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2:2 im Derby zwischen Schalke und Dortmund

Zwei Arten von Grenzbereich

Montag, 11.04.2016 | 10:00 Uhr
Oben auf war am Ende niemand: Schalke und Dortmund trennten sich im Derby 2:2
© getty
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Borussia Dortmund entschied sich im 148. Revierderby beim FC Schalke 04 für Frische, man könnte aufgrund der großflächigen Rotation auch B-Elf dazu sagen. Die Knappen, ebenfalls nicht in Bestbesetzung angetreten, taten sich lange schwer, setzten aber die Forderungen von Fans und Trainer um. Thomas Tuchels BVB steuert langsam aber sicher auf den roten Bereich zu.

Kreativität kann bisweilen völlig verschiedene Ausmaße annehmen. Während sich die Dortmunder Fanszene am frühen Sonntagmorgen den Spaß erlaubte, die Schalker Glückaufkampfbahn für Gesangseinlagen zu missbrauchen und daraufhin von der Polizei zur Abwesenheit im Derby verdonnert wurde, griffen die Anhänger der Knappen auf traditionelle Mittel zurück.

Bereits beim Warmmachen entrollte die Nordkurve in der Veltins-Arena ein sehr langes Plakat, das den Akteuren in Königsblau die Wichtigkeit der Begegnung gegen den Rivalen aus Dortmund auszeigen sollte. "Spieler in unseren Farben laufen, grätschen, sprinten und kämpfen bis zum Umfallen", stand darauf geschrieben. Nach dem desaströsen Auftritt bei der 0:3-Niederlage in Ingolstadt vor einer Woche eine durchaus berechtigte Erinnerung an die Profi-Belegschaft.

Am Ende liefen, grätschten, sprinteten und kämpften zwei Mannschaften, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Auf der einen Seite die Schalker, die weiterhin um den Einzug in die Champions League und die Gunst ihrer Anhänger spielen. Auf der Gegenseite die Dortmunder, die mächtig rotierten und mit einer Art B-Elf den entscheidenden Wochen der Saison Rechnung trugen.

Zorc teilt Tuchels Einschätzung

Zwar mussten die Knappen ihrerseits auf wichtige Spieler wie beispielsweise Kapitän Benedikt Höwedes, Leon Goretzka oder Matija Nastasic verzichten, die Eindimensionalität ihrer Bemühungen in den ersten 45 Minuten war dennoch frappierend. 33 Zeigerumdrehungen benötigte es, ehe Schalke das erste Mal auf den Kasten der Borussia schoss - der Pfostenknaller von Leroy Sane bedeutete aber immerhin beinahe die Führung.

Wenn er es sich aussuchen müsste, Derbysieger oder Europa-League-Halbfinalist zu sein, dann würde sich Dortmunds Trainer Thomas Tuchel für Letzteres entscheiden. Das jedenfalls behauptete er vor Spielbeginn im Fernsehen. Seine Mannschaft brauchte zunächst eine Weile, um sich in der neuen personellen Konstellation zu Recht zu finden, hatte die teils auch durchschaubaren Schalker aber über weite Strecken gut im Griff.

"Ich teile diese Einschätzung", sagte Michael Zorc nach Abpfiff auf die Frage, ob er Tuchels Ansatz verstehen könne. Die Begründung des Dortmunder Sportdirektors: "Weil es schlauer ist."

Zorc: "Das ist Mathematik"

Tuchel und Zorc zuzustimmen fällt nicht schwer. Schließlich ist der Reiz, mit einem möglichen Gewinn der Europa League zum weltweit sechsten Verein zu werden, der alle internationalen Titel sein Eigen nennen kann, schlicht zu groß - und das Rückspiel beim FC Liverpool am kommenden Donnerstag angesichts der eingefahrenen Tabellensituation in der Bundesliga zu wichtig.

Die Meisterschaft, das ist auch nach dem doppelten Punktverlust des BVB am Sonntag wenig überraschend, wird erstmals in der Geschichte der Liga zum vierten Mal in Folge dieselbe Mannschaft gewinnen. Den Sieben-Punkte-Vorsprung des FC Bayern wird Borussia Dortmund nicht mehr knacken.

