten geschildert zu bekommen. Klar ist, dass es mehrere Faktoren sind, die den BVB hemmen.

Der BVB hat das Momentum der Hinrunde verloren

Nur sechs Punkte hat die Borussia in den letzten fünf Bundesligaspielen geholt, der Vorsprung auf den FC Bayern würde sich bei einem Münchener Sieg in Gladbach am Samstag nur noch auf das bessere Torverhältnis beschränken. Das ist trotz der häufig bemühten Von-Spiel-zu-Spiel-Philosophie ein unübersehbarer Stimmungskiller für die Borussen.

Dortmund hat in den vier letzten Wochen das Momentum verloren, das den Verein noch durch die Hinrunde trug. Auch damals spielten die Borussen die Gegner nicht reihenweise an die Wand, doch wurden Unzulänglichkeiten in beeindruckender Regelmäßigkeit von einer Gier übertüncht, die für zahlreiche, häufig auch späte Siege verantwortlich war.

Viel war damals von der im Vergleich zur Vorsaison wiedererlangten Mentalität die Rede. Blickt man auf die vergangenen Spiele, die Dortmund vergeigte - auch im DFB-Pokal schied man aus, in der Champions League könnte am kommenden Dienstag Endstation sein -, dann ist die Mentalität der Mannschaft keinesfalls verschüttgegangen.

Individuelle Fehler kosten Dortmund den Flow

Ob gegen Hoffenheim (3:3 nach 3:0-Führung), bei Schlusslicht Nürnberg (0:0) oder nun beim 1:2 in Augsburg - dem BVB mangelte es nie am Willen. Das Team hat gegen die drohenden Punktverluste spielerisch aufbegehrt und sich von der bloßen Anzahl her ausreichend Torgelegenheiten erspielt. "Wir haben immer unsere klaren Torchancen gehabt", sagte Trainer Lucien Favre.

Es sind in erster Linie individuelle Fehler, die Dortmund den "Flow" (Delaney) kosteten. Zwar war der BVB zuletzt stark vom Verletzungspech gebeutelt und ohne Reus durchaus führungslos auf dem Feld unterwegs, die Patzer setzten sich aber auch mit dem Kapitän fort.

"Solche Fehler dürfen uns einfach nicht passieren. Außerdem hatten wir gegen einen wie erwartet tiefstehenden Gegner genug Torchancen, um die Tore zu machen", sagte Reus.

Die Leichtigkeit des BVB ging rapide verloren

Natürlich geht es da in erster Linie um schwer erklärbare Schnitzer wie die von Dan-Axel Zagadou oder Achraf Hakimi, die die beiden Augsburger Treffer begünstigten. Sie brechen den Borussen immer wieder das Genick. "Der Gegner hat praktisch keine Torchance", monierte Favre.

Doch es sind auch Ungenauigkeiten im Passspiel oder die im Vergleich zur Hinrunde augenscheinlichen Nachlässigkeiten vor dem Kasten, die Dortmunds Spiel derzeit unrund machen. Es fehlt die Begeisterungsfähigkeit von einst.

So ging die Leichtigkeit dieser jungen und wie man nicht vergessen sollte vor der Saison neu formierten Truppe rapide verloren. Dass der Druck für den BVB in der Rückrunde ein anderer sein würde, das ließe sich bereits zur Winterpause prognostizieren. Dass er nun aber geballt über den Verein und die Spieler hereinbricht, weil innerhalb kürzester Zeit Spiele verdaddelt wurden und der Vorsprung in der Tabelle schmolz wie Eis, das ließe sich so nicht abschätzen.

Nur ein Punkt gegen drei Kellerkinder

In dieser Gemengelage kommt nun immer mehr die Unreife der Dortmunder Mannschaft zum Vorschein. Anders als in den ersten 17 Bundesligapartien spielt nun der Kopf eine entscheidende Rolle. Die Westfalen haben jetzt unweigerlich etwas zu verlieren und sind daher häufiger am Nachdenken. Es ist mittlerweile ein größeres Muss als noch im ersten Saisonabschnitt, die Spiele zu gewinnen.

Einen mickrigen Punkt holte der BVB in den drei Auswärtspartien bei den Kellerkindern Düsseldorf (1:2), Nürnberg und Augsburg. Alle Begegnungen wurden zu einem Zeitpunkt gespielt, als Dortmund nicht nur vom eigenen Anspruch her, sondern vor allem auch aufgrund der außergewöhnlichen tabellarischen Situation unter Zugzwang war.

Dem BVB gehen psychische Faktoren ab

Der externe BVB-Berater Matthias Sammer unkte schon vor der Partie in seiner Funktion als Experte bei Eurosport, ob die Dortmunder denn wüssten, was auf sie bei Flutlicht und Regen gegen kämpferisch unerbittliche Augsburger zukommen würde. "Hakimi nicht, Sancho nicht, Zagadou nicht. Die haben es nicht gewusst. Die Drei, plus zehn Kilometer weniger gelaufen, da spielst du mit vier Mann weniger", lautete Sammers deutliches Resümee.

Die mangelnde Erfahrung und der unbekannte Umgang mit diffizilen Situationen wie der aktuellen schlagen bei Borussia Dortmund ins Kontor. Um der Favoritenrolle allerdings gerecht und am Ende Meister zu werden, sind in solchen vorhersehbar unangenehmen Partien gerade auch diese psychischen Faktoren gefragt.

Davon hat der BVB noch zu wenig in seinen Reihen. "Wir sehen noch einmal erhebliches Verbesserungspotenzial. Es gibt Dinge, wo wir noch besser, noch breiter und auch in der Spitze noch besser werden müssen. Im Sommer gibt es noch das eine oder andere zu tun", sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke kürzlich in einer Talkrunde. Nicht zuletzt gegen Augsburg wurde offensichtlich, was er damit gemeint haben dürfte.

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