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Dortmund knackt die Bayern nicht

Ein Muster mit Wert

Sonntag, 06.03.2016 | 14:05 Uhr
Borussia Dortmund bleibt im Jahr 2016 in Pflichtspielen weiterhin ungeschlagen
© Getty
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Borussia Dortmund hat es verpasst, die Meisterschaft mit einem Sieg gegen den FC Bayern München wieder spannend zu machen. Dazu kam dem BVB der nötige Mut abhanden. Doch das 0:0 ist auch eine Bestätigung für Dortmunds Entwicklung - und könnte für die kommenden Wochen noch wertvoll werden.

Man sollte bei noch neun ausstehenden Bundesligaspielen in dieser Saison davon ausgehen, dass nichts mehr Außergewöhnliches passieren wird. Zumindest in Bezug auf den FC Bayern München. Die Leistung des personell weiterhin dezimierten Rekordmeisters gegen den besten Tabellenzweiten aller Zeiten belegte, dass die Bayern den vierten Meistertitel in Folge nicht nur mit hoher Wahrscheinlichkeit, sondern auch verdient einfahren werden.

Der seit vergangenen Mittwochabend aufgekommenen Hoffnung, in den gefühlt längst entschiedenen Kampf an der Tabellenspitze würde doch wieder Spannung einkehren, wurde von der Partie am Samstagabend im Signal Iduna Park der Wind aus den Segeln genommen. Die Bayern waren letztlich einen Tick besser als Dortmund, wenn auch das 0:0 kein ungerechtes Ergebnis ist.

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BVB-Trainer Thomas Tuchel hatte sich in taktischer Hinsicht bei seinem Ex-Verein aus Mainz etwas abgeschaut. Die 05er agierten bei ihrem überraschenden Sieg unter der Woche in München mit einer kompakten Fünferkette gegen die Bayern, um deren Breite im Spiel und die guten Verlagerungen zu verteidigen.

Peps Alonso-Umstellung fruchtete

Selbiges tat nun auch die Borussia und installierte in Erik Durm denjenigen Spieler, der nach Ballverlust situativ die eigene Viererkette auffüllte. Hatte Dortmund die Kugel, schob wie gewohnt Linksverteidiger Marcel Schmelzer enorm hoch, so dass eine Dreierkette entstand. Dass ein Spieler wie Shinji Kagawa abermals nicht im Kader stand, begründete Tuchel später mit dem Verzicht auf die Position zehn im Dortmunder Spiel.

Dieses funktionierte vor allem über schnelle Gegenangriffe in den ersten 30 Minuten der Partie sehr gut. Die Bayern hatten bei eigenem Spielaufbau zunächst noch Probleme, das Dortmunder Pressing in den Griff zu bekommen - auch wenn die Gäste schon da die etwas besseren Gelegenheiten auf ihrer Seite wussten.

Die Begegnung drehte sich dann aber aufgrund einer taktischen Maßnahme von Bayern-Coach Pep Guardiola. Der Spanier wies seinen Landsmann Xabi Alonso an, die von ihm alleinig ausgefüllte Sechserposition noch tiefer zu interpretieren, um sich so schnellem Druck der Dortmunder Mittelfeldreihe zu entziehen. Aus dieser neuen Positionierung heraus gelang es Alonso, Bälle in Ruhe zielgerichteter zu verteilen und dem (BVB-)Spiel die enorm hohe Intensität zu nehmen.

Hätte Dortmund mutiger spielen sollen?

Von nun an kontrollierte der Rekordmeister die Angelegenheit und tauchte einige Male gefährlich vor dem Dortmunder Kasten auf. Der nun viel tiefer stehende BVB blieb defensiv zwar weiter aufmerksam, einen eigenen Konter zu Ende zu spielen, gelang den Borussen allerdings kaum noch.

"Wir haben nie den Glauben verloren und sind nie passiv gegen den Ball geworden. Wir hätten aus Halbchancen Chancen machen können, aber waren teils zu unpräzise. Die Bayern konnten sich in der zweiten Halbzeit vielleicht sogar noch steigern, wir haben ein bisschen nachgelassen", analysierte Tuchel im Anschluss.

