Der FC Bayern ist Meister und dominiert die Bundesliga: War da nicht mehr drin?

Samstag, 07.04.2018 | 22:00 Uhr
Der FC Bayern feierte in Augsburg seinen sechsten Meistertitel in Folge.
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Der FC Bayern sackt seinen sechsten Meistertitel in Folge ein und nimmt das routiniert zur Kenntnis. Der Abstand zum Rest der Liga ist enorm, dabei war die sportliche Überlegenheit schon mal größer. Die Konkurrenz muss sich fragen, was sie alles falsch gemacht hat.

Jupp Heynckes ist im Fußball keinem mehr etwas schuldig. Auch den Beweis menschlicher Größe nicht. Am frühen Samstagabend lieferte der 72-jährige Trainer des FC Bayern München aber einmal mehr einen Beleg dafür.

Als das Interview bei Sky eigentlich schon beendet war, bat er darum, noch einmal etwas sagen zu dürfen. Er schickte Grüße nach Italien und packte gleich noch ein paar Glückwünsche und lobende Worte oben drauf. Adressat: Carlo Ancelotti.

Der italienische Trainer war im September vergangenen Jahres nicht gerade mit warmen Worte von Heynckes Kumpel Uli Hoeneß von der Trainerbank des FC Bayern verjagt worden. Auf der Pressekonferenz wiederholte Heynckes seine Worte.

FC Bayern nicht mehr state of the art

Der Trainerwechsel war ohne Zweifel der entscheidende Einschnitt in dieser Saison. Mit der Rückkehr von Heynckes haben sich beim FC Bayern einige Dinge wieder normalisiert. Und davor muss man auch den Hut ziehen, denn seine Rückkehr ging auch mit viel Skepsis einher. Mit seinen Qualitäten in der Mannschaftsführung hat Heynckes den Klub und die Mannschaft aber befriedet und das Allerwichtigste an die Säbener Straße zurückgebracht - den Erfolg.

In den letzten Wochen pflügen die Münchner auch wieder mit Schützenfesten durch die Liga (20 Tore in vier Spielen) - selbst der langjährige Rivale Borussia Dortmund war für die Bayern in dieser Saison kein Gegner mehr.

Dabei hatte der BVB nach dem sensationellen Saisonstart unter Trainer Peter Bosz zum Zeitpunkt des Trainerwechsels fünf Punkte Vorsprung auf den FCB. Aber seitdem hat sich die Borussia eher Teams aus den unteren und mittleren Tabellenregionen angepasst, während die Bayern wieder in ihr solides Tagwerk zurückgefunden haben.

Spielerisch hatten die Bayern in der jüngsten Ära schon bessere Phasen, gerade unter Pep Guardiola war ihr Fußball in Europa state of the art - da fehlte nur der Triumph in der Champions League, um den fußballerischen Glanz auch mit einer Trophäe für alle sichtbar zu machen.

Bundesliga-Meister mit den meisten Punkten

MannschaftSaisonPunkteTorverhältnis
FC Bayern München2012/139198:18
FC Bayern München2013/149094:23
FC Bayern München2015/168880:17
FC Bayern München2016/178289:22
Borussia Dortmund2011/128180:25
FC Bayern München2014/157980:18

FC Bayern: Sieg in Augsburg ein Spiegelbild der Saison

Für die Liga ist diese sechste Meisterschaft in Folge der Bayern die Bestätigung, dass sie ihre Qualitätsdebatte nicht grundlos führt. In keiner Spielzeit der Lahm-Ära zuvor haben die Bayern so viel angeboten wie in dieser Saison. Sie wirkten über weite Strecken schlagbar.

Gerade in der Hinrunde haben die Bayern viele Spiele gewonnen, die sie hätten nicht gewinnen müssen (Köln, Stuttgart), teilweise sogar nicht gewinnen dürfen (Frankfurt). Aber in der Bundesliga fehlt es an Mannschaften mit herausragender individueller Qualität oder Teams mit einer dauerhaft funktionierenden und überlegenen Spielidee.

Und so war das Meister-Spiel in Augsburg fast schon ein Spiegelbild der ganzen Saison. Ein träger, nicht hundertprozentig konzentrierter FC Bayern war ein Drittel der Spielzeit anfällig, konnte sich dann aber auf seine Klasse im Kader verlassen und sorgte beim Gegner mit der Führung im Rücken teilweise für Angstzustände. Am Ende bleibt die Frage: War da nicht mehr drin?

Wie wird die Bundesliga wieder spannend?

Der Titel ist zwar auch die Bestätigung einer Mannschaft, die nach Jahren der Dominanz immer noch Hunger auf Erfolg ausstrahlt, aber auch das Zeugnis einer schwachen Konkurrenz, die sich mit ihrer Rolle als Untertan abgefunden hat, viel zu oft von ihrem finanziellen Wettbewerbsnachteil im Vergleich mit der Premier League spricht und dabei die Entwicklung des Fußballspiels aus den Augen verloren hat.

Die Teams aus Dortmund, Leipzig oder Leverkusen müssen sich fragen, was sie alles falsch gemacht haben, dass das Fernglas mittlerweile zur Standardausrüstung gehört und schon eine solide Saison des FC Bayern reicht, um die Meisterschaft mit 20 Punkten Vorsprung fünf Spieltage vor Schluss zuzumachen.

Nur wenn der Wille da ist, sich in diesen Wettbewerb zu begeben, wird es in den kommenden Jahren wieder spannendere Spielzeiten geben. Und vielleicht auch mal wieder einen Meister, der nicht Bayern München heißt.

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