Fussball

Der FC Schalke 04 verliert die ersten beiden Bundesliga-Spiele: Zu früh für Panik

Der FC Schalke 04 hat das zweite Saisonspiel ebenfalls verloren.
© Getty

Der FC Schalke 04 hat nach der Auftaktniederlage gegen den VfL Wolfsburg auch sein erstes Bundesliga-Heimspiel der Saison gegen Hertha BSC verloren. Die Spielanlage war schwach, das bevorstehende Programm gibt kaum Hoffnung für einen Befreiungsschlag. Domenico Tedesco steht im verflixten zweiten Jahr vor seiner ersten großen Prüfung als Schalke-Trainer.

Die Miene von Clemens Tönnies sagte in diesem Moment alles. Bereits über die komplette zweite Halbzeit hatte der Aufsichtsratsvorsitzende des FC Schalke 04 nicht sonderlich optimistisch ausgesehen. Nun war auch die letzte Resthoffnung auf einen Lucky Punch gestorben.

Denn auf dem Platz feierten die Spieler von Hertha BSC den verwandelten Freistoß von Matchwinner Ondrej Duda. Das 2:0 in der 96. Minute machte den Deckel endgültig drauf und besiegelte den Schalker Fehlstart.

Gut drei Monate nach der Vizemeisterfeier steht Schalke nach zwei Bundesliga-Spieltagen ohne Punkt da. Aus dem vermeintlich machbaren Auftaktprogramm gehen die Königsblauen mit zwei Niederlagen. Machbar, da es immerhin gegen den 16. und den 10. der Vorsaison ging.

Ralf Fährmann: Werden "stärker hervorgehen"

"Die ersten beiden Spiele hätten nicht unbedingt so ausgehen müssen, aber sie sind so ausgegangen - und aus dieser Situation müssen wir uns jetzt rausboxen", sagte Kapitän Ralf Fährmann und fügte hinzu: "Ich habe schon in der vergangenen Saison gesagt, dass auch negative Phasen kommen werden, aus denen muss man dann noch stärker hervorgehen. Und das werden wir auch tun."

Die Partie gegen Hertha BSC legte schonungslos offen, worum es für Domenico Tedesco in seiner zweiten Saison als Schalke-Trainer gehen wird: Lösungen mit dem Ball zu finden. Denn diese fand sein Team gegen die gut organisierte Hertha nicht.

In der letzten Saison war es meistens Tedesco, der seine Gegner auscoachte. Der immer den besseren Plan in der Tasche hatte. Und der dann, wenn es drauf ankam, eben auch das nötige Glück hatte. Am Sonntag war das andersrum. Da hatte Hertha-Trainer Pal Dardai den klügeren taktischen Plan und sein Team eben auch das nötige Glück.

Schalke-Leistung gegen Hertha wirft Fragezeichen auf

Keine Frage, die Hertha verdiente sich den Auswärtssieg mit einer sehr guten Leistung. Dennoch hinterließ der Auftritt der Schalker Fragezeichen.

Die defensive Stabilität der vergangenen Saison ist in der neuen bislang nicht vorhanden. Die Abstimmung passte nicht, ob in der Dreier- oder zwischenzeitlich Viererkette wirkten die Abläufe noch wackelig. Neuzugang Salif Sane macht noch nicht den sichersten Eindruck, auch Weston McKennie und Abdul Rahman Baba trafen mehrfach falsche Entscheidungen. Sowieso leistete sich die Defensive ungewohnte Fehler. Die Analyse einiger Schalker Spieler, dass die Hertha außer der beiden Tore keine Torchancen gehabt hätte, ist schlicht falsch. Alleine Salomon Kalou hätte dreimal treffen können.

Noch offenkundiger waren die Schwächen bei eigenem Ballbesitz. Sebastian Rudys Debüt war unglücklich. Der Nationalspieler schaffte es nicht, sich aus der Manndeckung durch Matchwinner Ondrej Duda zu befreien und war abgemeldet. Dadurch fehlte dem Schalker Spiel das, was Rudy ihm eigentlich geben soll: Struktur.

