Fussball

Der FCB nach dem Auswärtssieg in Leverkusen: Die "alten Bayern" mal wieder

Die Bayern lassen sich nach dem Auswärtssieg vom eigenen Anhang feiern

Mit einem 3:1-Auswärtssieg bei Bayer Leverkusen hat der FC Bayern München einen erfolgreichen Start in die Rückrunde hingelegt. Dabei setzt Jupp Heynckes auf seine Altstars Ribery und Robben, das Team offenbart ein vertrautes Gesicht. Doch auch die altbekannten Probleme sind wieder zu beobachten.

Es war vielleicht sogar ein bisschen zu viel des Guten, als Eurosport-Experte Matthias Sammer nach Abpfiff ein eindeutiges Urteil fällte. "Es hat sich wie ein roter Faden durchgezogen. Die individuelle Klasse, die Reife und die Erfahrenheit sind ganz klar bei Bayern. Man muss ganz klar sagen, dass die Leverkusener auf dem Niveau noch nicht mithalten können", analysierte der ehemalige Sportvorstand des FCB. "Erfahrung und Routine" hätten sich gegen Talent durchgesetzt.

Angesichts der Tatsache, dass die Bayern nach rund 75 gespielten Minuten drauf und dran waren, eine 2:0-Führung gegen diese junge Werkself noch aus der Hand zu geben - bevor die Einwechslung Sandro Wagners schließlich ein bisschen Ruhe ins Spiel brachte und James Rodriguez mit seinem Sahne-Freistoß den Dreier dingfest machte -, musste man die Kräfteverhältnisse an diesem Abend nicht unbedingt ganz so eindeutig sehen. Oder doch?

Richtig, die Bayern gewannen am Ende verdient, fuhren den 13. Sieg im 14. Spiel unter Jupp Heynckes ein und bauten ihre Führung an der Tabellenspitze auf vorerst 14 Punkte aus. Diese reifen, erfahrenen, individuell überlegenen Münchner schluckten erst das angriffslustige Pressing der Gastgeber, ohne nervös zu werden, lösten sich dann Stück für Stück aus der Umklammerung und übernahmen das Kommando. Zum ersten Mal seit 2013 erzielte man überhaupt wieder ein Tor in der BayArena. Es würde also passen, dabei an die "alten Bayern" zu denken. An die, die Sammer in der Triple-Saison 2013 noch selbst aus nächster Nähe erlebt hatte.

Robben und Ribery endlich wieder vereint

Die "alten Bayern", das passte an diesem Abend allerdings gleich in mehrfacher Hinsicht. Heynckes, der sich anschickt, der älteste Meistertrainer der Liga-Historie zu werden, hatte zum Beispiel auf seine altbekannte Flügelzange vertraut: Zum ersten Mal seit dem 7. Spieltag spielten Arjen Robben und Franck Ribery von Beginn an gemeinsam auf den Flügeln - und diese Kombination hätte schon nach nicht einmal vier Minuten zum ersten Treffer geführt, als Riberys Abschluss nach Vorlage von Robben gerade noch geblockt wurde.

Ribery, der ältere der beiden Altstars, durfte in der zweiten Halbzeit dann auch sein erstes Saisontor anschreiben. Nach seinen zuletzt offensiven Statements in Richtung Vertragsverlängerung bejubelte er den Treffer auch entsprechend offensiv. Seht her, schien seine Geste an der Eckfahne zu sagen, noch gehöre ich nicht zum alten Eisen. "Ich will so lange wie möglich beim FC Bayern bleiben", betonte er anschließend. Es heißt Argumente sammeln bis zum Frühjahr.

Alte Stärken bringen Bayern den Sieg

Die Qualitäten, die dem FCB an diesem Freitag zum Sieg verhalfen, waren ebenfalls nicht gerade neu. Zum einen bewies man erneut die Abgezocktheit vor dem Tor, die die Werkself eben nicht besitzt. Das brach ihr schon im Hinspiel das Genick. "Wir müssen weiter an der Chancenverwertung arbeiten", bilanzierte Coach Heiko Herrlich, der unter anderem die Gelegenheit von Leon Bailey in der Anfangsphase ansprach, als der nach einem Konter nicht zum Abschluss gekommen war. Und versuchte dann eine positive Interpretation des Problems: "Wichtig ist, dass wir die Chancen überhaupt haben. Das macht ja keiner mit Absicht."

