Fussball

Union steigt in die Bundesliga auf: "Dit is Union und dit is geil"

Von Max Schrader
Sebastian Polter inmitten der Unioner Anhänger.

Union Berlin hat durch ein 0:0 im Relegationsrückspiel gegen den VfB Stuttgart den ersten Bundesliga-Aufstieg seiner Vereinsgeschichte geschafft. Das Erfolgsrezept: Ein Trainer aus der Schweiz, Besonnenheit und ganz viel Leidenschaft.

Als Schiedsrichter Christian Dingert die Partie abgepfiffen hatte, gab es im Stadion an der Alten Försterei kein Halten mehr. Die Fans stürmten den Platz und fielen ihren Aufstiegs-Helden um den Hals.

Zahlreichen Menschen kullerten die Freudentränen über die Wangen, mancher Spieler wurde wie ein Rockstar von den Zuschauern auf Händen getragen.

"Wenn man das hier sieht", sagte Unions Mittelfeldspieler Robert Zulj, blickte in ein rot-weißes Farbenmeer aus überglücklichen Eisernen und stammelte weiter: "Ich könnte anfangen zu heulen."

Union und der Glaube an den großen Coup

Bereits vor Anpfiff war in Köpenick der Glaube, dass es nun endlich mit dem Einzug in die Bundesliga klappen könnte, allgegenwertig.

"Wer wartet mit Besonnenheit, der wird belohnt zur rechten Zeit - Nun hat das Warten ein Ende, nehmt euer Herz in beide Hände", lautete das zur Choreo gehörende Spruchband.

Und um das Stadion herum war mehrfach der Satz zu hören: "Dit is Berlin, dit is Union. Ick hab son geiles Gefühl." Genau dieses Gefühl schwappte auf den Platz rüber - und es sollte sich bewahrheiten.

Union-Coach Fischer: "Jeder ist hier für jeden da"

"So etwas kannst du nur als Team erreichen, von der Wäschefrau bis zur Marketingfrau", fasste Union-Trainer Urs Fischer das Geschehen nach der Partie zusammen.

Der Trainer aus der Schweiz war es, der vor Saisonbeginn die Anhänger und Mitarbeiter in einer emotionalen Botschaft einschwörte: "Liebe Unioner, es stehen herausfordernde Tage an. Ich glaube, wir werden die gut meistern. Aber wir müssen auf eure treue Unterstützung zählen. Ohne den zwölften Mann geht im Fußball gar nichts."

Trotz der großen Euphorie hätte er dennoch nie mit einem Aufstieg gerechnet. "Jeder ist hier für jeden da. Das ist einfach geil", sagte der 53-Jährige.

Union-Präsident Zingler verpasst Moment des Aufstiegs

Dass jeder für jeden da ist, merkte der Verein vor allem zwischen 2008 und 2013, als das urige Stadion an der Alten Försterei renoviert werden musste. Teile der Arbeiten wurde dabei freiwillig von den Fans verrichtet.

Was Union Berlin für alle bedeutet, zeigte Präsident Dirk Zingler, der schon in der 4. Liga der Klub-Boss war, im Eurosport-Interview: "Das ist surreal, ich kann es nicht fassen. Ich habe seit 40 Jahren auf dieses eine Spiel gewartet."

Danach musste er das Interview unterbrechen, da er von seinen Gefühlen übermannt wurde: "Ich bin einfach so glücklich. Die Menschen hier haben das einfach verdient."

Dabei hatte Zingler den Moment des Aufstiegs sogar verpasst. Den Abpfiff habe er "nicht erlebt", verriet der Präsident, "da war ich mit meiner Frau weg, sie auf der Damentoilette und ich auf der Herrentoilette. Dann haben wir uns davor getroffen und dann haben wir uns ...", ergänzte der 54-Jährige und machte dabei eine Abklatsch-Geste mit seinen Händen.

Die vielen Gesichter des Erfolges von Union

Coach Fischer, zweifacher Meister mit dem FC Basel, hat also das fast schon Unmögliche geschafft. Und das mit einer Mannschaft, die viele Geschichten erzählt.

Zum Beispiel die von Torhüter Rafal Gikiewicz: Nach seinem Abgang aus Braunschweig kam er in Freiburg nicht über eine Reserverolle hinaus. Gegen Stuttgart hielt der Pole den Kasten der Eisernen im Rückspiel mit einer starken Leistung sauber und machte somit den Aufstieg klar.

Oder Flügelflitzer Suleiman Abdullahi, der eigentlich gar nicht kommen sollte, weil er nicht fit war. Allerdings bekam er für seinen Verein in Braunschweig als Nigerianer in der 3. Liga keine Arbeitserlaubnis.

Oder Angreifer Sebastian Andersson, der ablösefrei aus Kaiserslautern kam und nun bei Union viele Abwehrreihen zum Verzweifeln brachte.

Wie Fischer es geschafft hat, die Puzzleteile zusammenzufügen, versuchte er zu erklären: "Union ist ein Klub mit Geist. Wir sind solidarisch und so müssen wir auch spielen."

Ausnahmezustand an der alten Försterei

Bereits nach dem 2:2 in Stuttgart jubelte Union. Das war aber freilich nichts im Vergleich dazu, was sich nach dem 0:0 im Rückspiel abspielte.

Bereits nach wenigen Minuten war fast kein Rasen mehr zu sehen. Schließlich wollte jeder sein grünes Erinnerungsstück mit nach Hause nehmen.

Der Platzsturm hinterließ nicht nur beim Rasen, sondern auch bei manchem Fan Spuren, wie ein Anhänger zum Ausdruck brachte: "Ick wusste net mehr wo ick bin, hab mick aufm Weg gelegt. Aber am Ende is it auch ejal, weil Union hat's gepackt!"

Hübner: "Ein Traum ist wahr geworden"

Ebenfalls jemand, der nicht mehr wusste, wo er ist, war Florian Hübner. Der Verteidiger wurde von den Fans auf Händen getragen.

"Es ist der Wahnsinn", sagte er, als er wieder festen Boden unter den Füßen hatte und ergänzte: "Ich bin überglücklich. Ein Traum ist wahr geworden."

Wahnsinn brachte das, was sich im und um das Stadion herum abspielte, auf den Punkt. Sogar zwei Stunden nach Abpfiff war das urige Stadion noch voll.

Mit allen, die den ersten Bundesliga-Aufstieg in der Vereinshistorie noch nicht fassen konnten. Und das war nur die "kleine" Feier. Am Mittwoch folgt die "große" Party.

Berliner Klubs in der Bundesliga

Erster AufstiegVerein
1963 (Gründungsmitglied)Hertha BSC
1965Tasmania Berlin
1974Tennis Borussia Berlin
1986Blau-Weiß 90 Berlin
2019Union Berlin
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung