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Fussball

"Zeichen an die Liga, dass sie verwundbar sind"

Karl-Heinz Rummenigge zieht ein positives Zwischenfazit

Karl-Heinz Rummenigge zieht nach dem 3:0-Sieg über RB Leipzig ein positives Hinrundenfazit. In der Mixed Zone sprach Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender über Leipzigs Chancen, oben dranzubleiben, Bayerns Qualitäten im Konkurrenzkampf, Vertragsverlängerungen und die Vorsätze für 2017.

Frage: Herr Rummenigge, nach diesem Sieg gegen RB Leipzig kann man getrost ein Glas Champagner in der Hand halten. Wie hat Ihnen das Spiel gefallen?

Karl-Heinz Rummenigge: Wir haben super gespielt. Der Trainer hat die Mannschaft super eingestellt. Wir haben von der ersten Minute an druckvoll und mit der nötigen Konsequenz gespielt. Der Sieg war nicht nur hochverdient, sondern eine Demonstration der Weltklasse.

Frage: Waren Sie vielleicht auch ein Stück weit überrascht davon, wie dominant die Mannschaft aufgetreten ist?

Rummenigge: Ich glaube, wenn wir so gereizt werden, ist es schwierig, unsere Mannschaft zu stoppen. Und in den letzten Tagen ist sie ein bisschen gereizt worden und dann möchte sie natürlich die Qualität zeigen, die sie ohne Frage hat. Das ist ein wichtiges Zeichen. Wir sind glücklich. Wir haben bisher eine tolle Saison gespielt und jetzt ein tolles Jahr 2016 hinter uns. Wir sind jetzt alle bereit dafür, in freudvoller Erwartung unter dem Weihnachtsbaum zu sitzen.

Frage: Wie bewerten Sie die Rote Karte für Emil Forsberg nach dem Foul an Philipp Lahm?

Rummenigge: Das liegt im Ermessensbereich des Schiedsrichters. Das können wir aus 100 Metern Entfernung nicht immer so genau beobachten. Er hat sie gegeben und dementsprechend ist das zu akzeptieren.

Frage: Im Spitzenspiel Erster gegen Zweiter saß Thomas Müller 90 Minuten auf der Bank. Muss Carlo Ancelotti einen Weg finden, wie er ihn noch etwas mehr in sein System eingliedern kann?

Rummenigge: Der Satz "Elf Freunde müsst Ihr sein" ist mittlerweile etwas antiquiert. Heute brauchst du 16, 17, 18 Spieler. Wir haben eine enorm hohe Qualität. Dann gibt es natürlich in jedem Spiel die Situation, dass zwei, drei draußen sitzen, die damit nicht glücklich sind. Das gibt dann aber auch wieder Motivation für die Spieler, dass sie im Jahr 2017 vielleicht das eine oder andere besser machen müssen.

Frage: Das Weihnachtsfest steht an, wie Sie es angesprochen haben. Viele Bayern-Fans würden sich wünschen, dass noch die eine oder andere Vertragsverlängerung unter dem Baum liegt. Wie ist der Stand bei Arjen Robben? Wann können Sie Vollzug vermelden?

Rummenigge: Wann wir Vollzug vermelden können, weiß ich nicht genau. Aber ich habe mit dem Papa von Arjen gute Gespräche gehabt und ich glaube, wir sind auf einem guten Weg. Er will bei Bayern München bleiben, wir wollen, dass er bei Bayern München bleibt. Ich glaube, dass wir da schon spätestens im Januar Vollzug melden können.

Frage: Hakt es an der Laufzeit?

Rummenigge: Nein, wir sind in allen Punkten sehr eng beieinander. Beide wollen, das sind sehr gute Voraussetzungen.

Frage: Sie arbeiten jetzt seit Wochen an den Vertragsverlängerungen. Beinahe alle wichtigen Leistungsträger, deren Verlängerungen Sie auf der Agenda hatten, haben unterschrieben. Hatten Sie damit gerechnet, dass Sie all diese Spieler binden können?

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Rummenigge: Wenn Sie genug Euros auf den Tisch legen, dann ja. Das haben wir offensichtlich getan. Wir haben mittlerweile eine relativ stolze Payroll, das muss man klar und deutlich sagen. Deshalb arbeiten wir alle hart, denn am Ende des Tages müssen wir das, was wir ausgeben, auch refinanzieren und das gelingt uns in den letzten Jahren ganz gut. Wir wollten da ein Zeichen in Richtung England setzen, dass die Spieler, die für uns wichtig sind, auf keinen Fall dorthin abwandern werden.

Frage: Ist es dann auch mal wichtig, einen vertragslosen Spieler zu verpflichten wie beispielsweise Hoffenheims Sebastian Rudy?

Rummenigge: Ich bitte um Verständnis, dass ich zu diesen Gerüchten keine Stellung beziehen möchte. Das dürfen wir ja auch noch überhaupt nicht.

Frage: Wie fällt Ihr Fazit der Hinrunde aus?

