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Fussball

Dezimierter BVB verdient sich Punkt bei 1899

Von Sebastian Schuch
Ousmane Dembele war von Hoffenheim nie in den Griff zu bekommen

Borussia Dortmund holte gegen die TSG 1899 Hoffenheim zweimal einen Rückstand auf und erkämpft sich in Unterzahl ein 2:2 (1:2). Der zahlenmäßige Unterschied war dabei nicht zu erkennen.

Vor 30.150 Zuschauern in der ausverkauften Wirsol Rhein-Neckar-Arena entwickelte sich von Beginn an ein sehr schnelles und intensives Spiel. Mit der ersten gefährlichen Situation brachte Mark Uth die Gastgeber in Führung (3.). Mario Götze glich nur wenig später aus (11.), Sandro Wagner stellte die Führung der TSG wieder her (20.). Marco Reus flog noch vor der Pause mit Gelb-Rot vom Platz (41.).

Kurz nach Wiederanpfiff erzielte Pierre-Emerick Aubameyang den Ausgleich für die dezimierten Dortmunder (48.).

Durch das Remis kletterte Hoffenheim vorerst auf den dritten Platz, Dortmund ist Fünfter. Beide Teams können aber noch von der Konkurrenz überholt werden.

Hoffenheim bleibt damit das einzige ungeschlagene Team in der Bundesliga. Die Borussia bleibt erstmals unter Thomas Tuchel vier Auswärtsspiele in Folge ohne Sieg.

Die Reaktionen:

Julian Nagelsmann (Trainer TSG Hoffenheim): "Wir waren in der ersten Halbzeit nicht so gut, wir haben uns nicht so viele Chancen herausgespielt. Ich kann den Ärger der Dortmunder verstehen. Ich hätte die zweite Gelbe Karte für Marco Reus auch nicht gegeben. Wir hatten Chancen das Spiel zu gewinnen. Ich kann trotzdem mit dem Punkt leben."

Thomas Tuchel (Trainer Borussia Dortmund): "Alles, was gegen uns laufen konnte, lief gegen uns. Das machte es noch viel, viel schwerer. Unsere Reaktion darauf war außergewöhnlich. Ich hatte auf jeden Fall das Gefühl, dass das Schiedsrichter-Gespann verunsichert war. Man hat bis unters Dach gespürt, dass wir uns dagegen stemmen."

Marcel Schmelzer (Kapitän Borussia Dortmund): "Es war ein sehr hart geführtes Spiel. Mit zehn Mann war das Unentschieden mehr als verdient. Ich bin froh, dass wir so eine Moral gezeigt haben."

Der Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Bei der TSG sind alle Mann an Bord. Rudy und überraschend auch Demirbay haben ihre Verletzungen auskuriert und stehen von Beginn an auf dem Platz. Polanski und Rupp müssen weichen. Außerdem ersetzt Uth Kramaric. Erstmals in der eigenen Bundesliga-Geschichte stehen dabei zehn Deutsche in der TSG-Startelf, Kaderabek ist der einzige Ausländer.

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Riesige Verletzungssorgen dagegen beim BVB. Gleich zehn potenzielle Stammspieler fallen aus. Sven Bender kehrt nach langer Verletzungspause direkt in die Startelf zurück. Ebenso neu dabei sind Götze, Pulisic und Bartra. Zum ersten Mal seit April 2013 stehen Reus und Götze gemeinsam in der Startelf der Dortmunder. Trotz der Personalsituation sitzt Schürrle erneut auf der Bank.

3., 1:0, Uth: Die Dortmunder Hintermannschaft im Tiefschlaf. Hübner spielt den Ball von links hinten perfekt über die zu langsam reagierende BVB-Abwehr und schickt Uth. Weidenfeller lauert an der Strafraumkante, ist aber zu zögerlich. So kommt der Stürmer vor ihm an den Ball, läuft um den Keeper herum, schiebt ein und bedankt sich so direkt für die Startelfnominierung.

6.: Schöne Kombination der beiden Dortmunder Außenverteidiger. Ginter sieht von rechts, dass Schmelzer auf der gegenüberliegenden Seite startet und flankt butterweich. Schmelzer kommt, bedrängt von Vogt kann er den Kopfball nicht drücken.

7.: Reus darf den Ball knapp innerhalb des Strafraums viel zu frei annehmen und legt quer auf Aubameyang. Der Gabuner nimmt den Ball halbrechts direkt, knapp am Pfosten vorbei.

11., 1:1, Götze: Dembele wird auf rechts nicht angegriffen und dribbelt bis kurz vor den Strafraum. Sein Pass in die Mitte auf Reus misslingt, doch Dembele reagiert am schnellsten und kommt so als erster an die Kugel. Leicht links versetzt ist Götze komplett frei, bekommt den Ball und schiebt den Ball in die lange Ecke. Erster Saisontor des Rückkehrers.

20., 2:1, Wagner: Hübner steigt nach einer Ecke am höchsten und köpft aufs Tor. Weidenfeller ist eigentlich da, doch Wagner, der zuvor Bender klar wegschiebt, touchiert den Ball noch leicht, sodass dieser über die Hände des BVB-Keepers rutscht. Weidenfeller sieht erneut nicht gut aus.

