Corentin Tolisso beim FC Bayern München: Das Opfer des Prestige-Mittelfelds

Montag, 05.03.2018 | 08:00 Uhr
Corentin Tolisso erzielte den gegen den SC Freiburg sein drittes Saisontor.
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Rekordneuzugang Corentin Tolisso deutet in seinem ersten Jahr beim FC Bayern sein Potenzial an. Beim 4:0-Sieg gegen den SC Freiburg gehörte der Franzose zu den besten Münchnern. In den wichtigen Spielen rückt der 23-Jährige jedoch ins zweite Glied. Unter Jupp Heynckes ist er bei der Verfügbarkeit des kompletten Kaders Opfer der riesigen Konkurrenz auf seiner Position im Mittelfeld.

Pure Emotion. Corentin Tolisso ist von seinen Kollegen kaum einzufangen. Mit verbissenem Gesichtsausdruck schreit er seine Freude nach seinem dritten Bundesligator für den FC Bayern heraus.

Und es war definitiv das sehenswerteste: Nach einem Querpass von Thiago legte sich der Franzose den Ball knapp 30 Meter vor dem Tor zurecht und donnerte ihn mit dem rechten Vollspann über den Innenpfosten in den Knick. Ein Treffer, der das Prädikat Traumtor verdient.

Nicht nur wegen seines Gewaltschusses machte der Franzose gegen den SC Freiburg ein starkes Spiel. Tolisso war aggressiv im Zweikampf (60 Prozent), schob von der Achterposition häufig in die Spitze nach, brachte knapp 87 Prozent seiner Pässe zum Mitspieler und hatte die meisten Abspiele in der gegnerischen Hälfte. Darüber hinaus spulte er mit 11,8 km die längste Laufstrecke aller Bayern-Spieler herunter.

"Die Spieler, die sonst weniger zum Einsatz kommen, haben ihre Chance genutzt und ein gutes Spiel gemacht", analysierte Jupp Heynckes nach dem Spiel. Explizit nannte er dabei Juan Bernat, Sandro Wagner und eben Tolisso.

Tolisso ist unter Heynckes in der Hierarchie abgerutscht

Seitdem Heynckes das Amt beim FC Bayern von Carlo Ancelotti übernommen hat, ist der Rekordneuzugang in der Hierarchie abgerutscht.

Einerseits ist im System des 72-Jährigen durch die Versetzung von Javi Martinez auf die Sechserposition eine Position weniger zu vergeben. Der Triple-Held ist in den wichtigen Spielen als Staubsauger vor der Abwehr gesetzt.

Darüber hinaus hält Heynckes den Wert von Arturo Vidal hoch. Der Chilene, der von seiner Spielanlage ähnliche Qualitäten wie Tolisso hat, ist aufgrund seiner Erfahrung und seiner Bindung zum Trainer im Zweifelsfall erste Wahl. Und er ist ein Heynckes-Spieler. Mit ihm arbeitete er bereits in Leverkusen zusammen und hat eine besondere Beziehung zu ihm.

Für die besonderen Momente bekommen James Rodriguez und der seit einigen Wochen wieder genesene Thiago den Vorzug. Und dann gibt es da noch Thomas Müller, der als einziger Feldspieler bislang alle Pflichtspiele der Bayern im Jahr 2018 absolvierte und zuletzt wieder zu seiner Topform fand.

Und so kommt Tolisso derzeit zwar ungefähr im Zwei-Wochen-Rhythmus auf seine Einsatzzeiten und ist nicht so weit ins Abseits geraten wie beispielsweise Sebastian Rudy, der kaum noch eine Rolle spielt. In den relevanten Spielen steht der Franzose jedoch nicht in der Startformation.

Heynckes setzt auf einen festen Stamm

Heynckes ist ein Trainer, der auf einen festen Stamm von Spielern setzt und sie langsam an sein System, die Mannschaft und den Verein heranführen will. So handelt er bei Spielern, die von Verletzungen zurückkommen ebenso wie bei Neuzugängen. Auch Sandro Wagner stellte er nicht bereits im ersten Rückrundenspiel gegen Bayer Leverkusen in die Startelf, obwohl Robert Lewandowski gefehlt hatte.

