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BVB nach der Derby-Niederlage gegen den FC Schalke 04: Ab in die Zitterwochen

Borussia Dortmund muss um die Teilnahme an der Champions League zittern.
© getty

Borussia Dortmund muss nach der Niederlage im Revierderby gegen den FC Schalke 04 um die Teilnahme an der Champions League bangen. Neben der spielerischen Armut birgt der womöglich längere Ausfall von Michy Batshuayi ein großes Problem.

Ein gedemütigter Mario Götze? Eines der geringeren Übel beim BVB. Der vermeintliche Schlüsselspieler saß erneut beinahe 90 Minuten lang auf der Bank. Vier Minuten vor Schluss beim Stand von 0:2 wechselte ihn Peter Stöger doch noch ein.

In den sozialen Netzwerken kursierte in diesem Zusammenhang der Begriff "Demütigung". Stöger, auf der Pressekonferenz auf Götzes Form und seine augenscheinlich zu geringe Berechtigung für die Startelf angesprochen, erweckte einen genervten Eindruck.

"Klar, Mario ist ein guter, talentierter Spieler. Wir hatten auch andere Spieler auf der Bank, die die Qualität haben, von Beginn an zu spielen. Das trifft auf Mario genauso zu", sagte der Österreicher, der das Thema damit schnell wieder ad acta legte.

Schließlich dürften Stöger ganz andere Umstände Falten auf seine Stirn malen.

Marco Reus deutlich: "Haben es verkackt"

Da wäre zum einen die soeben gezeigte Leistung gegen den FC Schalke, die Marco Reus wortwörtlich auf den Punkt brachte: "Wir haben es ganz einfach verkackt. Punkt."

Stöger ging etwas mehr ins Detail, der Grundtenor blieb derselbe: "Es gab einige Situationen, in denen man vorne Durchschlagskraft gebraucht hätte. Wir haben individuelle Fehler gemacht, die Schalke ausgenutzt hat. Die entscheidenden Situationen hat Schalke besser gelöst."

Verkackt. Dabei herrschte vor der Partie gar eine regelrechte Aufbruchstimmung. Dank des 3:0-Erfolgs gegen den VfB Stuttgart war die Klatsche gegen Bayern München schon wieder vergessen. Der BVB schien bereit für Platz zwei, doch die nachfolgenden 60 Minuten bewiesen das Gegenteil.

Derby-Niederlage lässt wenig Raum für Diskussionen

In Durchgang eins spielte Dortmund 31,4 Prozent (!) seiner Bälle zum Gegner. Die totale Verunsicherung. Dabei war Schalke keineswegs so druckvoll, als dass dem BVB angst und bange hätte werden müssen. ´

Dortmund schenkte einfach zu viele Bälle ab. Ob technische Mängel oder fehlende Präzision: Die Qualität reicht aktuell nicht, um gegen eine gut organisierte Defensive wie die der Schalker anzukommen - nicht annähernd. Dortmunds gefährlichste Aktion war ein Freistoß von Reus aus rund 25 Metern. Batshuayi gab seinen ersten Torschuss nach 81 Minuten ab.

Schalke war bei eigenem Aufbau ähnlich harmlos, nutzte jedoch die Dortmunder Nachlässigkeiten im Umschaltspiel aus. Hinzu kamen haarsträubende Fehler wie der Ballverlust von Marcel Schmelzer vor dem 0:1. Die BVB-Fans waren konsterniert ob der dargebotenen Leistung.

Nicht ohne Grund "handelte es sich bei dem heutigen Revierderby um eines der friedlichsten der letzten Jahre", wie die Polizei in ihrem Pressebericht festhielt. Die Niederlage der Gäste war verdient und hinterließ wenig Raum für Diskussionen.

BVB mit hartem Restprogramm

Zwar zeigte sich der BVB Mitte der zweiten Halbzeit verbessert. "Aber nach dem 0:2 ist das dann emotional auch schwierig", erklärte Reus.