Schalke und die Ideenlosigkeit im Angriff

Besonders schlimm war die Ideenlosigkeit im letzten Spielfelddrittel. Zwar schoss Schalke 16 Mal aufs Tor und damit fast doppelt so häufig wie am ersten Spieltag gegen Wolfsburg. Wirklich zwingend waren sie jedoch erst in der Schlussviertelstunde, als sie mit Langholz auf Mittlerweile-Stürmer Naldo operierten. Kreativ ist anders.

"In unseren Aktionen hätten wir noch einen Tick zielstrebiger sein müssen. Zudem hatten wir insgesamt zu viele Ballverluste. Wir wissen nach dem heutigen Tag auf jeden Fall, was wir können und was wir nicht können. Die Dinge, die wir können, werden wir stärken - und die Dinge, die nicht funktioniert haben, werden wir in Zukunft lassen. Da nehme ich mich auch mit in die Verantwortung", analysierte Tedesco nach dem Spiel. In den kommenden Tagen werde er mit seiner Mannschaft "vor allem am Vertikalspiel arbeiten und zusehen, dass die Stürmer bei uns nicht verhungern."

Im ersten Jahr lief alles. Irgendwie. Die Spielanlage mit Ball war zwar schon weit entfernt von sehr gut, aber die Defensive war stabil und offensiv kamen Standards, Kaltschnäuzigkeit oder Glück dazu. Es war klar, dass es nun im verflixten zweiten Jahr darauf ankommen würde, spielerisch den nächsten Entwicklungsschritt zu gehen. Denn gegen den Vizemeister werden noch mehr Mannschaften defensiv stehen. Den Tedesco-Fußball kennt jetzt jeder und weiß, wie eklig erfolgreich er sein kann.

Situation des FC Schalke 04 noch nicht alarmierend

Die Situation auf Schalke ist nach zwei Niederlagen aus zwei Spielen noch lange nicht alarmierend. Die personelle Qualität ist da, aber die Abläufe müssen sich erst einspielen. Da kommt die Länderspielpause zur rechten Zeit. Zumal Neuzugang Rudy in dieser Phase in Gelsenkirchen trainieren kann. Für die bevorstehenden Länderspiele Deutschlands gegen Frankreich und Peru ist er nicht nominiert.

Rudy kann mit seiner Ballsicherheit ein Schlüsselspieler für Schalke sein, wenn es gelingt, Lösungen für den Fall einer erneuten Manndeckung zu erarbeiten. Tedesco ist zuversichtlich: "Wir haben sie parat, haben sie aber leider aufgrund von Schlampigkeiten nicht auf den Platz bekommen."

Panik ist auf Schalke nach dem Start nicht angebracht. Aber Erinnerungen an den bösen Fehlstart vor zwei Jahren unter Markus Weinzierl kommen dennoch auf. Vor allem beim Blick auf das bevorstehende Programm: Nach der Länderspielpause trifft Schalke auswärts auf Borussia Mönchengladbach, die am ersten Spieltag zu Hause gegen Bayer Leverkusen überzeugten. Danach kommt der FC Bayern. Dass die Punkte da zumindest nicht fest einzuplanen sind, ist sowieso klar. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Königsblauen nach vier Spieltagen also noch sieglos sind, ist nicht gering.

In diesem Fall die Ruhe zu behalten und den eigenen Plan weiterzuverfolgen, wird die große Herausforderung für Tedesco sein.

FC Schalke 04: Die nächsten Spiele

WettbewerbDatumHeim/AuswärtsGegner
Bundesliga15.9.2018ABorussia Mönchengladbach
Champions League18.9.2018HFC Porto
Bundesliga22.9.2018HFC Bayern München
Bundesliga25.9.2018ASC Freiburg
Bundesliga29.9.2018H1. FSV Mainz 05

Domenico Tedesco: Das zweite Jahr als schwierige Prüfung

Bald kommt auch noch die Champions League dazu. Das zweite Jahr ist die bisher größte Prüfung in Tedescos Karriere als Schalke-Trainer. In seiner Karriere als Trainer überhaupt.

"Wir müssen nur ein, zwei Kleinigkeiten ändern und dann wird es in zwei Wochen ganz anders aussehen", prophezeite Rudy. Klingt einfach. Ist es aber nicht.

Das weiß auch Clemens Tönnies. Der hat solche Situationen schon so oft erlebt. Entsprechend skeptisch war seine Miene am Sonntagabend. Für Panik ist es aber noch zu früh.

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