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Fussball

Ecken-Doppelschlag zu viel für lahme Bullen

Zwei Ecken, zwei Tore - die Hamburger zeigten sich nach Ecken eiskalt

Der Hamburger SV hat am 20. Spieltag einen 3:0 (2:0)-Auswärtssieg beim favorisierten Tabellenzweiten RB Leipzig gefeiert und sich vom Relegationsplatz auf Rang 15 vorgeschoben.

Vor 40.000 Zuschauern in der Red Bull Arena brachte der von Leverkusen an den HSV ausgeliehene Kyriakos Papadopoulos die Hanseaten nach einer Ecke in Führung (18.), ehe Neuzugang Walace nur sechs Minuten später mit einer Kopie des Führungstors auf 2:0 stellte.

Für den Brasilianer war es der erste Treffer für die Hanseaten. Erstmals in einem Bundesliga-Heimspiel gab's für die Leipziger somit zwei Gegentore. Bei Markus Gisdols 100. Spiel als Bundesliga-Trainer setzte Aaron Hunt in der Nachspielzeit nach einem Konter den Schlusspunkt (90.+3). Nicolai Müller bereitet alle drei Treffer vor.

Der erst in Minute 31 aus taktischen Gründen für Leipzigs Winterneuzugang Dayotchanculle Upamecano eingewechselte Yussuf Poulsen musste noch vor der Pause verletzt vom Platz (43.). Willi Orban wird den Bullen nach der 5. Gelben Karte am nächsten Spieltag fehlen.

Nach den verunglimpfenden Plakaten und tätlichen Übergriffen auf Leipziger Fans durch Gewalttäter von Borussia Dortmund am vergangenen Wochenende demonstrierten die Bullen-Fans ihrerseits mit einer Wand aus Spruchbannern für Fußball ohne Gewalt.

Die Reaktionen:

Ralph Hasenhüttl (Trainer Leipzig): "Ich glaube, dass wir heute kein gutes Heimspiel gemacht haben. Wir hatten eine Chance zu Beginn, die haben wir leider nicht genutzt. Dann kam der Gegner mit zwei Standardsituationen durch. Da haben wir nicht gut verteidigt. So etwas passiert dann auch einmal. Wir haben viel versucht, wenig ist geglückt. Man hatte das Gefühl, wir hätten heute noch drei Stunden spielen können, ohne ein Tor zu schießen."

Markus Gisdol (Trainer Hamburg): "Eine perfekte englische Woche für uns, die so nicht zu erwarten war. Wir wollten nicht in die Pressing-Falle des Gegners tapppen. Das ist uns gelungen. Wir haben heute auch verdient gewonnen, auch wenn wir den Sieg nicht überbewerten wollen. So eine konsequente Leistung darf man auch mal loben."

Der Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Hasenhüttl tauscht seine Leipziger nach dem 0:1 gegen den BVB auf ganzen fünf Positionen durch! Upamecano feiert sein Startelfdebüt, auch Demme, Forsberg, Sabitzer und Werner rutschen in die Mannschaft. Compper fehlt gelbgesperrt, Khedira, Kaiser, Poulsen und Selke sitzen auf der Bank.

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Auch bei den Gästen aus Hamburg vier Änderungen: Markus Gisdol bringt Papadopoulos, Ostrzolek, Holtby und Müller, dafür rotieren Djourou, Douglas Santos, Hunt und Waldschmidt aus der Mannschaft.

3.: Das muss das 1:0 sein! Forsberg befreit sich zentral vor dem Strafraum mit einer starken Drehung und schickt Halstenberg links in den Strafraum. Der Außenverteidiger ist frei durch, anstatt aus zehn Metern abzuschließen sucht er jedoch Werner in der Mitte - der am Fünfer noch entscheidend von Sakai gestört wird! Der Stürmer wäre im Abseits gestanden, die Fahne bleibt aber unten...

18., 0:1, Papadopoulos: Die Leihgabe aus Leverkusen trifft gegen seinen ehemaligen Klub! Im Anschluss eine Chance von Wood kommt eine Ecke von rechts. Papadopoulos wuchtet sich in den Kugel und wuchtet den Kopfball aus acht Metern zentraler Position in die Maschen! 2. Saisontor.

24., 0:1, Walace: Ecke von rechts, Walace mit dem Kopf - 2:0! Der Brasilianer feiert sein Tordebüt in der Bundesliga, quasi eine Kopie des Führungstors.

