Fussball

Darum tut sich der BVB so schwer damit, Pierre-Emerick Aubameyang abzugeben

Samstag, 20.01.2018 | 09:30 Uhr
Andre Schürrle konnte Pierre-Emerick Aubameyang gegen die Hertha nicht gleichwertig ersetzen

Auch nach dem 1:1 von Borussia Dortmund in Berlin drehte sich alles um Pierre-Emerick Aubameyang. Der rebellierende Stürmer hatte es geschafft, parallel zum Spiel erneut für Schlagzeilen zu sorgen. Der Auftritt gegen die Hertha verdeutlichte derweil noch einmal, warum sich der BVB so schwer damit tut, Unruhestifter Aubameyang abzugeben.

Ausgerechnet Aubameyangs Ersatzmann Andre Schürrle musste nach dem Unentschieden im Olympiastadion die Nachricht kommentieren, dass der Gabuner nach seiner Nichtberücksichtigung trotzdem gekickt hatte, und zwar in einer Soccerhalle mit seinen Kumpels. Und dabei ein BVB-Trikot von Ousmane Dembele getragen hatte, jedem Supertalent, das seinen Abgang zum FC Barcelona im Sommer 2017 nicht gerade auf die feine englische Art durchgedrückt hatte.

Kumpels, das sind Auba und der Rest des BVB-Teams wohl nicht mehr. Und so blieb Schürrle bei der Frage nach dem abendlichen Ausflug des etatmäßigen Stürmers Nummer eins erst locker und sprach von Sonderschichten ("Vielleicht hat er gedacht, er muss ein bisschen mehr machen, weil er heute nicht dabei ist."). Nur um dann doch etwas vom Innenleben in der Mannschaft preiszugeben: "Keine einfache Situation" sei es in diesen, von Aubameyang-Gerüchten und -Schlagzeilen dominierten Tagen.

Hertha verteidigt gegen BVB geschickt, Schürrle ist harmlos

Auch gegen die Hertha war es in der ersten Stunde alles andere als einfach. Die letzten drei Spiele in der Hauptstadt hatte die Borussia nicht gewinnen können, und wenn man sich die Statistiken zu Gemüte führte, dann war es kein Wunder, dass in Halbzeit eins nichts Gefährliches auf den Kasten Thomas Kraft geflogen kam: Zum fünften Mal in Folge blieb die Hertha in den ersten 45 Minuten ohne Gegentor, beim BVB stand gar das sechste Mal hintereinander vorne die Null.

Die Elf von Pal Dardai stellte sich dabei geschickt an, verzichtete auf Pressing und leitete das Spiel des BVB weg vom Zentrum auf die Außen, wo die Teenager Pulisic und Sancho für Gefahr sorgen sollten. Weigl wurde per Sonderbewachung aus der Spieleröffnung genommen, so mussten sich seine Vorderleute zurückfallen lassen und das Spiel ankurbeln. Gerade über links versprühte Sancho immer wieder Spielfreude, aber wenn er sich dann mal auf die Höhe des gegnerischen Sechzehners kombiniert hatte, fiel das Fehlen von Aubameyang besonders auf.

Was nicht daran lag, dass sich Schürrle nicht redlich bemühte. Der 27-Jährige hatte sich laut Trainer Peter Stöger den Einsatz in der Startelf verdient, aber ein Abseitsfallen-Schleicher, das ist er nicht. Stattdessen gab Schürrle eher die "falsche 9", machte Meter und tauchte überall in der Offensive auf, auch, um das Offensivspiel in der ersten Halbzeit weiter anzukurbeln. Seine Heatmap ließ den gegnerischen Strafraum nicht von ungefähr größtenteils unberührt.

Dadurch strahlte er nicht gerade Torgefahr aus. Im Gegenteil: Als Schiedsrichter Christian Dingert nach 94 Minuten abpfiff, hatte, war Schürrle neben Joker Yarmolenko der einzige Feldspieler der Gäste, der weder Torschuss noch Torvorlage vorzuweisen hatte. Und Yarmolenko war erst kurz vor Schluss eingewechselt worden und hätte mit etwas mehr Wohlwollen von seiten Dingerts einen Elfmeter herausgeholt.

