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Lasogga stößt Bremen an den Abgrund

Freitag, 22.04.2016 | 21:58 Uhr
Pierre-Michel Lasogga sorgte mit einem Doppelpack schnell für klare Verhältnisse
© Getty
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Am 31. Spieltag der Bundesliga landet der Hamburger SV im Nordderby gegen den SV Werder Bremen mit 2:1 (2:0) einen wichtigen Dreier. Für die Elf von Viktor Skripnik wird es immer schwieriger.

Vor 57.000 Zuschauern im Volksparkstadion erzielte Pierre-Michel Lasogga (5.) die frühe Führung für den HSV. Er beendete damit eine persönliche Torflaute von 666 Minuten. Noch in der ersten Halbzeit legte Lasogga (32.) zu seinem sechsten Bundesliga-Doppelpack nach.

Anthony Ujah (65.) gelang nach seiner Einwechslung der Anschlusstreffer. Lasogga und Gregoritsch sahen ihre 5. Gelbe Karte und fehlen damit gegen Mainz. Hamburg macht mit dem Dreier einen ganz großen Schritt heraus aus dem Abstiegskampf, während Bremen immer tiefer rutscht und nun auf dem Relegationsplatz steht.

Die Reaktionen:

Bruno Labbadia (Trainer Hamburger SV): "Wir waren in einer doofen Situation. Man hat in der ersten Halbzeit gesehen, was wir können. In der zweiten Hälfte haben wir dann aber wieder unser anderes Gesicht gezeigt. Für uns war das ein unglaublicher Schritt, den wir gemacht haben. Bremen hat uns das Leben aber sehr schwer gemacht."

Viktor Skripnik (Trainer Werder Bremen): "In der zweiten Halbzeit habe ich nur eine grün-weiße Mannschaft gesehen. Was genau in der ersten Halbzeit war, weiß ich auch nicht. So ist Fußball. Wir hatten Chancen für zwei, drei Spiele, machen aber die Tore nicht."

Der Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Bruno Labbadia verändert seine Mannschaft nach der 0:3-Pleite gegen den BVB auf vier Positionen. Adler (Rotsperre), Ekdal (Zerrung) müssen raus, Cleber und Kacar setzt der Coach freiwillig auf die Bank. Dafür spielen Drobny, Djourou, Jung und Gregoritsch in der Startelf.

Viktor Skripnik setzt nach dem 0:2 gegen die Bayern im Pokal auf die gleiche Elf. Einzig eine Änderung nimmt er vor, lässt Sternberg draußen und bringt Garcia auf der linken Seite.

5., 1:0, Lasogga: Müller geht auf rechts auf und davon und legt flach in die Mitte hinein. Dort kann sich Lasogga am langen Pfosten freistellen und ins leere Tor einschieben.

22.: Lasogga verlängert einen Einwurf in den Lauf von Müller, der aber dieses Mal niemanden in der Mitte findet. So zieht er selbst ab und verfehlt das Ziel deutlich.

24.: Hamburgs Abwehr steht nicht gut, Bartels schickt Grillitsch frei auf die Reise. Dieser lässt sich im Strafraum Zeit, Drobny wehrt im Herauskommen mit dem Fuß ab.

30.: Ilicevic mit einer tollen Flanke von der linken Seite, die Gregoritsch mit Zug aufs Tor bekommt. Wiedwald mit einer ganz wichtigen Parade.

32., 2:0, Lasogga: Diesmal aber. Wieder Flanke von links, Ostrzolek bringt den Ball auf den Schädel von Lasogga. Der tut das, was er am besten kann: Reinköpfen.

55.: Djourou legt Pizarro im Strafraum, der Gefoulte schießt selbst. Schießen ist allerdings relativ, Drobny hat den Rückpass von Pizarro sicher.

61.: Kacar geht nach Ball von Holtby in den Strafraum und hält drauf. Wiedwald lässt nach vorne abprallen und räumt im Nachgreifen Lasogga die Beine weg. Gräfe lässt weiterspielen.

65., 2:1, Ujah: Djilobodji bringt eine Kopfballabwehr wieder in den HSV-Strafraum. Ujah braucht dort zwei Versuche, um den Ball an Drobny vorbeizubekommen, erzielt aber letztlich doch den Anschlusstreffer.

