Yevhen Konoplyanka beim FC Schalke 04: Nur kein Milchreis

Montag, 23.04.2018 | 15:45 Uhr
Yevhen Konoplyanka bei seinem Treffer zum zwischenzeitlichen 2:0 gegen den 1. FC Köln.
© Getty
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Nach schwierigen Wochen war Yevhen Konoplyanka beim 2:2 in Köln der beste Schalker. Er bereitete das erste Tor vor, erzielte das zweite selbst - und stand am Ende trotzdem zumindest indirekt in der Kritik.

Als Schalkes Trainer Domenico Tedesco im Anschluss an den 2:0-Derbysieg vor einer Woche gegen Borussia Dortmund nach Yevhen Konoplyanka gefragt wurde, erzählte er eine kleine Anekdote. Eine Anekdote, die verdeutlichen sollte, wie sehr sich Konoplyanka all das verdient hatte: den Treffer zum vorentscheidenden 1:0, den Derbysieg, das Lob danach. Und im Vorhinein auch seine Leistung gegen den 1. FC Köln.

"Kono ist jemand, der höchst professionell ist", begann Tedesco zu erzählen und erklärte: "Wenn es Milchreis gibt, dann greift er stattdessen immer zur Banane und zum Wasser." Wochenlang, das war dabei aber das Ärgerliche aus Sicht von Konoplyanka, konnte er noch so viele Bananen essen und noch so viel Wasser trinken: Er saß nur auf der Bank. Zwischen dem 3. Februar und dem 15. April stand Konoplyanka in der Bundesliga kein einziges Mal in der Schalker Startelf. Mal wurde er für 39 Minuten eingewechselt (wie gegen Mainz), mal für eine (wie gegen die Hertha) und meist gar nicht.

Tedesco gab offen zu, dass es es ihm schwerfiel, Konoplyanka die Entscheidungen gegen ihn wieder und wieder zu erklären. Immerhin hatte er es mit dem viertteuersten Neuzugang der Schalker Vereinsgeschichte zu tun (12,5 Millionen Euro). Einem 69-fachen ukrainischen Nationalspieler. Und jemandem, der die Europa League im Alter von 28 Jahren bereits genauso oft gewonnen hat wie sein Arbeitgeber in 114 Jahren. "Ich ziehe meinen Hut davor, wie er mit der Situation umgegangen ist", sagte Tedesco: "Er hat das immer akzeptiert und gesagt: 'Danke Mister für die Worte!'"

Konoplyanka: Kritik an Weinzierl, Dank an Tedesco

"Danke Mister", sagte Konoplyanka also in dieser für ihn schweren Zeit unter vier Augen zu seinem Trainer. Vor nicht einmal einem Jahr sprach er noch öffentlich über seinen Trainer - und zwar anders: "Er ist ein Feigling. Ich sage das ganz offen. Ich denke, er wird nicht im Amt bleiben, das wünsche ich ihm auch. Ansonsten steigt Schalke in die zweite Liga ab." Damals war das aber noch nicht Tedesco, sondern dessen Vorgänger Markus Weinzierl.

Unter Weinzierl machte Konoplyanka in seiner ersten Saison für Schalke 17 Bundesligaspiele und verzeichnete nur zwei Scorerpunkte. Weinzierl mochte Konoplyanka nicht und Konoplyanka mochte Weinzierl nicht. Im Sommer hatte er dann angeblich Angebote von Lazio Rom, Inter Mailand, Stoke City sowie Galatasaray. Doch er blieb, weil Weinzierl gehen musste und Tedesco kam. In der Hinrunde spielte Konoplyanka zwar meist, das aber sehr wechselhaft. In der der Rückrunde fehlte er dann immer öfter in der Startelf.

Konoplyanka aß daraufhin eben weiter Bananen, trank weiter Wasser, stand beim Derby gegen Dortmund erstmals wieder in der Startelf, erzielte das vorentscheidende 1:0 und lieferte eine Woche später beim 2:2 in Köln eine Gala-Vorstellung. Doch es war eine Gala-Vorstellung mit einem Schönheitsfehler: Er bereitete nur ein Tor vor und erzielte nur eines.

Es hätten viel mehr sein müssen.

Konoplyanka gegen Köln: acht Torschüsse, zwei Torschussvorlagen

Nachdem Konoplyanka in der 5. Minute das 1:0 von Breel Embolo mit einem perfekten Pass von links vorbereitet hatte, schloss er dreimal ab, ehe er in der 23. Minute seine erste große Chance hatte: Er trickste Jorge Mere aus und schoss den Ball aus spitzem Winkel zum 2:0 in die lange Ecke.

Sechs Minuten später war es Sörensen, den er ausstiegen ließ. Beim folgenden Abschluss prallte der Ball jedoch nur an den rechten Pfosten. Drei weitere Minuten später wurde Sörensen erlöst: Er durfte vom Platz. Konoplyanka war schlicht zu schnell für ihn, zu quirlig, zu dribbelstark. Unaufhaltsam.

Das war er aber nicht nur für Sörensen, sondern auch für seine übrigen Gegenspieler. Immer wieder spielte er sie aus. In der 36. Minute scheiterte Konoplyanka erst an Kölns Keeper Timo Horn und in Nachspielzeit der ersten Halbzeit erneut. Konoplyanka lief alleine auf Horn zu und probierte statt eines einfachen Abschlusses einen komplizierten Lupfer. Horn parierte.

Nach der Pause schloss Konoplyanka noch einmal ab, eher er in der 64. Minute beim Stand von 2:1 ausgewechselt wurde. Seine Bilanz: acht Torschüsse, zwei Torschussvorlagen. Kein Schalker schaffte in dieser Saison in einem Bundesligaspiel mehr.

Tedesco kritisiert Schalkes "Fahrlässigkeit oder Arroganz"

Hätte Schalke das Spiel gewonnen, es wäre alles gut gewesen. Doch Schalke kassierte spät den 2:2-Ausgleich und Tedesco erinnerte sich wohl an Konoplyankas Lupfer Ende der ersten Halbzeit. Mutig war der, klar, aber auch ein kleines bisschen überheblich.

"Unsere Spielweise im ersten Durchgang war zwar gut, aber arroganter kann man nicht spielen", sagte Tedesco nach dem Spiel bei Sky. Er meinte sein Team, vor allem aber wohl Konoplyanka. "Man kann es Fahrlässigkeit oder Arroganz nennen, wie wir mit unseren Torchancen umgehen."

Bei der folgenden Pressekonferenz nahm Tedesco diesen Vorwurf zwar zurück, doch Konoplyanka stand trotz seiner Gala-Vorstellung somit zumindest indirekt in der Kritik. Womöglich ein überlegter Kniff von Tedesco: Konoplyanka soll schließlich so diszipliniert weiterarbeiten wie bisher. Und ja nicht zum Milchreis greifen.

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