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Arturo Vidals Auftritt in Stuttgart

Ist der Ruf erst ruiniert…

Samstag, 09.04.2016 | 22:23 Uhr
Arturo Vidal sah gegen den VfB Stuttgart seine zweite Gelbe Karte dieser Saison
© Getty
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Raufbold, Rüpel, Rumpelstilzchen: Arturo Vidal kämpft seit seiner Rückkehr nach Deutschland mit vielen Vorurteilen. Die frühe Auswechslung beim 3:1-Sieg des FC Bayern in Stuttgart passte da bestens in Bild. Aber was ist wirklich passiert?

Vorurteile sind schon praktisch. Die Welt lässt sich relativ leicht erklären und in schwarz oder weiß aufteilen. Was kümmern einen schon die vielen Grautöne, die die Realität so mit sich bringt? Im Hinspiel bekam das der damalige VfB-Trainer Alexander Zorniger zu spüren, der für seinen offensiven Pressing-Fußball in München gegeißelt wurde.

Bei genauerer Betrachtung hätte man festgestellt, dass weder die Ausrichtung, noch die Niederlage etwas mit Angriffspressing zu tun hatten. Aber das wäre halt nicht so schön gewesen und hätte auch nicht das gängige Bild gestützt.

"Vidal dreht durch"

Beim zweiten Aufeinandertreffen des VfB und des FCB in dieser Saison war nun Arturo Vidal an der Reihe. Raufbold, Rüpel, Rumpelstilzchen, das sind die Begriffe, die den Chilenen seit seiner Rückkehr nach Deutschland ständig begleiten.

In den letzten Wochen hatte er sich mit starken Leistungen in den Champions-League-Spielen gegen Juventus und Benfica immerhin positive Schlagzeilen verdient. Aber am Samstagnachmittag war das alles ziemlich wurscht, denn Vidal ist nach 27 Minuten ausgewechselt worden, Gelb-Rot-gefährdet.

"Vidal außer Rand und Band", titelte die Bild. RP online machte es sogar noch eine Stufe härter und schrieb: "Vidal dreht durch". Der Sportinformationsdienst hatte sogar erkannt, dass ihm Kollege Xabi Alonso wegen "mehrerer unnötiger Fouls den Vogel" gezeigt hätte.

Vidal: 56 Fouls in 27 Spielen

Zur Einordnung: Vidal hat in diesem Spiel drei Fouls begangen. Das erste ein harmloses Beinstellen gegen Filip Kostic, das zweite ein langes Bein gegen Daniel Didavi und das dritte ein unglücklicher Tritt auf den Fuß von Emiliano Insua. Alonsos Tippen an die Schläfe ließ sich wohl eher so deuten, dass er Vidal für den Rest der Partie ein Spiel mit Köpfchen empfahl. Aber so weit kam es nicht mehr, denn Guardiola reagierte mit seinem Wechsel.

Wenn es umgekehrt gewesen wäre und Alonso wäre wegen der Belastung einer Gelben Karte vom Platz geholt worden, wären die Reaktionen sicher anders ausgefallen. Vielleicht hätte ihn Guardiola auch nicht vom Platz genommen. Aber der Trainer hat gespürt, dass Vidal in dieser Atmosphäre beim nächsten Foul geflogen wäre. Außerdem weiß er auch, in welcher Kategorie Vidal in Deutschland geführt wird.

Vidal ist ohne Frage ein Spieler, der sich auch über sein Temperament, seine Aggressivität, seinen Einsatz definiert. In 27 Ligaspielen hat er laut Opta 56 Fouls begangen, damit liegt er auf Rang neun im Bundesliga-Ranking, aber weit hinter Spitzenreiter Sandro Wagner (80). Und an diesem Tag war er weit davon entfernt, über die Stränge zu schlagen. Er ließ sich auch vom Schubsen Georg Niedermeiers nicht provozieren.

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Was man Vidal vorwerfen kann

Was man Vidal vorwerfen kann, dass er in zwei der drei Foulszenen zu unkonzentriert agierte. Denn die ersten beiden Fouls machte er nach technischen Fehlern, die zum Ballverlust führten. Zuerst kam ein zu lässiger Pass per Hacke nicht an, dann misslang ihm eine einfache Ballannahme.

Was man dem 28-Jährigen nicht vorwerfen kann, dass er bei seiner Auswechslung seinem Trainer nicht um den Hals gefallen ist. Vidal war sichtlich bedient, aber das sollte ein Fußballer auch sein, wenn er nach 27 Minuten ausgewechselt wird. Aber hat er eine Szene gemacht? Nein. Hat er sich respektlos verhalten? Nein. Er musste auch nicht von Philipp Lahm zurückgepfiffen werden, wie es die Welt erkannt haben wollte.

Er ging ruhig und geknickt vom Platz und setzte sich nur aus einem Grund neben das Häuschen der Auswechselspieler: Es war kein Platz mehr frei auf der Bank. Von Lahm gab es auch keinen Anpfiff, sondern eine aufmunternde Umarmung und eine wärmende Jacke.

Letzte Rote Karte im Februar 2012

Vidal ist am Samstag Opfer seines Rufs geworden. Der rührt immer noch aus seiner Leverkusener Zeit her, als er als junger Kerl mit der einen oder anderen übereifrigen Aktion auffiel. Am Ende hatte er in vier Spielzeiten 35 Gelbe Karten und drei Gelb-Rote gesammelt.

Seine vier Jahre in Turin schloss er mit 38 Gelben Karten und einer Roten ab. Für einen Mann auf seiner Position keine auffällig hohen Werte, zudem datiert diese letzte Rote Karte vom 25. Februar 2012. Vidal ist also seit mehr als vier Jahren nicht mehr vom Platz geflogen.

Und jetzt die vielleicht erstaunlichste Statistik: in 27 Spielen für den FC Bayern war die Gelbe Karte in Stuttgart erst seine zweite. Die erste sah er am 6. Spieltag beim 5:1 über Wolfsburg.

Vidal wird sein Image so schnell nicht loswerden, dafür passen sein extrovertiertes Auftreten und Äußeres zu gut ins Bild. Außerdem hat schon Albert Einstein festgestellt: "Es ist leichter, einen Atomkern zu zertrümmern als ein Vorurteil."

Stuttgart - Bayern: Daten zum Spiel

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