Bei Tolisso will Heynckes nichts überstürzen, schließlich habe dieser noch Zeit: "Spieler, die neu zum FC Bayern kommen, müssen erstmal das Bayern-Gen verinnerlichen. Es herrscht innerhalb des Kaders ein hoher Leistungsanspruch. Das ist das Kriterium, um in der ersten Elf zu sein", sagte er und führte aus: "Anderes Land, andere Sprache, anderer Fußball, andere Ernährung. Tolisso macht das gut."

Anpassungsphase ist in Tolissos Plan

Für den 23-Jährigen ist diese Phase der Anpassung im Plan. Er strahlt nach außen keine Unzufriedenheit aus, muckt bei Auswechslungen nicht auf und sitzt nicht mit finsterer Miene auf der Bank.

Heynckes lobt den "sehr guten Charakter", Tolisso selbst gibt sich bescheiden: "Das Level ist hier natürlich extrem hoch. Hier sind die besten Spieler der Welt. Manche von ihnen haben die Champions League und die WM gewonnen, also muss man sich so verbessern, dass man ihr Niveau erreicht", sagte er in einem Interview mit uefa.com.

Im Gegensatz zu etwa Renato Sanches in der Vorsaison fällt Tolisso bei seinen Einsätzen nicht ab. Er ist mit einer Quote von 89,3 Prozent einer der passsichersten Spieler der Liga und bringt seine Stärke, mit Schwung in den Strafraum durchzuschieben, auf den Platz. Wettbewerbsübergreifend war er in 31 Spielen an zwölf Toren direkt beteiligt.

Aufholbedarf gegenüber Martinez, Vidal, Thiago und James

Allerdings hat der Franzose auch noch Luft nach oben. In allen Bereichen gibt es einen Spieler, der ihm voraus ist. Tolisso hat nicht die Antizipation eines Martinez, nicht die Aggression eines Vidal und spielt nicht die feinen Pässe eines Thiago oder James. Den größten Aufholbedarf hat er im spieltaktischen Verhalten auf dem Platz. Bisweilen bewegt er sich noch wild im System, seine Laufwege sind nicht immer die richtigen.

Das liegt einerseits an der fehlenden Erfahrung auf höchstem Niveau. Andererseits räumte Tolisso kürzlich auch ein, dass seine größte Hürde bei der Anpassung die Sprache sei: "Mein Englisch ist nicht perfekt und nicht alle Spieler sprechen Französisch. Ich gebe zu, es ist manchmal schwer, mit meinen Teamkollegen zu kommunizieren, da ich kein Deutsch spreche."

Spielt Tolisso in der entscheidenden Saisonphase des FC Bayern eine Rolle?

Tolisso spielt eine ordentliche erste Saison, in der entscheidenden Phase wird er dennoch voraussichtlich lediglich Rotationsmasse sein. Auch, wenn sich noch einer der vorgesehenen Stammspieler verletzen sollte, ist er nicht der erste Nachrücker. Heynckes ist dennoch sicher: "Er wird in der Zukunft sicherlich ein wichtiger Spieler werden."

Ans Eingemachte geht es für den Franzosen ab der kommenden Saison. Dann muss Tolisso den nächsten Schritt machen.

Viel wird davon abhängen, wer der kommende Bayern-Trainer wird und auf welchen Spielertyp dieser setzt. Zudem wird sich das Mittelfeld ohnehin neu sortieren. Mit Leon Goretzka kommt ein weiterer zentraler Mittelfeldspieler, der ähnliche Qualitäten wie Tolisso einbringt. Bei Arturo Vidal sind die Vereinsbosse angeblich bereit, sich Angebote anzuhören.

Erst die Analyse dessen, wo sich Tolisso dann in der neuen Mittelfeld-Hierarchie einsortiert und wie er sich entwickelt, wird eine finale Beurteilung des Transfers erlauben. Bislang ist er vielversprechend. Nicht mehr, aber auch absolut nicht weniger. Das zeigte nicht zuletzt sein Traumtor gegen Freiburg.

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