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Fussball

Es gibt wichtigere Dinge

Das Team des BVB stellte sich nach Schlusspfiff gemeinsam vor den Fans auf und zeigte Mitgefühl
© Getty

Beim 2:0-Sieg des BVB über Mainz 05 gerät das Sportliche zur Nebensache. Das Spiel wird vom Todesfall eines Zuschauers überschattet, die Reaktion aller Beteiligten ist maximal vorbildlich. Trauer und Mitgefühl, aber vor allem auch Ehre und Respekt sind die Worte des Abends.

81.000 Zuschauer im Signal Iduna Park sagten in der Schlussphase der Partie zwischen dem BVB und Mainz 05 im Verbund mehr, als es ein Einzelner vermutlich jemals gekonnt hätte.

Wenige Minuten vor dem Abpfiff erhoben sich die Anhänger beider Teams von den Sitzen und stimmten mit hochgehaltenen Schals gemeinsam an: Walk on through the wind, walk on through the rain, though your dreams be tossed and blown. Walk on, walk on with hope in your heart, and you'll never walk alone. You'll never walk alone.

Der BVB hatte zuvor verlauten lassen, dass es während der Bundesliga-Partie am Sonntagabend zu zwei tragischen Zwischenfällen gekommen war. Zwei Zuschauer mussten auf den Rängen reanimiert werden. Eine Person schaffte es nicht und verstarb noch im Stadion. Die Vereine waren voller Trauer, alle Gedanken galten den Familien.

Gespenstische Stille

Während der halben Stunde vor dieser gemeinsamen Fan-Aktion hatte sich im Stadion eine gespenstische Stille festgesetzt. "Ich fand das Verhalten der Fans beeindruckend. Das hat alle irgendwie berührt", sagte Mainz-Coach Martin Schmidt nach der Partie. Damit traf er die allgemeine Gefühlslage der Protagonisten.

"Auch im Namen von Borussia Dortmund drücke ich den Familien der Betroffenen mein herzliches Beileid und mein tiefes Mitgefühl aus. Wir sind in Gedanken bei ihnen. Auch dem weiteren Patienten drücken wir alle Daumen, genauso wie alle Menschen, die mit dem Herzen beim Fußball dabei sind", brachte BVB-Präsident Dr. Reinhard Rauball stellvertretend zum Ausdruck.

Sein Dank galt vor allem den Anhängern, die trotz der Schwierigkeit der Situation vor allem eines demonstrierten: Respekt. "Die Reaktion der Zuschauer setzte sehr spontan ein, so etwas habe ich noch nicht erlebt. Da kann ich allen Fans, die ihre Trauer und ihren Respekt hier auf diese Art und Weise und so geschlossen demonstriert haben, nur ein großes Kompliment machen. Ich ziehe da den Hut auch vor den Mainzer Anhängern, die sich ausnahmslos in die Reihen der Trauernden eingereiht und ihren Support eingestellt haben."

"Davor kann ich nur den Hut ziehen"

Tatsächlich hatten beide Fanlager unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorfälle ihre Fahnen und Banner eingerollt und die Gesänge verstummen lassen. "Diese Bilder kann man durch Worte nicht toppen. Es zeigt, wie tief verwurzelt Begriffe wie Ehre und Respekt vor anderen vorhanden sind und innerhalb kürzester Zeit zum Ausdruck gebracht werden können. Davor kann ich nur den Hut ziehen", wurde Rauball weiter auf der BVB-Homepage zitiert.

Auf das gute Fußballspiel selbst hatten die Vorfälle keinen direkten Einfluss. "Wir Spieler haben gar nichts davon mitbekommen. Der Schiedsrichter hat mich auch gefragt, was denn hier los ist. Unser Trainer hat uns nach dem Schlusspfiff informiert", erklärte Marco Reus.

Betrachtet man das Spiel rein sportlich, war es eine Partie, welcher man wohl guten Gewissens das Prädikat "normal" zuschreiben kann - ein Duell zweier seriöser Mannschaften, die sich nichts schenkten, das am Schluss aber einen verdienten Sieger fand.

"An diesem Tag gibt es wichtigere Dinge"

Dass die Borussia die einzige Unachtsamkeit der Mainzer in der ersten Halbzeit direkt bestrafte und den Nullfünfern so den Zahn zog, war am Ende des Tages nicht mehr wichtig. Genauso wie der Fakt, dass der BVB aus den ersten 26 Spielen einer Bundesliga-Saison noch nie mehr Punkte holte als Thomas Tuchel in seiner ersten Saison bei der Borussia (61). "Da rückt das Spiel natürlich in den Hintergrund", so Reus.

Auch Thomas Tuchel vermochte keine tiefgründige Analyse abzugeben: "Es war sehr beklemmend zu spüren, dass etwas nicht stimmt - nicht zu wissen, was es ist und trotzdem so gut wie möglich zu spielen", lautete das Fazit des Dortmunder Trainers.

Viel mehr Worte bedurfte es auch gar nicht. Alles, was am Sonntag wirklich zu sagen war, stand nach Schlusspfiff auf der Webseite des BVB: "Borussia Dortmund besiegt den 1. FSV Mainz 05 mit 2:0. Aber an diesem Tag gibt es wichtigere Dinge als Fußball."

Dortmund - Mainz: Daten zum Spiel

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