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Kommentar: Der HSV-Abstieg ist extrem bitter für die Attraktivität der Bundesliga

Die Fans des Hamburger SV haben ihre Mannschaft in den letzten Minuten auf beeindruckende Weise unterstützt.
© Getty

Der Hamburger SV ist erstmals aus der Bundesliga abgestiegen. Zwar hat sich der Gang in die 2. Liga über Jahre hinweg angekündigt und ist sportlich verdient. Dennoch hinterlässt der HSV eine riesige emotionale Lücke, sein Abstieg ist enorm bitter für die Bundesliga. Ein Kommentar von SPOX-Redakteur Jochen Rabe.

Wer den Schaden hat, muss für den Spott nicht sorgen. Spott hat der HSV in den letzten Jahren genug bekommen. Zu Recht, schließlich hat der Klub auch viel Angriffsfläche geboten. Die Rucksackaffäre, Leaks im Aufsichtsrat, eine immens hohe Fluktuation bei Trainern und Verantwortlichen sowie die regelmäßige Einmischung des Investors Klaus-Michael Kühne haben den HSV bisweilen zur Lachnummer gemacht.

Sportlich hat sich der Klub trotz großer finanzieller Mittel, des Standortvorteils und der großen Fanbase konstant nach unten entwickelt. In den letzten fünf Jahren war der HSV viermal Abstiegskandidat. Zweimal rettete er sich schmeichelhaft in der Relegation, einmal durch einen knappen Sieg am letzten Spieltag gegen Wolfsburg.

Keine Frage, die Fans anderer Vereine haben Argumente für ihre Häme. Sie ist verständlich. Und trotzdem ist der nun tatsächlich eingetretene HSV-Abstieg eine schlimme Nachricht für die Bundesliga. Der Klub hinterlässt in der Ligalandschaft für mindestens ein Jahr definitiv eine riesige Lücke.

Der HSV interessiert die Menschen

"Traditionsverein" ist in dem Fall keine leere Hülle, kein reiner Kampfbegriff. Der HSV ist ein Verein, der interessiert und emotionalisiert. Mit knapp 80.000 hat er die sechstmeisten Mitglieder und mit gut 50.000 den sechsthöchsten Zuschauerschnitt in der Bundesliga.

Welche Wucht der Verein entwickeln kann, zeigten die Anhänger eindrucksvoll in den letzten Wochen. Die Stimmung im Abstiegskampf war großartig und hätte die Mannschaft beinahe noch zu einer der spektakulärsten Aufholjagden aller Zeiten getragen.

Unterstützung der HSV-Fans erinnert an Rivalen Werder Bremen

Die Bilder am Samstag vor dem Spiel, als die Fans den Mannschaftsbus empfingen, erinnerten an die große Fanunterstützung, die der große Rivale Werder Bremen von seinen Anhängern im Abstiegskampf 2016 erhielt.

Natürlich darf der Rauchbomben-Eklat aus der Schlussphase nicht unter den Tisch fallen. Die Bilder der schwarzen Wand waren wenig erfreulich und die negative Kehrseite der fanatischen Anhängerschaft. Aufgrund einer geringen Minderheit auf alle Fans zu schließen, greift allerdings deutlich zu kurz. Unter dem Strich war die Unterstützung für den HSV enorm positiv.

Die Bundesliga lebt - gerade in Zeiten der sportlichen Mittelmäßigkeit - von Emotionen, von vollen Stadien, von der Stimmung. Von Vereinen wie dem HSV. Deswegen ist der Abstieg bei aller sportlichen Berechtigung eine extrem bittere Nachricht für die Attraktivität der Bundesliga.

Bundesliga-Tabelle nach 34 Spieltagen: HSV abgestiegen

PlatzVereinSpieleTore:GegentoreTordifferenzPunkte
14.1. FSV Mainz 053438:52-1436
15.SC Freiburg3432:56-2436
16.Wolfsburg3436:48-1233
17.Hamburger SV3429:53-2431
18.1. FC Köln3435:70-3522
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