Fiete aus der anderen Welt

Von SPOX
Samstag, 04.11.2017 | 22:00 Uhr
Fiete Arp traf gegen den VfB zum 3:1-Endstand
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Der HSV hat mit seinem ersten Sieg seit Ende August den Relegationsplatz verlassen. Nicht unschuldig daran war der 17-jährige Fiete Arp, über den zu sprechen ist - auch, wenn das beim HSV eigentlich niemand will.

Uwe Seelers Wort hat immer noch mächtig Gewicht in Hamburg. So war es wenig überraschend, dass das, was der 81-Jährige unter der Woche den Reportern der Bild in die Blöcke diktierte, die Runde machte.

Die Stürmer-Legende der Hanseaten sprach über das Stürmer-Juwel seines Klubs, Fiete Arp. "Grundsätzlich bin ich für den Einsatz von jungen Spielern. Aber diese sollten sich im Schatten von gestandenen Profis in Ruhe entwickeln", sagte er. Der Nachwuchs dürfe "unter dem Druck des Funktionierens nicht die Unbekümmertheit verlieren".

Und dann noch: "Es ist ein schwieriger Spagat für Trainer Gisdol, Fiete behutsam aufzubauen und trotzdem ins kalte Bundesliga-Wasser zu werfen."

Nun ist behutsam ein Wort, dass man sich in Hamburg der Tage nicht leisten kann, am wenigsten Coach Markus Gisdol, für den das Spiel gegen den VfB Stuttgart - zumindest extern - schon zum Schicksalsspiel hochgejazzt wurde. So entschied sich der Trainer am Samstagnachmittag gegen behutsam - und für das kalte Wasser.

Fiete Arp feiert sein Startelfdebüt

Eine Minute hatte Arp gegen Werder Bremen gespielt, 34 in Berlin. Gegen den VfB durfte er - 17 Jahre alt - zum ersten Mal von Beginn an in der Liga ran. Die Statistiker notierten dabei überschaubare Zahlen. 24 Mal war er am Ball, 14 Pässe spielte er, Zweikampf gewann er nur jeden Dritten. Gegen die Kanten in der Stuttgarter Innenverteidigung wie Timo Baumgartl sah der Youngster in den körperlichen Duellen wenig Land.

Trotzdem war es jener Fiete Arp, der nach Abpfiff von Fans und Medien gelobhudelt und besungen wurde. Und das nicht nur wegen seines Treffers zum 3:1, und nicht nur, weil die Twittergemeinde so großen Gefallen an Wortspielen mit seinem Namen fand. Der HSV geht arp. Oder: Leck mich am Arp!

Es war, weil Arp etwas machte, was man nicht allzu oft bezeugen darf in Hamburg: Er spielte richtig guten Fußball. Mit einer herausragenden Ballbehandlung, seiner Wendigkeit, seiner Schnelligkeit und seiner Ballsicherheit (nur Mergim Mavraj hatte von den HSV-Startern weniger Ballverluste). Kurz: einer sehr unhamburgerischen Unbekümmertheit.

Fiete Arp: Überragend in der U19 & Kapitän beim DFB

Es scheint, als sei genau das der Grund, warum der HSV von Arp gerade so sehr profitieren kann. Weil er nicht einer derjenigen ist, die seit zermürbend vielen Jahren im Tabellenkeller umher krebsen müssen. Einer derjenigen, die seit Jahren Spott und Häme auf sich ziehen, als sicherer Absteiger abgeschrieben werden, um sich dann doch in letzter Sekunde irgendwie zu retten.

Arp kommt schlicht und ergreifend aus einer anderen Welt. In der Hamburger U19, tätig in der A-Junioren-Bundesliga Nord/Nord-Ost, machte Arp drei Spiele in der laufenden Saison - er traf sieben Mal. Die deutsche U17-Nationalmannschaft führte er bei der Weltmeisterschaft in Indien bis zum unglücklichen Viertelfinalaus als Kapitän aufs Feld. Fünf Spiele, fünf Tore.

Klar ist Arp erst 17 Jahre alt und freilich hat er erst 125 Minuten Bundesliga auf seinem schmalen Buckel. Trotzdem bringt er aus seiner Welt ein anderes Selbstverständnis mit in die oft so triste Welt des HSV. In der schon Angst herrscht, wenn der VfB Stuttgart in Unterzahl früh in der zweiten Halbzeit zum glücklichen Ausgleich kommt.

Arp verkörpert einen anderen Glauben in seine eigenen Fähigkeiten. Mit zwei Toren ist der Stürmer jetzt der beste Bundesligaschütze der Hamburger.

HSV bremst Euphorie um Fiete Arp

"Grundsätzlich ist es so", sagte Coach Gisdol, der es auch Arp zu verdanken hat, dass die Diskussionen um seine Person zumindest vorübergehend wieder abflauen dürften, "dass ich den Auftrag habe, die jungen Burschen zu entwickeln. Wenn sich dann immer mal wieder ein oder zwei hervortun, dann ist das schön".

Selbstdiszipliniertes Lob für einen Spieler, bei dem man zu viele Lobpreisungen gerade vermeiden will. "Seine Entwicklung ist beachtlich", sagte sein Nationalmannschaftscaoch Christian Wück während der WM bei Sportbuzzer - um große Abers hinterher zu schieben: "Wir dürfen ihn nicht zum Heilsbringer machen." Und: "Der HSV muss ihn behutsam aufbauen, dann wird Fiete seinen Weg gehen."

Das wird natürlich mit jedem Einsatz, mit jedem Tor und mit jedem weiteren Stück Rampenlicht schwieriger.

Nach dem Spiel gegen den VfB verließ Arp das Volksparkstadion auf jeden Fall durch die Hintertür. Keine Interviews - so wollte es der HSV. "Um den jungen Burschen wird so viel Wirbel gemacht. Es ist nicht so schlimm, wenn man ihn nicht gleich so in den Mittelpunkt stellt", erklärt Gisdol.

"Wir dürfen jetzt nicht den Fehler machen, die Verantwortung auf die Schultern des kleinen Ito und Fiete Arp zu legen", sagte Sportchef Jens Todt. Bis 2019 ist der Youngster noch an die Hanseaten gebunden. "Fietes Berater weiß, dass wir 24 Stunden am Tag gesprächsbereit wären."

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