Rummenigge: Ich glaube, wir können sehr zufrieden sein. Wir überwintern jetzt als Weihnachtsmeister. Herbstmeister sind wir ja zumindest theoretisch noch nicht, obwohl wir das mit dem Ergebnis heute wahrscheinlich schaffen werden. Wir hatten einen sehr guten Start und auch ein sehr gutes Ende mit zuletzt fünf Siegen in Folge. Wir schauen optimistisch in die Zukunft. Unsere großen Konkurrenten, speziell Dortmund, sind weit hinter uns. Obwohl ich sagen muss, dass Leipzig bislang eine sehr gute Saison gespielt hat, auch wenn sie von uns heute klar dominiert worden sind. Das muss man respektieren.

Frage: Bleibt Leipzig bis zum Schluss oben dran?

Rummenigge: Das wird nach dem heutigen Spiel sicherlich etwas schwieriger. Denn das war auch ein Zeichen an die Bundesliga, dass sie verwundbar sind.

Frage: Würden Sie sagen, dass die erste Halbzeit heute Ihre beste Halbzeit der Hinrunde war?

Rummenigge: Ja, das würde ich so sehen. Das war eine tolle Halbzeit. Ich bin in dieses Aquarium im VIP-Bereich gegangen. Da habe ich keinen gesehen, der unzufrieden war. Wir haben in der zweiten Halbzeit auch gut gespielt. Ich glaube, unter dem Strich ist RasenBallsport mit dem Ergebnis gut bedient, denn das hätte auch ein Debakel für sie werden können.

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Frage: Sind Sie glücklich darüber, dass mit Leipzig ein Konkurrent dazu gekommen ist, der Ihr Team zu solchen Leistungen motiviert?

Rummenigge: Wir haben die Verantwortlichen von RasenBallsport vor dem Spiel eingeladen. Wir haben das meiner Meinung nach richtig und sehr respektvoll gemacht. Alle anderen haben sie schlecht empfangen. Wir haben keinen Zirkus vor dem Spiel gemacht. Bei uns war es ruhig. Das haben wir auch mit Bedacht gemacht. Wir haben ihnen auch gestattet, dass sie einen gemeinsamen Schal mit uns machen. Für mich war das die richtige Philosophie.

Frage: Und sportlich? Als Rivale?

Rummenigge: Die Bundesliga darf sich glücklich schätzen, dass wir wieder einen Verein aus Ostdeutschland dabei haben. Das gab es jetzt seit dem Abstieg von Cottbus lange Jahre nicht. Und dementsprechend ist das gut, dass sie jetzt in der Bundesliga spielen. Sie machen es auch gut und stehen nicht umsonst an zweiter Stelle.

Frage: Konnten Sie verstehen, dass Teile der Fans Transparente hochgehalten haben?

Rummenigge: Ich finde, unsere Fans haben das auf eine stilvollere Art und Weise gemacht. Das war nicht so beleidigend wie beispielsweise am Samstag beim Spiel gegen Hertha. Da ist keiner von Leipzig diskreditiert oder beleidigt worden. Dass sie natürlich hin und wieder Probleme mit solchen Klubs haben, ist bekannt, weil sie alle große Nostalgiker und Romantiker sind. Aber es war trotz allem noch sehr stilvoll.

Frage: Tut es dem FC Bayern gut, dass man mal nicht mit zehn Punkten Vorsprung in die Rückrunde startet?

Rummenigge: Ich habe ja bereits vor dem Spiel gesagt: Wir haben das jetzt vier Jahre nicht erlebt, dass wir so eine Art Finale um die Weihnachtsmeisterschaft hatten. Aber ich finde, es ist für den Fußball gut, weil es ein sehr emotionales Spiel ist, vor dem man auch etwas angespannter ist als vor anderen Spielen. Und wenn man dann gewonnen hat, kann man umso glücklicher sein.

Frage: Was sind Ihre guten Vorsätze für 2017?

Rummenigge: Wir wollen Titel gewinnen. Das gilt es, in der Rückrunde zu beweisen. Wir haben gute Voraussetzungen. Wir sind in allen drei Wettbewerben drin und jetzt müssen wir schauen, dass wir in allen Wettbewerben so weit wie möglich kommen und im Mai/Juni, wenn die Titel vergeben werden, dabei sind.

Frage: Carlo Ancelotti hat gesagt, die Champions League wäre der schönere Titel im Vergleich zur Meisterschaft.

Rummenigge: Ich würde sagen, es ist der schwierigste Titel, weil da die Qualität am höchsten ist. Ich habe aber immer gesagt: Das Brot-und-Butter-Geschäft ist die Bundesliga. Die wollen wir auch dieses Jahr wieder gewinnen. Der fünfte Titel in Folge wäre auch ein neuer Rekord, das hat es noch nie gegeben. Aber es wäre natürlich die Kirsche auf der Sahne, wenn man das packt. Wir müssen da Step by Step denken. Wir haben mit Arsenal jetzt erst einmal einen Gegner im Achtelfinale, den man sehr ernst nehmen muss. In diesen beiden Spielen müssen wir sehr konzentriert zu Werke gehen, um ins Viertelfinale einzuziehen.

Bayern - Leipzig: Daten zum Spiel

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