"Die Bayern sind jetzt nahezu uneinholbar vorne. Wenn man keinen Punkt abgibt, dann kann man nicht mehr eingeholt werden. Das ist Mathematik", diktierte Zorc in die Mikrofone und wirkte dabei vollkommen gelassen.

Mentale Belastung zollt Tribut

Diese Lockerheit scheint auch nicht gespielt, doch sie wird wohl nicht lange anhalten. In drei Tagen gastiert die Borussia bereits an der Anfield Road, nach dem 1:1 im Signal Iduna Park hat Dortmund nun richtig Druck auf dem Kessel.

Die Schwarzgelben haben sich während der gesamten Saison in hervorragender Verfassung präsentiert, so dass es für sie nun im April und Mai ums Eingemachte gehen kann. Die Schale ist endgültig futsch, bleiben zwei Trophäen übrig. Das Problem: Dortmund findet sich langsam aber sicher im Grenzbereich wieder.

48 Pflichtspiele hat der BVB nun bereits abgerissen, so viele wie kein anderes deutsches Team. Neben der körperlichen zollt auch zunehmend eine mentale Belastung ihren Tribut. Dortmund macht zwar noch nicht den Eindruck, überspielt zu sein, allerdings waren zuletzt ein paar Auffälligkeiten zu beobachten.

"Wir laufen auf eine Belastungsgrenze zu"

In den vergangenen fünf Partien schlug es sieben Mal im Kasten der Borussia ein, in den ersten 13 Begegnungen im laufenden Jahr musste man lediglich drei Gegentore hinnehmen. Klarheit und deshalb Zielstrebigkeit im vorderen Drittel nahmen zugleich ab, Kapitän Mats Hummels schrieb das nach dem Hinspiel gegen die Reds fehlender Form in der Offensive zu. Der Ausfall des eminent wichtigen Strategen Ilkay Gündogan tat sein übriges.

"Im 48. Pflichtspiel laufen wir auf eine Belastungsgrenze zu", weiß auch Tuchel. Zorc hatte auf Schalke drei hundertprozentige Torchancen notiert, die sein Verein nach dem Schalker Ausgleich zum 2:2 liegen gelassen habe. Dem maschinenartigen BVB der letzten Monate ist etwas die Effizienz abhandengekommen, dennoch hat 2016 noch kein Gegner die Dortmunder bezwingen können.

"Es wird wieder ein Spiel auf Augenhöhe", prognostizierte Zorc im Hinblick auf das entscheidende Duell mit Ex-Trainer Jürgen Klopp. "Diesmal wird es aber nur einen Sieger geben. Wir müssen eine bessere Leistung als im Hinspiel bringen. Dort haben wir vor allen Dingen im Offensivbereich nicht unsere Möglichkeiten ausgeschöpft."

Grenzbereich Schalkes steter Begleiter

Vermeintliche Probleme, mit denen sich die Schalker längst nicht mehr beschäftigten müssen. Gleichwohl haben auch sie welche, die finale Bewertung der ersten Saison unter Coach Andre Breitenreiter schwankt derzeit wöchentlich und dürfte wohl erst am letzten Spieltag vorzunehmen sein.

Breitenreiters fast schon trotzig anmutende Aufforderung an seine Truppe in der Pressekonferenz am Samstag, sich nämlich endlich einmal gegen Widerstände zu wehren und nicht frühzeitig aufzugeben, trug Früchte. S04 bewies Moral, glich zwei Mal postwendend einen Rückstand aus und blieb teils glücklich, teils verdient bis zum Ende im Spiel. Der Grenzbereich ist auf Schalke traditionell ein steter Begleiter.

Das haben auch die Fans registriert, das Spruchband zeigte somit ebenfalls Wirkung. Die Dortmunder Anhänger müssen dagegen auf den zweiten Derbysieg der Saison verzichten, dass sie die Teilnahme am Spiel in Liverpool aber ähnlich fahrlässig aufs Spiel setzen wie am Sonntag, ist nicht zu erwarten.

Schalke - Dortmund: Die Statistik zum Spiel

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