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31.: Freistoß BVB von links. Reus bringt den Ball rein, die TSG kann nicht klären. Dembele kommt gleich zweimal zum Abschluss am Fünfer, beide Schüsse werden aber geblockt.

41., Gelb-Rot, Reus: Hoffenheim kontert und Reus ist im Laufduell mit Amiri. Der Hoffenheimer greift Reus am Trikot, der seinem Gegenspieler an der Schulter. Amiri fällt, Reus sieht seine zweite Gelbe Karte am heutigen Abend. Schwere Entscheidung, nur Freistoß hätte es wohl auch getan. Es ist Reus' erster Platzverweis im 209. Bundesliga-Spiel.

48.: Kaderabek hat auf rechts viel Platz, Bartra kommt nicht hinterer. Flach kommt der Ball in die Mitte, wo sich Wagner gegen Bender durchsetzt. Sein Abschluss klatscht an den Pfosten.

48., 2:2, Aubameyang: Im direkten Gegenzug der Ausgleich. Dembele wird erneut nicht angegriffen, der Franzose spielt den perfekten Pass in die Lücke auf Aubameyang. Der Stürmer ist schneller als Vogt, dringt in den Strafraum ein und überlupft Baumann. Sein 100. Pflichtspieltor im Trikot der Schwarz-Gelben.

85.: Toljan wird perfekt in Szene gesetzt kann sich zunächst gegen Ginter durchsetzen. Im Strafraum legt er sich den Ball einen Tick zu weit vor und muss so in den Zweikampf mit Weidenfeller und fällt. Allerdings hebt der Hoffenheimer ab und es gibt keinen Kontakt und auch keinen Elfmeter.

89.: Die große Chance zum Hoffenheimer Sieg. Kaderabek bringt den Ball von rechts in die Mitte, Kramaric steht völlig frei. Seine Direktabnahme landet in den Armen von Weidenfeller.

Fazit: Ein gerechtes Ergebnis in einem guten Bundesligaspiel. Bis zur 60. Minute war sehr viel Tempo in der Partie, danach wurde es etwas weniger. Man hatte aber jederzeit das Gefühl, dass noch etwas passieren kann.

Der Star des Spiels: Ousmane Dembele. Fühlt sich in der zentralen Rolle offensichtlich genauso wohl wie auf dem Flügel. War Dreh- und Angelpunkt des Dortmunder Offensivspiels und von Hoffenheim zu keinem Zeitpunkt in den Griff zu bekommen. Konnte fast ausschließlich durch Fouls gestoppt werden. Bereitete zudem beide Dortmunder Tore mit Übersicht vor. Musste nach 68 Minuten mit Schmerzen runter.

Der Flop des Spiels: Marco Reus. Holte sich früh eine klare Gelbe Karte ab, die er kurz vor der Pause bereuen sollte. War bis zu seinem umstrittenen Platzverweis nicht wirklich im Spiel, hatte unter 18 Ballaktionen und schoss kein einziges Mal aufs Tor. Nach seiner Hinausstellung wirkte das Spiel der Dortmunder deutlich frischer und agiler.

Der Schiedsrichter: Benjamin Brand. Zog früh gegen Reus die erste, berechtigte, Karte des Abends und ließ sich selbst so nicht allzu viel Spielraum. War dann allerdings oft nicht konsequent in der Zweikampfbewertung. Übersah Wagners Einsatz vor dem 2:1, auch wenn das für ganz schwer zu erkennen war. Reus' zweite Gelbe war durchaus strittig. Bei Toljan nicht auf Strafstoß zu entscheiden war richtig.

Das fiel auf:

  • Nominell lief der BVB mit einem 3-4-2-1 auf. Schnell war aber zu erkennen, dass je nach Situation auch ein 4-4-2 gespielt wurde. Reus bildete mit Aubameyang die Spitze, Pulisic und Götze spielten auf dem Flügel. Phasenweise zog es Götze aber auch in die Mitte, so hatte Schmelzer mehr Platz bei seinen Vorstößen.
  • Trotz des frühen Rückstandes ließ sich Dortmund nicht beirren und spielte als sei nichts passiert. So kam der BVB schnell zu eigenen Chancen und es dauerte nur wenige Minuten bis zum Ausgleich. Das Gleiche galt dann auch für die TSG.
  • Beide Teams verfügen über extrem schnelle Offensivspieler. Dementsprechend kam die jeweilige Defensive oft einen Schritt zu spät und konnte sich so nur mit einem Foul behelfen. Das sorgte immer wieder für Unterbrechungen.
  • Der BVB war insgesamt deutlich häufiger vor dem gegnerischen Tor, konnte sich allerdings nur selten klare Chancen erspielen. Die Hoffenheimer trugen ihr Angriffsspiel deutlich direkter vor und hatten so die klareren Chancen. In Unterzahl präsentierte sich Dortmund dann auch mit mehr Zug zum Tor.
  • Die TSG zeigte ein sehr körperbetontes Spiel und reizt die Grenze des Erlaubten dabei oft aus. Teilweise wurde diese auch überschritten, Schiedsrichter Brand war dabei allerdings oft nicht auf der Höhe.

Hoffenheim - Dortmund: Die Statistik zum Spiel

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