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Noch Krampf statt Kampf

Samstag, 12.03.2016 | 22:22 Uhr
Niko Kovac erlebte gegen Gladbach sein erstes Bundesliga-Spiel als Trainer
© Getty
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Für Eintracht Frankfurt wird es enger und enger im Abstiegskampf. Niko Kovac will Leidenschaft sehen und erst dann spielen, auch weil die Zeit davonläuft.

Es ist nicht sonderlich fair, nach einem Spiel über den neuen Trainer zu urteilen. Das will keiner und das soll keiner. Ganze vier Trainingseinheiten hatte Niko Kovac Zeit, um Eintracht Frankfurt auf Borussia Mönchengladbach einzustellen. Sein erstes Bundesliga-Spiel als Trainer, seine ersten Tage als Chefcoach einer Vereinsmannschaft.

Somit scheint die 0:3-Pleite gegen Gladbach irgendwo verschmerzbar. "Auch in der Höhe war das ein verdienter Sieg. Wir müssen die Punkte jetzt woanders holen", folgerte der Trainer im Anschluss an die Partie. Das ist auch empfehlenswert, wird die Luft für Frankfurt doch immer dünner. Gerade mit der aufholenden TSG im Nacken sind Ergebnisse gefragt.

Das ist das große Dilemma, in dem man also steckt, wenn man wenige Spieltage vor Ende der Saison den Trainer tauscht. Sofortige Verbesserungen sind gefragt. "Wir haben nicht mehr allzu viele Spiele, wir haben neun Stück, da müssen wir schnell da sein", sagte Kovac vor Gladbach.

Nur noch sechs Spiele Zeit

Jetzt sind es acht. Davon zwei Auswärtsspiele in München und Dortmund. Bleiben also sechs Versuche, sich vor dem Abstieg zu retten, sieht man über die Bonuspunkte gegen FCB und BVB hinweg. Was für die Eintracht spricht? Nicht viel. Da wäre die Tatsache, dass man seit dem 25. Oktober nur zwei Spiele gewonnen hat. Dass man mit zahlreichen Verletzungen kämpft.

Das sind Dinge, die standen aber schon bei Armin Veh. Kovac ist entscheidend. Der forderte vor dem Spiel noch große Kompaktheit, offensiv wie defensiv. "Akzente" wollte er setzen, "Tore schießen." Tore hat die Eintracht nicht geschossen gegen Gladbach. Akzente gesetzt hat sie ebenfalls nicht. Das mit dem Kompakt stehen. Naja.

Der Plan war simpel gestrickt und wohl der wenigen Vorbereitungszeit geschuldet. Trichterverhalten in der Defensive - umso höher der Gegner mit Ball kommt, umso defensiver und enger steht die eigene Mannschaft. Aus 4-3-3 wurde 4-4-2 und schließlich 5-3-2, die Lücken fand Gladbach dennoch weiterhin.

"Ein scheiß Tag heute"

Nach vorne sollte es schnell gehen. Haris Seferovic, Marco Fabian und Stefan Aigner waren in Abwesenheit von Alex Meier die offensiven Hoffnungsträger. Letztlich stehen aber drei Gegentore und nur "eine echte Torchance", die auch Kovac "einfach zu wenig" war.

Dass ausgerechnet der zuverlässigste Mann der letzten Wochen letztlich bei allen drei Gegentoren die Finger im Spiel hatte, brachte die Fohlen endgültig auf die Siegerstraße. "Das war ein scheiß Tag heute. Hätten wir vier Tore kassiert, wäre ich am vierten auch schuld gewesen", flucht Lukas Hradecky nach mindestens zwei verschuldeten Gegentoren.

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Insgesamt ein bescheidenes Debüt in vieler Hinsicht. Das trifft Kovac nicht gänzlich unvorbereitet, kündigte er doch schon vor dem Spiel an: "Vom Kampf zum Spiel, das wird hoffentlich der Fall sein." Allen "sei bewusst, dass der Kampf in dieser Situation an Nummer eins" stehe. Und mit diesem zeigte er sich immerhin zufrieden: "Kämpferisch war es O.K., aber wir waren zu ineffektiv."

Leidenschaft > Taktik

Ohnehin scheint es ihm das Kämpfen angetan zu haben. Erntete er für seine Äußerungen als Kroatien-Trainer herbe Kritk, als er Kampf und Leidenschaft für die Nationalmannschaft über Taktik einordnete, scheint sich daran auch als Vereinstrainer nichts geändert zu haben.

"Das Wichtigste ist für mich erst einmal die Leidenschaft, die muss man auf dem Platz sehen. Die Spieler müssen sich zerreißen", waren seine Worte nach Amtsantritt. Bruno Labbadia kämpfte im vergangenen Jahr einen kurz vor dem Knockout stehenden Hamburger SV mit dieser Methode aus dem Tabellenkeller. Emotionen im Abstiegskampf gibt es zur Genüge, beide Trainer haben oder wollen sich diese zu Nutze machen.

Wenn es dann also wirklich vom Kampf zum Spiel geht, hat man gegen Gladbach doch irgendwie einen Schritt gemacht. Wenn auch einen kleinen. Als Frankfurt offensiver wurde, früher attackierte, teilweise auch Yann Sommer anlief, wurde das Spiel zumindest offener. Gegen einen defensiv anfälligen Gegner wie Gladbach sprangen dabei aber noch keine Chancen heraus.

Rettung über die Offensive?

Die Eintracht hat großes Potenzial und mit Seferovic wie Fabian viel Leidenschaft in der Offensive, somit könnte Kovac hier vielleicht eine Chance sehen, sich Punkte zu verschaffen. Kompakt stehen kann man nicht nur in der eigenen Hälfte, womit die schnell etablierte Ansicht des defensiv denkenden Trainers Kovac bald auf dem Prüfstand stehen könnte.

Man darf also gespannt sein auf das Projekt in Frankfurt. Mit dem Fanpotenzial im Rücken ist der Klub eigentlich ein Must-Have für die Bundesliga. Doch das Geschäft ist gnadenlos und momentan scheint nur Hannover 96 noch schlechter in Form zu sein als das Team der Gebrüder Kovac.

"Hannover ist das wichtigste Spiel. Da werden wir eine andere Eintracht sehen", kündigte der Coach an. Es bleibt abzuwarten, ob er seine Worte mit Taten ausfüllen kann. Denn sonst stehen wieder Veränderungen an in Frankfurt, die 2. Liga rückt näher und näher. Und die beginnen schleichend: "Wir schlafen gut, mein Bruder und ich. Ich hoffe, dass sich das auch in Zukunft so fortsetzt."

Gladbach - Eintracht Frankfurt: Daten zum Spiel

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