25.: Leipzig völlig von der Rolle! Direkt nach dem Anstoß laufen die Sachsen in einen Drei-gegen-zwei-Konter. Kostic bekommt die Kugel und zieht aus 14 Metern ab - rechts vorbei ...

29.: Eine starke Kombination der Bullen landet rechts bei Bernardo, der Keita mit einem Flachpass ans rechte Fünfereck schickt. Der Mittelfeldmann ist zwar frei durch, der Ball ist aber beinahe unmöglich zu verarbeiten. Aus zwei Metern knallt er den Ball ans Außennetz.

35.: Wieder macht RB das Spiel schnell, wieder wird's gefährlich: Poulsen hat die Kugel 20 Meter zentral vor dem Tor, verpasst erst den richtigen Moment zum abspielen - schließt dann nach zwei Schritten Richtung Tor aber selbst ab. Das Geschoss küsst noch den linken Außenpfosten!

87.: Der eingewechselte Diekmeier taucht nach einem Konter alleine vor Gulacsi auf - setzt die Kugel aber an die Latte!

90.3, 0:3, Hunt: Unfassbar, ein gut ausgespielter Konter der Hamburger. Müller bedient mit seinem dritten Assist Hunt, der nur noch einschieben muss.

Fazit: Der HSV gibt sich in Halbzeit eins extrem stabil und eiskalt bei den Standards, die Leipziger haben Chancen, finden das Netz aber nicht. Nach Wiederanpfiff kommt keine Mannschaft mehr zu guten Möglichkeiten - unter dem Strich geht der Sieg für die Hamburger durchaus in Ordnung.

Der Star des Spiels: Kyriakos Papadopoulos. Was für eine Machtdemonstration des Griechen! Gegen die ehemaligen Teamkameraden köpfte der Innenverteidiger nicht nur das frühe 1:0 (18.), sondern war auch die ordnende Hand der starken HSV-Defensive. Glänzte zudem mit gutem Stellungsspiel, starker Antizipation und Motivator. Auch stark: Dreifach-Assistgeber Müller.

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Der Flop des Spiels: Willi Orban. Schwache Partie des Leipziger Kapitäns, der vor allem in Sachen Zweikämpfe enttäuschte. Holte sich kurz vor Schluss eine unnötige Gelbe Karte ab - seine fünfte -, als er den Medizinkoffer der Hamburger Ärzte vom Feld warf.

Der Schiedsrichter: Sascha Stegemann. Unaufgeregte und kommunikative Spielleitung des Unparteiischen, der lediglich in Minute 55 beim Zweikampf Sakai gegen Keita gefordert war: Stegemann gab keinen Elfmeter für die Bullen - vertretbar.

Das fiel auf:

  • Die Gäste aus Hamburg agierten im 4-2-3-1 beeindruckend stabil in der Defensive. Mit einer geschickten Raumaufteilung machten die Norddeutschen die Räume zwischen den Ketten dicht, igelten sich aber nicht nur ein, sondern kamen auch punktuell stark ins Pressing, ohne die mannschaftliche Stabilität zu verlieren.
  • Die Leipziger zeigten zwar, dass den Hamburgern mit schnellen Kombinationen beizukommen war, fanden aber zu selten den schnörkellosen, schnellen Weg in die Spitze: Symptomatisch: Es war in der laufenden Saison das erste Leipziger Heimspiel ohne Schuss aufs Tor des Gegners.
  • RB-Coach Hasenhüttl reagierte nach dem schnellen 0:2 umgehend: Upamecano, der ein unsicheres Startelfdebüt feierte und den Hamburger mehrmals zu guten Umschaltmöglichkeiten verhalf, musste schon nach 31 Minuten vom Platz. Poulsen kam in die Partie und ging für Sabitzer in die Spitze. Letzterer rückte auf rechts, Keita ins zentrale Mittelfeld und Ilsanker in die Abwehr. An der Grundausrichtung 4-2-2-2 änderte sich also nichts. Bitter: Schon nach zwölf Minuten verletzte sich Poulsen und wurde von Selke ersetzt.
  • Leipzigs offensivere Herangehensweise ermöglichte dem HSV nach Wiederanpfiff eine ganze Fülle an Kontersituationen, die die Hanseaten allerdings teilweise erbärmlich verschenkten. Mit zwischenzeitlich 44,7 Prozent Passquote stellte der HSV einen klubinternen Negativrekord seit der detaillierten Datenerfassung auf.

Leipzig - Hamburg: Die Statistik zum Spiel

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