66.: Direkt die Chance zum Ausgleich. Langer Ball, Brustannahme Ujah. Drobny wehrt irgendwie im Fallen noch ab und ist anschließend fuchsteufelswild.

90+4.: Das wäre es gewesen, Pizarros Kopfball aus kurzer Distanz fliegt aber haarscharf am rechten Pfosten vorbei.

Fazit: Eine katastrophale erste Bremer Halbzeit brachte Hamburg doppelt in Führung. Werder hielt ab dem Seitenwechsel dagegen und hätte sich das 2:2 gegen Ende hin verdient gehabt.

Der Star des Spiels: Jaroslav Drobny ist angesichts der zwei Tore von Lasogga vielleicht nicht die naheliegendste Wahl. Der Torhüter war aber stets zur Stelle, zeigte tolle Paraden und war sogar an beiden Toren über Umwege beteiligt. Der gehaltene Elfmeter gegen Pizarro war schließlich ausschlaggebend.

Der Flop des Spiels: Claudio Pizarro ließ immer wieder seine technische Klasse aufblitzen, schaffte es aber nicht, dies in Zählbares umzumünzen. Übernahm Verantwortung beim Elfmeter, scheiterte dann aber kläglich. Sein Treffer wäre dabei so wichtig für Bremen gewesen.

Der Schiedsrichter: Manuel Gräfe hatte bei weitem keine leichte Partie zu leiten. Das Schiedsrichtergespann erkannte allerdings die meisten Fouls und lag auch bei den persönlichen Entscheidungen richtig. Die Elfmeterentscheidung war korrekt, ebenso wie gegen Elfmeter zu entscheiden, als Wiedwald in die Beine von Lasogga sprang. Fritz hätte sich kurz vor Schluss nicht über einen Pfiff gegen sich beschweren dürfen.

Das fiel auf:

  • Bremen versuchte es einmal mehr mit frühem Attackieren, bekam aber gegen die schnell vertikal spielenden Hamburger keinen Zugriff. Dies spiegelte sich nicht nur in den Durchbrüchen der Gastgeber, sondern auch in vielen Fouls wider.
  • Der HSV spielte schnell mit ein, zwei Ballkontakten über die Flügel nach vorne und wusste dabei besonders Lasogga gut einzusetzen. Der Mittelstürmer nahm die Anspiele an, schirmte sie ab und leitete sie anschließend weiter, um selbst wieder in den Strafraum zu eilen.
  • Bremens Flügelspieler eilten im eigenen Ballbesitz sehr schnell und oft unabgestimmt nach vorne. So wurden beide mehrfach zu hoch erwischt und mussten im Vollsprint zurück. Das ging mehrfach schief, zweimal bestrafte der HSV das schwache Stellungsspiel direkt. Durch die freien Flügel rückten entweder Verteidiger heraus und gaben die Mitte auf oder mussten eine akkurate, weil ohne Zeitdruck geschlagene, Flanke verteidigen.
  • Werder versuchte den Spielaufbau Hamburgs zu stören, scheiterte daran allerdings mehrfach. Junuzovic und Pizarro bekamen Holtby nicht aus dem Spiel, vielmehr zog der HSV die Bremer sogar auseinander und eröffnete so Räume vor der Innenverteidigung. Diese stopfte Djilobodji mit aggressivem Herausrücken, fehlte dann aber auch in letzter Linie.
  • Bremens Mannschaft wirkte verunsichert, das sah unter der Woche gegen die Bayern noch ganz anders aus. Die Spieler wirkten teilweise, als würden sie dem Anspiel aus dem Weg gehen wollen, ließen Gegenspieler und Laufwege lieber ihren Teamkollegen, als selbst zu übernehmen. Das änderte sich in der zweiten Halbzeit, jede Chance tat dem Selbstbewusstsein sichtlich gut.
  • Mit der Einwechslung Kacars für Müller musste Holtby weiter nach vorne. Das kostete Hamburg an Verbindungen im Spielaufbau, Bremen kontrollierte die Partie besser, während der HSV unsicherer im ersten Drittel agierte und die langen Bälle auf Lasogga nicht mehr mit der gleichen Ruhe vorbereitete.

Hamburg - Bremen: Die Statistik zum Spiel

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