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Das war nicht der Hoeneß-Effekt

Sonntag, 27.11.2016 | 10:00 Uhr
Manuel Neuer und Co. siegten glücklich
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Der FC Bayern ist durch das 2:1 gegen Bayer Leverkusen zumindest in Sachen Ergebnis wieder zurück in der Spur. Allerdings lässt die Art und Weise viel Platz für Kritik. Denn der Meister ist so schlagbar wie lange nicht. Das hat Uli Hoeneß' Rückkehr bestätigt.

Von einer Signalwirkung an die Mannschaft waren viele ausgegangen. Nach den bitteren und sogar peinlichen Niederlagen in Dortmund und Rostov schien Uli Hoeneß genau zum richtigen Zeitpunkt zurückgekehrt zu sein. Seine bloße Anwesenheit im Klub würde sicherlich schon ein ganz anderes Bewusstsein in der Mannschaft hervorrufen. So der Glaube vieler - nicht nur bei den Fans.

Es war gar nicht vermessen zu denken, dass die Spieler des FC Bayern München gegen Bayer Leverkusen tatsächlich eine beispielhafte Reaktion zeigen würden. Dass ungeachtet der kollektiven Schwierigkeiten der letzten Wochen Kampf und Leidenschaft auf den Platz zurückkehren würden und die Münchner den Gegner auf diese Weise erdrücken.

Nein, nein. Zu viel gehofft.

"Bayern hat mittlerweile auch Schwächen"

Die Chance, in München Punkte mitzunehmen, sei am Samstag so groß wie lange nicht gewesen, bestätigte Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler: "In den letzten Jahren hingen die Trauben etwas höher. Die Bayern spielen noch nicht so brillant", sagte er deutlich.

Es fehlte mal wieder die Souveränität im Bayern-Spiel. Warum? Das wussten nicht einmal diejenigen, für die es noch vor wenigen Monaten selbstverständlich war, über 90 Minuten die Kontrolle über Ball und Gegner zu haben: die Spieler. "Keine Ahnung", sagte Thomas Müller: "Das ist eine gute Frage. Wenn wir die so einfach beantworten könnten, würde es auch ein bisschen anders aussehen. Wir tun uns nicht so leicht, wie es in der Vergangenheit schon mal war."

Das spürten die Gäste. "Wir konnten den Ball viel laufen lassen. Das ist ungewohnt bei Bayern. Daran sieht man, dass sie da mittlerweile auch Schwächen haben. Man kann nach Ballgewinn gut gegen sie kontern", ärgerte sich Hakan Calhanoglu deshalb über den vergebenen Punktgewinn.

Zwar ergänzte Völler: "Wenn sie die Kurve kriegen, sind die Bayern trotzdem die beste Mannschaft." Doch das Wörtchen 'Wenn' war sprichwörtlich noch nie das verheißungsvollste. Denn diese Art von Aussagen häuft sich in dieser Saison in München - und sie werden deutlicher. In drei Jahren unter Pep Guardiola hörte man nur selten eine Gästemannschaft so reden.

Wankende Dominanz

Es sind aber nicht nur die Aussagen, die den Status quo der Münchner Spielqualität beschreiben. Es ist vielmehr schon das Gefühl, das man beim Zusehen in der Arena hat. Ein 2:1 des Rekordmeisters im eigenen Haus hätte man im letzten Jahr nach 70 Minuten bedenkenlos durchgewunken - wenn die Bayern bei 20 verbleibenden Minuten überhaupt mal mit nur einem Tor führten. Nur selten jedenfalls drängte sich das Gefühl auf, der Gegner würde noch einmal so viel Druck erzeugen können, um Guardiolas Mannschaft ernsthaft ins Schwimmen zu bringen.

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Damit muss sich Carlo Ancelotti nun auseinandersetzen. Denn diese Dominanz war auch beim Sieg über Leverkusen nicht zu spüren - wie schon häufiger in dieser Spielzeit. Der Beginn der Partie wirkte hektisch, danach ging vieles vom anfänglichen Elan verloren. In der Schlussphase wehrten sich die Bayern mehrfach mit langen Befreiungsschlägen. Es wurde wild.

"Wir haben am Ende einen Konter nach dem anderen in den Sand gesetzt, durch die wir dann hinten Vier-gegen-vier oder Fünf-gegen-fünf-Situationen hatten, in denen es dann wirklich, wirklich, wirklich noch mal gebrannt hat. An dieser Balance arbeiten wir, wir finden sie nicht immer. Heute war es kein Sieg der Klasse oder der taktischen Überlegenheit", gab Hummels zu.

Führungsspieler hadern

Die Abstände zwischen den einzelnen Ketten und Nebenleuten stimmten weder in der Vor- noch in der Rückwärtsbewegung. Und genau da hätten die Führungsspieler um Philipp Lahm, Xabi Alonso oder Mats Hummels dazwischenfunken können und für eine bessere Abstimmung sorgen müssen. Doch sie taten es nicht - auch, weil sie mit ihren eigenen Stockfehlern zu kämpfen hatten. Die Fans quittierten das mit Pfiffen in der Halbzeitpause.

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Selbst das 2:1 durch Hummels entsprang keinem Spielschema, die Standardsituation nicht einmal einem geplanten Ablauf: "Josh sollte gar nicht schießen", sagte Hummels über seinen Vorlagengeber Kimmich. Der erklärte: "Ich wollte die Ecke kurz ausführen, aber es war keiner da. Da von den vorgegebenen Eckballschützen keiner rüberkam, musste ich ihn schießen." Es spricht ein bisschen für die Planlosigkeit im FCB-Spiel.

Kein Hoeneß-Effekt

"Es ist nicht das Bayern der letzten Jahre", brachte es Völler auf den Punkt: "Deshalb haben wir gehofft, etwas mitnehmen zu können. Dazu müssen aber alle mitspielen - auch die Schiedsrichter."

Marco Fritz verwehrte den Gästen kurz vor Schluss einen Handelfmeter gegen Javi Martinez. Der hätte womöglich den Ausgleich zur Folge gehabt, die Gastgeber hätten sich nicht beschweren dürfen.

Dass sich Bayern aber letztlich sehr glücklich die drei Punkte über die Zeit rettete, lag nicht an der großen Willensleistung der Mannschaft am Samstagabend. Nein, es war nicht der Hoeneß-Effekt, der einsetzte. Mit dem wäre das Team erst gar nicht so abhängig von einer Fehlentscheidung gewesen.

Bayern - Leverkusen: Daten zum Spiel

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