Schürrle als Gegenpol zu Aubameyang

Schürrle erwies sich als extrem mannschaftsdienlich, führte viele Zweikämpfe und schlug sogar die meisten Dortmunder Flanken. In dieser Hinsicht war er der Gegenteil zu Aubameyang, der derzeit daran arbeitet, sich mit seinem Auftreten für Mannschaftssportarten zu disqualifizieren. Vielleicht hatte Stöger Schürrle gerade deshalb aufgestellt, auch um innerhalb der Mannschaft ein Zeichen zu setzen.

Aber Aubameyang hat dem Weltmeister von 2014 auf dem Platz umgekehrt in puncto Torgefahr eine Menge voraus. Es war kein Zufall, dass die Drangphase des BVB erst dann so richtig begann, als Stöger mit Isak noch eine "echte 9" brachte, die sich im Zentrum positionierte und Schürrle so die Möglichkeit gab, sein variables Spiel umzusetzen, ohne vorn in der Spitze bitter vermisst zu werden. So hätte nicht viel gefehlt und die Dortmunder wären trotz verschlafener Anfangsphase mit drei Punkten in den Flieger Richtung Ruhrgebiet gestiegen.

Dort könnte auf Freizeitkicker Aubameyang die nächste Gardinenpredigt warten. Eine lustige Runde mit Freunden in allen Ehren, aber das Dembele-Trikot hatte er sich ganz sicher nicht aus Versehen übergestreift. Bei Zorc und Watzke dürfte die gesendete Botschaft für grimmige Mienen gesorgt haben: "Dembele habt ihr am Ende ja doch gehen lassen - und bei mir wird es nicht anders sein."

Was Zorc übrigens vor dem Spiel noch wacker bestritt: Die Tür sei noch nicht zu, in zwei Wochen könne sich vieles ändern. Und überhaupt seien noch keine substanziellen Angebote in der Dortmunder Geschäftsstelle eingetroffen. Professionalität hier, eine Entschuldigung da - und dann sei der Weg zurück in die Mannschaft möglich.

Schürrle will Thema Aubameyang abhaken

Mal abgesehen davon, dass Aubameyang sich offenbar mit Händen und Füßen gegen diese Rückkehr sträubt, hat auch die Mannschaft mittlerweile die Nase voll. Man habe viel mit Aubameyang geredet, veriet Schürrle. Aber "was dann dort trotzdem in seinem Kopf vorgeht, weiß keiner so genau." Viele Gespräche seien in der Kabine über das Thema geführt worden: "Das ist sehr ärgerlich, auch in der Mannschaft ist viel Unruhe."

Für den sonst so zurückhaltend auftretenden Schürrle sind das schon fast drastische Formulierungen. Wobei sein Bonmot am Freitagabend sicherlich dieser Satz war: "Es wäre schön für alle, wenn es schnell geht, dass ein bisschen Ruhe einkehrt." Eine Rückkehr Aubameyangs ins Team war damit eher nicht gemeint.

Der Ball liegt damit bei der Vereinsführung. Die muss aber nicht nur einen Abnehmer für Aubameyang finden, der das geforderte Kleingeld mitbringt, sondern eben auch passenden Ersatz. Die Mannschaft hat enormes spielerisches Potenzial, das hat sie zu Beginn der Saison und auch in der Schlussphase gegen die Hertha gezeigt. Aber es braucht auch jemandem mit dem Killerinstinkt, der die Kugel regelmäßig im Netz unterbringt.

Mit Schürrle und Isak, dem die Torgefahr auch nicht unbedingt am Schuh klebt, in die letzten vier Saisonmonate zu gehen, wäre angesichts der hart umkämpften Champions-League-Plätze zu riskant. Ob nun Michy Batshuayi, Lautaro Martinez oder ein Überraschungskandidat: Erst wenn der gefunden und eingetütet ist, wird die Scharade um Aubameyang beendet sein. Und in Dortmund wieder der Fußball im Mittelpunkt stehen.

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