Zwölf Torschüsse gab Leverkusen ab, nur einer davon ging überhaupt - zweifach abgefälscht - auf den Kasten. Die Bayern brachten die Kugel sechsmal auf das Gehäuse von Bernd Leno, dreimal war der Ball drin. Und wie schon im Hinspiel waren dafür gleich mehrfach Standards verantwortlich: Damals waren die Tore nach Freistoß, Eckball und Elfmeter gefallen, zum Triple fehlte diesmal nur der Strafstoß. "Bayern hat die Standards eiskalt ausgenutzt", ärgerte sich Lars Bender, sein Team dagegen habe es im Abschluss wieder nicht auf die Reihe bekommen: "Das ist am Ende wohl auch der Unterschied."

Ribery und Robben: Reicht das für die großen Ziele?

Die "alten Bayern" also, mit Rib und Rob und einer Menge Power bei Standards? Zur Erinnerung: Auf dem Weg zum Champions-League-Titel vor viereinhalb Jahren hatte im Halbfinale gegen den FC Barcelona die eigene körperliche Überlegenheit eine enorme Rolle gespielt. Und die Kombination der französisch-niederländischen Flügelzange zum 2:1 im Finale ist bis heute unvergessen.

Trotzdem sind die Bayern nur Außenseiter im Kampf um den Henkelpott, und das hat eben auch mit den alten beziehungsweise alternden Bayern zu tun. In ein paar Monaten werden Ribery und Robben bekanntlich zusammen 69 Jahre alt sein. Robben, nach mehreren Verletzungen gerade erst wieder fit geworden, hatte gegen Bayer nur wenige Szenen und ganze drei Ballaktionen (41) mehr als Sven Ulreich. Nach 65 Minuten war Schluss, er braucht noch Zeit.

Und Ribery? Bei ihm werden die Bosse trotz des Tors keine überragende Leistung erkannt haben. Zwar spielte er den Konter nach dem langen Abschlag von Sven Ulreich stark zu Ende und vollendete überlegt ins kurze Eck, doch im Eins-gegen-eins war er an diesem Abend nicht besonders gut (drei von zwölf Zweikämpfe gewonnen, 19 Ballverluste). Im Kombinationsspiel mit David Alaba ist er immer noch exzellent, doch die Schnelligkeit fehlt, im Dribbling und gegen körperlich starke Gegenspieler wird es immer schwerer.

Alte Schwächen: Bayerns Einbruch nach Führung

Noch gravierender könnte auf der Jagd nach mehreren Titeln eine alte Schwäche ins Gewicht fallen, die der FC Bayern unabhängig von seinen Dribbelkünstlern nicht in den Griff bekommt, auch unter Jupp Heynckes nicht: Man spielt die Siege einfach nicht souverän zu Ende.

Stattdessen kam der Gegner in den letzten Wochen und Monaten immer wieder zurück, plötzlich wackelte der Favorit und es wurde noch einmal spannend. Im Pokal gegen Borussia Dortmund etwa führte man vor der Winterpause ebenfalls mit 2:0, dann kam der BVB doch noch zurück. Ähnliches spielte sich gegen Frankfurt, Köln oder Stuttgart ab.

"Unnötige Ballverluste" hatte Heynckes in der Phase nach dem 2:0 gegen Bayer ausgemacht, das dürfe "natürlich nicht passieren." Es passiert in den zweiten 45 Minuten in dieser Saison aber viel zu häufig und gerade international könnte dieser Schwachpunkt bitter bestraft werden. Vielleicht noch nicht gegen Besiktas, aber danach.

Neue Bayern: James und Sandro Wagner

Auch das sind derzeit die alten, die altbekannten Bayern. Heynckes kann froh sein, dass es im Gegenzug auch noch neue Bayern gibt. James Rodriguez ist so einer, der sich mittlerweile festgespielt hat im Team und am Freitag mit einem Assist und einem herrlichen Freistoß glänzte. Darüber hinaus spulte er ein enormes Laufpensum ab und hatte die meisten Ballaktionen (89) auf dem Platz. Er ist der Beweis dafür, dass es auch gehen kann, wenn es bei Ribery und Robben mal nicht so läuft. Und damit ein Stück Zukunft.

Ein alter und neuer Münchner muss dagegen noch auf seinen großen Auftritt warten. Sandro Wagner stand wider Erwarten nicht in der Startelf, stattdessen gab Thomas Müller die bewegliche Anspielstation in der Spitze. Wagners Comeback im Bayern-Dress fiel nach genau 3785 Tagen deshalb recht kurz aus, ein paar Minuten ausputzen in der Schlussphase. Seine Zeit wird noch kommen.

Souveräner hätte Wagner anschließend mit seinem Bankplatz aber nicht umgehen können. "Ich bin in München wieder daheim und beim besten Verein Deutschlands. Dazu bin ich Nationalspieler", sagte er. "Ich habe momentan ein gutes Leben."

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