Bleibt die Frage: Hätte Dortmund im zweiten Durchgang umstellen beziehungsweise noch mutiger und offensiver spielen sollen? Schließlich hätte wohl einzig ein Sieg an diesem Abend die Chance auf den Meistertitel aufrechterhalten - wieso also nicht alles versuchen und im schlimmsten Fall damit ins offene Messer rennen?

Was fehlt Dortmund zu den Bayern

Für Tuchel war dies keine Option, er hielt die gesamte Spielzeit über an seinem festgelegten Plan fest. "Wir haben dann etwas Mut verloren. Das Ergebnis interessiert mich aber heute überhaupt nicht. Ich habe das Spiel genossen", so der Trainer.

Tuchel wird bemerkt haben, dass Bayerns Anpassungen zu sehr fruchteten und die damit einhergehende Spielkontrolle nur noch schwer ins Gegenteil umzukehren war. Es wäre im ersten Abschnitt wohl eine Führung notwendig gewesen, um den BVB in die richtige Richtung zu lenken. "Alles, von allem ein bisschen", sagte Tuchel auf die Frage, was der Borussia noch zu den Bayern fehle.

So zog der Coach schließlich folgendes Fazit: "Defensiv haben wir 90 Minuten nie die Ordnung verloren, sehr mutig und eng vorwärts verteidigt. Ich bin sehr glücklich, was die Mannschaft abgeliefert hat."

BVB-Sprung in der Rückrunde

Das Remis ist für einen neu eröffneten Meisterkampf zwar zu wenig, doch es ist gleichwohl eine Bestätigung für Dortmunds Entwicklung. Die Schwarzgelben haben im Laufe der Rückrunde noch einmal einen Sprung nach vorne gemacht. Das Spektakuläre und bisweilen Rauschhafte in ihrem Spiel ist größtenteils gewichen, stattdessen haben eine deutlich größere defensive Stabilität sowie eine gewisse offensive Nüchternheit Einzug erhalten.

Der Geist, sich von äußeren Einflüssen frei zu machen und im Vertrauen auf die eigenen Abläufe konstant zu punkten, den Tuchel für professionelles Arbeiten als unabdingbar ansieht, ist weiter gewachsen. Und das, obwohl sich derzeit nicht einmal jeder Akteur auf dem Zenit seiner bisherigen Form befindet.

Der Mannschaft gelang es, trotz der über Wochen fest zementierten Tabellensituation nicht nachzulassen und diese Gegebenheiten nicht umzudeuten. Dortmund bringt regelmäßig den nötigen Biss auf - und das funktioniert mittlerweile auch in unterschiedlichsten Personalzusammenstellungen. Der BVB bleibt 2016 weiter ungeschlagen, mit nur zwei Gegentreffern stellt man das beste Team des laufenden Jahres.

"Die Situation ist unverändert. Wir sollten es nicht als Enttäuschung verbuchen", sagte Tuchel daher nach dem Spiel. Er sei vielmehr davon überzeugt, "dass wir unabhängig von der Tabelle unseren Weg weitergehen. Dieses Spiel hat uns weitergebracht. Ich möchte, dass wir das in den nächsten Spielen sehen."

Die heißen Wochen gehen weiter

Die heißen Wochen, die Dortmund zuletzt in kurzer Abfolge die Partien gegen Stuttgart, Porto, Leverkusen, wieder Porto, Hoffenheim und Darmstadt bescherten, gehen unvermindert weiter.

Bereits am Donnerstag kommt mit Tottenham das zweitbeste Team Englands nach Dortmund, es folgen die derzeit starken Mainzer und das wohl entscheidende Rückspiel bei den Spurs. Es wird also weiterhin jene Mentalität nötig sein, um "die Grenzen des eigenen Niveaus nach oben zu verschieben", wie Tuchel sagt.

Wenn auch die Bayern Dortmunds Drang und Mut mit zunehmender Spieldauer einbremsten, ist bereits die Erfahrung, gegen die für Tuchel zusammen mit Barcelona beste Mannschaft der Welt bestanden zu haben, wertvoll genug für Dortmunds weiteren Weg. Die Prüfungen hören so schnell jedenfalls nicht auf.

Dortmund - Bayern: Daten zum Spiel

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