Die Suspendierung von Aubameyang beim BVB: Jetzt muss es ganz schnell gehen

Montag, 15.01.2018 | 09:00 Uhr
Hat Pierre-Emerick Aubameyang nach seiner erneuten Suspendierung noch eine Zukunft beim BVB?
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Die erneute Disziplinlosigkeit von Pierre-Emerick Aubameyang hat den Wunsch nach Ruhe bei Borussia Dortmund konterkariert. Der Torschützenkönig der vergangenen Bundesligaspielzeit handelt egoistisch und gefährdet damit nicht nur das einzig übrig gebliebene Saisonziel des BVB. Die Verantwortlichen um Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc müssen nun handeln.

Natürlich hat sich Hans-Joachim Watzke auch einen Sieg gewünscht. Das hat nicht geklappt, denn Borussia Dortmund startete nur mit einem 0:0 gegen den VfL Wolfsburg in die Rückrunde. Das wird der Geschäftsführer des BVB so schlucken müssen, bei besserer Chancenverwertung wäre ein Heimsieg gut möglich gewesen.

Watzke äußerte im Vorwort der ersten Ausgabe des Stadionmagazins im neuen Jahr noch einen größeren, übergeordneten Wunsch: "Etwas mehr Ruhe im und um den Verein." Das war vor allem langfristig gedacht, doch sehr kurzfristig hat auch dies nicht geklappt.

Die Suspendierung von Pierre-Emerick Aubameyang, die dritte innerhalb von 14 Monaten und beim dritten Cheftrainer in Folge, verhindert das. Der Torjäger schwänzte eine wichtige Mannschaftssitzung, in der Peter Stöger sein Team auf einen gemeinsamen Geist und die Herausforderungen der Rückrunde einschwören wollte.

Stögers Aussagen lassen wenig Interpretationsspielraum

"Er hat kurz angedeutet, dass er es vergessen hätte - aber jeder weiß, dass dies nicht der Fall ist", so Stöger unmissverständlich. Als Thomas Tuchel den Stürmer wegen eines unerlaubten Trips nach Mailand für ein Champions-League-Spiel aus dem Kader warf, schwieg sich der Ex-Coach über die Gründe noch hartnäckig aus. Stögers Vorgänger Peter Bosz, der auf Aubameyang im Hinrundenspiel gegen Stuttgart verzichtete, weil er ohne Absprache einen Videodreh am Vereinsgelände genehmigte, äußerte sich damals schon etwas deutlicher.

Stögers Aussagen lassen nun nur noch wenig Interpretationsspielraum zu. Das verdeutlicht, dass der Verein von Aubameyangs albernen Mätzchen allmählich die Schnauze gestrichen voll hat. Das verwundert selbstverständlich nicht, die erneute Suspendierung inklusive Geldstrafe war für den Moment die einzig mögliche Maßnahme.

Mit der Ruhe ist es also mal wieder dahin beim BVB. Seit bald über einem Jahr gelingt es dem Klub nicht, diesen Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen. Nach Aubameyangs erneutem Possenspiel werden die Schlagzeilen um den Gabuner wieder anziehen, denn schnell fühlt man sich an den Fall des streikenden Ousmane Dembele erinnert.

Aubameyang handelt fahrlässig und egoistisch

Inwiefern Aubameyang mit seinen Regelverstößen wie Kumpel Dembele nun einen Wechsel erzwingen möchte, werden die noch verbleibenden zwei Wochen zeigen, bis das Transferfenster schließt. Klar ist bereits jetzt: Die Risse innerhalb der Mannschaft, die Sportdirektor Michael Zorc nach der Hinrunde öffentlich machte, können so nicht gekittet werden.

Ungeachtet seiner starken Leistungen, die er in seinen viereinhalb Jahren in Dortmund erbrachte, gefährdet Aubameyangs Verhalten den inneren Frieden im Verein - und dieser sollte nach den Irrungen und Wirrungen des vergangenen Jahres eigentlich genau jetzt wiederhergestellt werden.

Aubameyang handelt somit fahrlässig und äußerst egoistisch. Der BVB kommt nun nicht mehr umhin, drastische Maßnahmen zu ergreifen. Es nur bei einer Kader-Suspendierung und ein paar Geldscheinen zu belassen, würde zu kurz greifen.

Zorc über Aubameyang: "Ich erkenne ihn nicht wieder"

Zumal die Aussagen der Dortmunder Verantwortlichen nicht darauf schließen, dass sich Aubameyang wie nach seiner Mailand-Reise im November 2016 reumütig entschuldigt. "Ich weiß nicht, was in seinem Kopf vorgeht. Ich erkenne ihn nicht wieder. Das was jetzt abgeht, ist von unserer Seite nicht zu tolerieren", echauffierte sich der ansonsten sehr gemäßigte Zorc.

Und selbst wenn es so wäre und Aubameyang das nächste Pardon folgen ließe - wäre es intern glaubwürdig? Oder ist ohnehin bereits zu viel kaputtgegangen, so dass mittlerweile der Zeitpunkt gekommen ist, an dem ein Aubameyang im Kader Gift für die Mannschaft ist? Eine Mannschaft wohlgemerkt, der schon seit längerer Zeit offensichtlich der nötige Zusammenhalt fehlt.

Es würde daher nicht überraschen, wenn Dortmund aufgrund der neuesten Eskapade über einen vorzeitigen Verkauf seines besten Torschützen noch in dieser Transferperiode nachdenkt. Jetzt könnte es nicht nur, es muss schnell gehen - das bereits gefährdete und einzig übrig gebliebene Saisonziel der direkten Champions-League-Qualifikation muss wie natürlich auch der Klub als solcher über Einzelpersonen stehen.

"Wir brauchen jetzt keine Transferspekulationen anzustellen, aber klar ist auch, so kann es nicht weitergehen", sagte Zorc. Gibt der BVB Aubameyang im Winter frei, würde das zwar den Preis erheblich senken, da jeder interessierte Klub wüsste, dass die Borussia den 28-Jährigen loswerden möchte.

BVB muss die ramponierte Außendarstellung berücksichtigen

Wenn jedoch ein vorbelasteter Spieler Stögers von allen Beteiligten gelobte Bemühungen, Klub und Umfeld wieder zu befrieden, zur Unzeit ad absurdum führt und damit das große Ganze gefährdet, darf bei den Dortmunder Verantwortlichen nicht der maximale Erlös an erster Stelle stehen.

Sie müssen nämlich auch die in den letzten Monaten stark ramponierte Außendarstellung berücksichtigen. Sich erneut von einem Spieler auf der Nase herumtanzen zu lassen, der mit Abwesenheit glänzt, um baldmöglichst aus seinem Vertrag zu kommen, würde kein gutes Licht auf den BVB werfen - auch wenn der Verein an sich nur wenig dafür kann.

Sollte sich die Causa Dembele in ähnlicher Form wiederholen, und diese Fälle finden sich im europäischen Fußball zuletzt ja häufiger, dann wären Liga und Klubs dringend aufgefordert, gemeinsame Lösungsansätze für diese Unarten zu entwickeln. Die Machtverhältnisse verschieben sich derzeit nämlich immer mehr in Richtung der - wohlgemerkt vertraglich gebundenen - Spieler.

Das muss sich ändern. Und das wird sich auch Watzke wünschen. Ganz sicher.

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