Fussball

BVB bei Punktgewinn gegen RB Leipzig mit verbesserter Leistung: Die Gretchenfrage bleibt

Der BVB hat keines der zehn Bundesligaspiele unter Peter Stöger verloren

Peter Stöger hat in der Bundesliga weiterhin kein Spiel als Trainer von Borussia Dortmund verloren. Obwohl die Ergebnisse größtenteils stimmen, bleibt das Spiel und die Saison des BVB auch unter dem Österreicher dürftig. Das dürfte so bleiben - und wird von Stögers Realismus unterstrichen.

In der Regel werden mit solchen Aussagen Siege umschrieben. "Es war ein großer Schritt nach vorne", sagte Dortmunds Mittelfeldspieler Julian Weigl nach dem 1:1 bei RB Leipzig. Es liegt schon einige Zeit zurück, dass sich ein BVB-Spieler nach einem einfachen Punktgewinn derart positiv und zuversichtlich äußerte.

Mit dem kruden Saisonverlauf der Schwarzgelben im Hinterkopf und den gezeigten Leistungen unter Peter Stöger vor Augen, kommt Weigls Sätzchen allerdings nicht sinnfrei daher. Dortmunds Spiel und die gesamte Spielzeit bleiben unrund, wenngleich der Österreicher noch immer ungeschlagen ist und den Startrekord eines BVB-Trainers ausbaute (fünf Siege, fünf Remis).

Weigl bezog sich mit seiner Einschätzung ja vor allem auf die beiden letzten mageren Auftritte bei Atalanta Bergamo und im Heimspiel gegen Augsburg. Beamtenfußball sei das gewesen, echauffierte sich Sportdirektor Michael Zorc und auch Stöger hielt nach dem Remis gegen den FCA nicht mehr die schützende Hand über seine Spieler. Der Wille, die Entschlossenheit, die Zielstrebigkeit - all dies habe dem BVB gefehlt.

Die Gretchenfrage beim BVB bleibt offen

Insofern ist es richtig, das Unentschieden bei den Sachsen als Fortschritt zu werten. "Wir müssen aber weiter daran arbeiten, dass wir als Mannschaft zusammenwachsen und dahinkommen, wo wir schon einmal waren", ergänzte Weigl.

Dies ist genau die Gretchenfrage beim BVB in diesem letzten Viertel der Spielzeit. Der Ausgang bleibt völlig offen und wird das wohl bis zum Ende sein. Die Borussia kann frühzeitig aus der Europa League ausscheiden und einen Platz für die Königsklasse verpassen - dann würde das Jahr negativ besprochen und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke dürfte seine Ankündigung, eine größere Kaderumstrukturierung zu vollziehen, wahr machen.

Doch auch der angestrebte Einzug ins EL-Endspiel und viel wahrscheinlicher die erneute Qualifikation zur Champions League liegen im Bereich des Machbaren. Unklar ist der Saisonausgang vor allem deshalb, weil sich Dortmund unter Stöger nicht in einen formstarken Lauf spielt. Und wohl auch nicht spielen wird, nimmt man die bisherige Zeit unter dem Ex-Kölner zum Maßstab - aber auch seine eigenen Aussagen.

Stöger muss beim BVB auch als Psychologe arbeiten

Zwar fahre man aus Leipzig "einigermaßen zufrieden nach Hause", doch Stögers nüchterne Einschätzungen der sportlichen Situation sowie gewissermaßen der Stagnation leuchten ein. Seine Ruhe und der Realismus kommen im Verein an, stoisch beantwortete Stöger in den letzten Wochen die meist kritischen Fragen.

Unter der Woche lieferte Stöger in einem Interview bei Amazon Music einige ausführliche Erklärungsansätze für die aktuelle Dortmunder Lage und wurde dabei teils recht deutlich. "Ein sehr zerbrechliches Gebilde" leite er momentan an, weshalb er häufig auch als Psychologe auf ein wegen des abwechslungsreichen Saisonverlaufs noch immer verunsichertes Team einwirken muss.

"Einige Jungs, an die keiner mehr geglaubt hat, haben wir schon wieder in die Spur bekommen und zum Leben erweckt, bei einigen anderen brauchen wir noch ein bisschen", sagte Stöger. Das gilt in erster Linie für die BVB-Offensive, die zuletzt aus Marco Reus, Andre Schürrle, Mario Götze und Michy Batshuayi bestand. Diese vier Spieler kommen aus langwierigen Verletzungen, aus Formschwankungen, es fehlte ihnen regelmäßige Spielpraxis oder wie im Falle von Batshuayi steckt der Anpassungsprozess an eine neue Liga noch in den Kinderschuhen.

Punkteschnitt unter Stöger: 2,0

Es kommt daher trotz der enormen Qualität der Einzelspieler nicht vollkommen überraschend, wenn solche Akteure mit sich und der (Wieder-)Eingliedung in die Mannschaft zu kämpfen haben. Stöger hat zumindest anders als in der zweiten Hälfte der Amtszeit von Vorgänger Peter Bosz ein Gebilde gefunden, dass man als Stammelf bezeichnen kann.

Dies und sein defensiverer Ansatz brachten dem BVB die nötige Stabilität, ein Punkteschnitt in der Bundesliga von 2,0 ist letztlich genau das, was die Borussia nach den Enttäuschungen der Hinrunde benötigte. Dennoch stellt sich Stöger den Debatten, weshalb es seinem Team so schwer fällt, das Vergangene hinter sich zu lassen und vor allem auch spielerisch wieder in die Spur zu kommen.

Dortmunds Aufgabe für den Schlussakkord der Saison

"Spielerisch haben wir noch einiges zu verbessern. Wir haben die Mannschaft auf Platz acht übernommen und sind jetzt Zweiter. Die reinen Ergebnisse interessieren hier aber keinen, Dortmunds Selbstverständnis ist, dass auch attraktiver Fußball gespielt wird. Dieses Selbstverständnis haben wir in der Mannschaft noch nicht zurück", hatte Stöger unter der Woche gesagt. Auch nach dem Remis gegen Leipzig steht der BVB mit Platz drei noch auf einem CL-Rang.

Sein Fazit: "Ich stimme den Kritikern zu, dass wir mehr Klarheit in unser Spiel bekommen müssen, jedoch weise ich auch noch mal darauf hin, dass nicht alles reibungslos funktionieren kann, wenn du Borussia Dortmund übernimmst, das unter einem richtig guten Trainer zuvor zwölf Spiele am Stück nicht gewonnen hat."

Und so schleppt sich der BVB eben von Partie zu Partie und muss kleine Schritte als große verkaufen. Vier Gegner aus dem oberen Tabellendrittel erwarten die Dortmunder noch. Die Konstanz ist in den Ergebnissen und der verbesserten Defensive da, sie zu erhöhen wird die Aufgabe für den Schlussakkord der Saison sein.

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