Weitaus härter als das Freistoßtor von Naldo traf die Borussia zudem das Tackling von Benjamin Stambouli kurz vor dem Abpfiff, der Batshuayi am linken Unterschenkel traf. Der Belgier wurde mit Verdacht auf Knöchelbruch ins Krankenhaus eingeliefert und droht für die ausbleibenden vier Partien auszufallen.

Vier Spiele, in denen Dortmund viel zu verlieren hat. Das Restprogramm der Stöger-Elf ist mit eines der härtesten: Leverkusen (H), Bremen (A), Mainz (H) und Hoffenheim (A).

Bayer und Hoffenheim sind nicht nur direkte Konkurrenten um die Champions-League-Plätze, sondern auch enorm gut drauf. Die Werkself reist von den beiden 4:1-Siegen gegen Leipzig und Frankfurt beflügelt in den Signal Iduna Park, einzig das bevorstehende Pokal-Halbfinale gegen den FC Bayern (Dienstag, 20.45 Uhr im LIVETICKER) könnte der Mannschaft von Heiko Herrlich einen kleinen Dämpfer verpassen. Die TSG ist seit sieben Spielen ungeschlagen.

Auch Werder Bremen ist unter Florian Kohfeldt ein unangenehm zu bespielender Gegner. Lediglich gegen den 1. FSV Mainz 05 sind drei Punkte tatsächlich Pflicht. Dortmund steht vor entscheidenden Wochen und scheint die Zukunft des Klubs aktuell nicht in der eigenen Hand zu halten.

BVB vor dem Saisonendspurt: Die Zitterwochen beginnen

Noch hat der BVB ein Vier-Punkte-Polster auf den Fünftplatzierten RB Leipzig. "Gerade interessiert mich ganz wenig, was mit den Saisonzielen ist. Wir haben nächste Woche wieder ein schwieriges Spiel und dann müssen wir natürlich wieder anders auftreten als heute", sagte Reus. Tut die Borussia das nicht, ist das Saisonziel, die Qualifikation für die Königsklasse, in akuter Gefahr.

Gerade aufgrund der Verletzung von Batshuayi gibt es vorerst wenig Hoffnung auf eine erneute Reaktion wie gegen Stuttgart. Weder Schürrle, noch Maximilian Philipp oder Alexander Isak können die Lücke füllen, die die Chelsea-Leihgabe hinterlassen würde.

Dass die Borussia nicht unbedingt mit vollem Akku in diese so wichtige Phase geht, unterstrich Schmelzer nach dem Schalke-Spiel: "Wenn wir am Ende unter die ersten vier kommen und uns für die Champions League qualifizieren, freue ich mich auf jeden Fall, wenn die Saison zu Ende ist."

Bundesliga-Tabelle: Der Kampf um die internationalen Plätze

PlatzTeamSp.ToreDiffPkt.
1.Bayern München3081:225975
2.Schalke 043047:331455
3.Bayer Leverkusen3055:371851
4.Borussia Dortmund3057:411651
5.RB Leipzig3045:42347
6.TSG Hoffenheim3055:421346
7.Eintracht Frankfurt3041:37446

Was aber, wenn der Super-GAU eintritt? Wenn Dortmund dieses Ziel nicht erreicht? Beim Umbruch, der den BVB im Sommer erwartet, kann das Abrutschen in die Europa League eine entscheidende Rolle spielen. Kader-Veränderungen jedenfalls sind nahezu alternativlos.

Trotz all der Sympathiepunkte, die einige BVB-Akteure über die Jahre hinweg gesammelt haben, müssen Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke auf die Qualität des Kaders achten und entsprechend auf dem Transfermarkt tätig werden. Mit der CL-Teilnahme in der Tasche würde sich die Arbeit der Klub-Verantwortlichen deutlich erleichtern. Auch im Hinblick auf die Trainerfrage.

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