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Der nächste Weigl

Samstag, 17.09.2016 | 22:55 Uhr
Raphael Guerreiro kam vor der Saison vom FC Lorient aus Frankreich zu Borussia Dortmund
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Auch wenn die beiden letzten Gegner von Borussia Dortmund nicht konkurrenzfähig waren, hat Neuzugang Raphael Guerreiro mit seinen Leistungen angedeutet, welche Rolle er künftig beim BVB spielen kann. Trainer Thomas Tuchel hat schon erstaunlich früh positive Worte für den Portugiesen übrig.

Borussia Dortmund hat es zu diesem Zeitpunkt gut erwischt. Das an einigen Stellen erneuerte Team von Thomas Tuchel wähnt sich momentan ja noch am Anfang einer Findungsphase.

Da kommt es dann ziemlich passend, wenn man so früh in der Saison und das auch noch zum Auftakt einer Sieben-Spiele-in-21-Tagen-Phase hintereinander auf zwei Gegner trifft, die am Spieltag das Niveau für den jeweiligen Wettbewerb vermissen lassen.

6:0, 6:0 - die Dortmunder Ausbeute aus den beiden letzten Partien gegen Warschau und Darmstadt geht als ordentliche Antwort auf die Last-Minute-Niederlage vom vergangenen Wochenende in Leipzig durch.

Guerreiro, ein unbeschriebenes Blatt

Der BVB hat dadurch Selbstvertrauen sowie Glauben in die eigene Stärke getankt und konnte angesichts eines eng getakteten Rhythmus' (vier Spiele in neun Tagen) die Belastungen für die Spieler gut steuern.

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Bei den beiden Kantersiegen tat sich in Raphael Guerreiro ein Spieler hervor, der am Tage der Transfervollzugsmeldung in der breiten Öffentlichkeit ein ähnlich unbeschriebenes Blatt war wie Julian Weigl in der Vorsaison.

Natürlich sollte man die desaströsen Darbietungen der beiden letzten Dortmunder Kontrahenten vor Augen haben, bevor man über die Stärken und den Wert eines Spielers für sein Team parliert. Doch Guerreiro, den selbst der pausenlos Bescheidenheit predigende Tuchel bereits als "sehr außergewöhnlichen Spieler" anpries, hat ungeachtet der geringen Gegenwehr angedeutet, auch auf höherem Niveau eine echte Verstärkung zu sein.

Guerreiro wirkt erwachsener

Mit sechs Spielern, die 22 Jahre alt oder jünger waren, begann die Borussia am Samstagnachmittag gegen den SVD. Guerreiro fällt gerade noch darunter, ansonsten scheint er als Persönlichkeit wie als Kicker nur wenig mit Greenhorns wie Ousmane Dembele oder Emre Mor gemein zu haben.

Der portugiesische Nationalspieler kam in seinen bisherigen öffentlichen Auftritten zwar ähnlich zurückhaltend wie einige andere der Neuen daher. Guerreiro wirkt insgesamt aber deutlich erwachsener. Er ist in diesem jungen Alter bereits zweifacher Vater, sein zweites Kind kam vor einigen Wochen in Dortmund zur Welt.

Der "Altersvorsprung" wird am ehesten auf dem Spielfeld offensichtlich. Guerreiro hat bereits knapp über 160 Pflichtspiele als Profi abgerissen und in der Nationalelf an der Seite enorm talentierter wie gestandener Spieler gelernt.

Plötzlich im Mittelfeld unterwegs

Der größte Unterschied zu noch "wilden" Kickern wie Dembele und Mor, die sich immer noch in Profi-Jahr eins befinden, aber ist die Ruhe, die Guerreiro mit Ball am Fuß auf dem Spielfeld ausstrahlt. Er bringt dazu auch ein natürliches Selbstvertrauen mit, das aus seiner bislang gesammelten Erfahrung gewachsen ist.

"Wahnsinnig viele Einflüsse" seien laut Tuchel auf Guerreiro in den letzten Wochen und Monaten eingestürzt, auf und abseits des Rasens. Dem Linksfuß scheint es aber zu gelingen, diese in erster Linie sportlich schneller zu verarbeiten. "Er kann sich an höhere Level problemlos anpassen", ist sich Tuchel sicher.

Dass er dies nicht als Linksverteidiger tut, überrascht am meisten und dürfte daher auch die größte Leistung sein, die Guerreiro in Schwarzgelb bisher vollbracht hat. Er sei sein gesamtes Fußballerleben als Linksverteidiger aufgelaufen, sagte er nach einer starken Vorstellung in den Katakomben des Warschauer Stadions. "Im Verein, der Nationalelf und auch nach Dortmund bin ich in der Überzeugung gekommen, auf dieser Position weiter zu spielen", erklärte Guerreiro.

Tuchel: "Kann wichtiger Spieler für uns werden"

Da Guerreiro im Vorjahr 52 Pflichtspiele auf dem Tacho hatte und bis zur letzten Sekunde bei der EM gefordert war, nahm der BVB bei Integration und Belastung in den ersten Wochen Rücksicht. Es sei jedoch nur die Frage gewesen "ab welchem Zeitpunkt er von Beginn an spielt", stellte Tuchel klar.

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Dortmunds Trainerteam sah in ihm - eine weitere Parallele zu Weigl - einen Spieler, der auf Anhieb funktionieren und helfen kann, nur eben auf einer für Guerreiro neuen Position. Beim BVB ist er noch nicht ein Mal hinten links eingesetzt worden, stattdessen kam er bei seinen ersten Einsätzen als Einwechselspieler im defensiven Mittelfeld zum Zuge. "Es stand in jeder Sekunde, die wir ihn kennen, außer Frage, dass er ein wichtiger Spieler für uns werden kann", sagt Tuchel.

Guerreiro mit guten Standards

Zuletzt rückte ihn der Coach auf die Halbposition im Mittelfeld, das Zusammenspiel mit Mario Götze in Warschau und Gonzalo Castro gegen Darmstadt klappte gut. Guerreiros tiefer Körperschwerpunkt erlaubt ihm schnelle Drehungen und eine hohe Beweglichkeit, auch bewies er bei den Impulsen zum Gegenpressing bereits eine gute Antizipation.

Darüber hinaus mausert sich der Portugiese zu einem ausgewiesenen Standardschützen, eine Disziplin, die in den letzten Jahren in Dortmund höchstens die Note ausreichend verdient hatte. All dies zeugt von seinem Talent, diese Anpassungsfähigkeit wird Guerreiro nun jedoch noch gegen stärkere Gegner beweisen müssen.

Geht es nach Tuchels Einschätzungen und Guerreiros bisherigen Ansätzen, sollte dies im Bereich des Möglichen liegen. "Bei ihm hat man das Gefühl, dass er jeden Tag genießt und sein Talent und die Möglichkeit, auf diesem Niveau zu spielen, als Privileg auffasst", fasste Tuchel zusammen.

Raphael Guerreiro im Steckbrief

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