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Fussball

Einfach nur verteidigen

Marc Bartra wechselte im Sommer vom FC Barcelona zu Borussia Dortmund

Marc Bartra folgte im vergangenen Sommer bei Borussia Dortmund auf Mats Hummels. Der spanische Innenverteidiger, der zuvor seine gesamte Karriere beim FC Barcelona verbrachte, wirkt beim BVB bislang überfordert. Beim 1:1 gegen den FC Augsburg musste Bartra nach einer sehr schwachen Leistung zur Pause vom Feld. Für Trainer Thomas Tuchel gibt es einen übergeordneten Grund für Bartras Formschwäche.

Es gab diese eine Szene, die Erinnerungen weckte. Sie trug sich nach vier Minuten am 4. Spieltag in der Wolfsburger Volkswagen-Arena zu. Es sah nach Mats Hummels aus, doch es steckte Marc Bartra dahinter. Der vermeintliche Hummels-Nachfolger bei Borussia Dortmund.

Bartra löste sich aus seiner Position in der Verteidigung, dribbelte sich Richtung Mittellinie und steckte dann wunderbar in den Halbraum zu Raphael Guerreiro durch. Der lief allein aufs Tor zu, schoss den Ball rein und Dortmund führte beim VfL mit 1:0.

Diese Bewegung sah man vom BVB in den Vorjahren häufig, Hummels war ein wichtiger Faktor in der Spielauslösung. Nun sollte Bartra diesen Part übernehmen, wenn auch nicht kopieren. Bartra ist Bartra und Hummels ist Hummels.

Bartra wie der BVB: äußerst inkonstant

Allerdings sah man diese Bewegung von Bartra nur noch selten, eigentlich fast gar nicht mehr. Bei den beiden deutlichen Siegen in Hamburg und gegen Gladbach bereitete der Spanier noch jeweils einen Treffer vor.

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Seine Leistungen waren jedoch wie die des BVB in der Hinrunde: äußerst inkonstant. Mangelnde Identifikation mit seinem neuen Klub konnte und kann man Bartra nicht vorwerfen, auch wenn er zuvor sein gesamtes Fußball-Leben für nur einen Klub auflief.

Bartras erste Schritte in Dortmund abseits des Feldes waren von einer großen Portion Optimismus und Freude geprägt, er ließ sich mit Haut und Haaren auf die neue Aufgabe ein. Die große Begeisterungsfähigkeit und Emotionalität rund um den BVB überkam ihn schnell.

Tuchel: "Er macht sich viel Druck"

Der Weg ins Ungewisse nach Dortmund sei "eine der besten Entscheidungen gewesen, die ich in meinem Leben getroffen habe", bilanzierte er zwischenzeitlich.

Doch damit einher gingen auch die üblichen Probleme, wenn man sich idealerweise schnellstmöglich an ein unbekanntes Umfeld anpassen muss. "Gleichzeitig war es auch eine der schwersten. Ich bin in eine neue Stadt gekommen, in ein neues Land, wo die Menschen eine andere Sprache sprechen", so Bartra.

Dortmunds Trainer Thomas Tuchel äußerte vor nicht allzu langer Zeit, dass es möglicherweise eine zu hohe Erwartungshaltung sei, die Bartra an konstanteren Darbietungen hindert. "Es ist für ihn eine komplett neue Situation. So viel Verantwortung zu tragen. Er macht sich selber viel Druck und erwartet viel von sich selbst," ließ Tuchel wissen.

Bartra muss sich aufs Kerngeschäft besinnen

Der Coach veranschaulichte das noch mit dem Bild, Perfektionist Bartra wolle am liebsten in der Defensive einen wichtigen Zweikampf gewinnen, den Konter höchstpersönlich einleiten und dann noch die finale Flanke zum Torerfolg schlagen. Dabei würde es ihm für den Moment deutlich mehr helfen, sich auf das Kerngeschäft zu besinnen: Einfach nur sauber zu verteidigen.

Dass Bartra damit derart erhebliche Probleme aufweist, kommt einerseits überraschend, andererseits kam er in Dortmund mit sehr wenig Spielpraxis an. In Barcelona standen andere vor ihm, die große Konkurrenz war es ja erst, die ihn letztlich nach Dortmund brachte.

Der 25-Jährige kam nach der EM etwas verspätet in die ohnehin zerstückelte Vorbereitungsphase des BVB, der Weg zur Form war bislang so wellenförmig wie der Saisonverlauf von Schwarzgelb. Zwischenzeitlich bremste ihn ein Faserriss länger als zunächst gedacht aus.

Schwache Zweikampfwerte

Bartras Probleme in der Defensive belegt auch ein Blick auf die Zahlen: In seinen zehn Bundesligaspielen (neun von Beginn an) gewann der spanische Nationalspieler 55,2 Prozent seiner Zweikämpfe, in der Luft sind es gar nur 47,3 Prozent.

Wahrlich kein Ruhmesblatt, zumal Dortmunds Schwierigkeiten in der Abwehr mit die größte Baustelle darstellen. Neben Sokratis, der zuletzt verletzt passen musste, hat sich noch kein Innenverteidiger in den Blickpunkt spielen können.

Gegen Augsburg musste die Borussia auf den gelernten Mittelfeldspieler Mikel Merino zurückgreifen, der bislang kaum Spielanteile erhielt. Da wundert es nicht, dass die Abwehr nicht sattelfest agiert. Verwunderlich ist viel eher, dass Bartra mit seiner Erfahrung ein größeres Sicherheitsrisiko darstellte als sein unbedarfter Landsmann.

Bartra-Auswechslung alternativlos

Bartras Stellungsspiel gegen den FCA genügte Bundesligaansprüchen nicht. Er verschuldete den Gegentreffer mit einem schlampigen Fehlpass und irrte nicht nur in dieser Szene reichlich unkontrolliert umher. Sicherheit, Selbstverständlichkeit, Körpersprache - all das muss sich Bartra offensichtlich wieder vollkommen neu erarbeiten.

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"Er will viel, aber er ist die Intensität des Trainings und der Bundesligaspiele nicht gewohnt. Er ist in einem Anpassungsprozess", erklärte Tuchel nach der Partie. Es war alternativlos, Bartra zur Pause herunter zu nehmen und in Sven Bender den nächsten Sorgenfall zu bringen. Nach seiner mehrmonatigen Pause und dem Startelfeinsatz in Hoffenheim vier Tage zuvor wäre die Belastung für Bender zu groß gewesen, um gleich ein weiteres Mal von Beginn an aufzulaufen.

Probleme mit der Verantwortung

So endet Dortmunds Fußballjahr 2016 ernüchternd, erst recht für Bartra. "Wir müssen akzeptieren, dass er es nicht gewohnt ist, die maximale Verantwortung zu tragen", stellte Tuchel relativ unmissverständlich fest.

Sein BVB muss sich in der Rückrunde gewaltig steigern, um das Saisonziel Champions-League-Qualifikation sicher zu erreichen. Tuchel argumentiert, es benötige Training und wohl auch weniger Verletzungspech, um künftig wieder konstanter aufzutreten.

Bartra ist einer derjenigen, die diesbezüglich im neuen Jahr am meisten gefordert sind. Unabhängig davon, wie oft er Hummels-Erinnerungspässe spielen wird. "Er kriegt weiterhin die volle Unterstützung", verspricht Tuchel.

Dortmund - Augsburg: Daten zum Spiel

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