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Die logische Konsequenz

Montag, 29.02.2016 | 00:31 Uhr
Der BVB drehte das Spiel mit drei Toren in zehn Minuten
© Getty
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Mit 3:1 schlägt Borussia Dortmund die TSG Hoffenheim, lange aber schnuppern die Kraichgauer an der Auswärts-Überraschung. Trainer Thomas Tuchel repariert die Probleme des BVB - doch auch für die Kellerkinder gibt es Grund zur Hoffnung.

Nach dem Spiel gab es im Signal-Iduna-Park eine eigenartige Gefühlsmischung: Die Dortmunder schwankten zwischen deutlich sichtbarer Erleichterung - und einer gehörigen Portion Selbstvertrauen. "Es war logisch, dass es in der zweiten Halbzeit besser laufen würde", erklärte etwa Hans-Joachim Watzke. Und Coach Tuchel resümierte: "Mit der Einwechslung von Illy und dem Pfostenschuss war das Signal gesetzt, dass das Spiel noch lange dauert."

Auch Gündogan, der in der 48. Minute den Aluminium-Weckruf abgefeuert hatte, betonte: "In der zweiten Halbzeit waren wir hochdominant. Schon vor der 80. Minute hätten wir den Ausgleich machen müssen. Gott sei Dank war am Ende alles gut." Am Ende alles gut - mit Blick auf das Ergebnis kann man das aus Dortmunder Sicht wohl so stehen lassen.

Spielerisch aber dürfte Tuchel an einigen Stellen den Rotstift ansetzen, denn betrachtet man nüchtern die erste Halbzeit, war die Leistungssteigerung im zweiten Durchgang alles andere als "logisch". Man habe "ein bisschen die Sicherheit verloren, durch gutes Pressing und Anlaufen von Hoffenheim", gab dann auch der BVB-Coach zu. Und entschied sich dabei noch für eine vergleichsweise milde Wortwahl.

Logische Konsequenz? Gündogan!

Denn tatsächlich präsentierte sich der BVB vor der Pause über weite Strecken kopflos, Tuchels Konzept konnte nicht auf den Rasen übertragen werden. Wie schon mehrfach in den vergangenen Wochen agierte Dortmund bei eigenem Ballbesitz aus einem 3-5-2 mit einem sehr offensivem Marcel Schmelzer heraus.

Das Problem gegen Hoffenheim: Ohne Hummels fehlte für dieses System der spielgestaltende Innenverteidiger, weil Neven Subotic hier völlig überfordert war. Statt öffnende Pässe zu spielen, landete die Kugel vom Fuß des Serben viel zu häufig per Fehlpass oder Stockfehler beim Gegner.

Dortmund fehlte so die Struktur. Die geballte schwarz-gelbe Offensivpower hing in der Luft und musste sich die Bälle zu tief abholen, beim 0:1 durch Sebastian Rudy (der erste Dortmunder Gegentreffer nach 453 Pflichtspiel-Minuten) offenbarten die Hausherren dann zudem eine ungewohnte Passivität.

So war die Konsequenz für Tuchel zur Pause nur allzu offensichtlich: Gündogan, nach seinem grippalen Infekt noch nicht wieder bei 100 Prozent, sollte dem Spiel die dringend benötigte Sicherheit geben - und es klappte.

Gündogan erlöst Subotic

Gündogan erlöste Subotic im Spielaufbau, gleichzeitig sorgte er endlich für kreative Momente sowie schnelle Bälle in die Schnittstellen der kompakten Hoffenheimer Fünferkette und leitete so schließlich den inzwischen überfälligen Ausgleich zehn Minuten vor dem Ende ein. Auch TSG-Coach Julian Nagelsmann wusste: Das war "der Dosenöffner für den BVB. Danach war es ein Selbstläufer".

In der Tat drehten Adrian Ramos und Pierre-Emerick Aubameyang das Spiel schließlich komplett und bauten die Dortmunder Torausbeute in der Schlussviertelstunde auf 16 Treffer (Liga-Höchstwert) aus. Doch bei allem Lob für Gündogan: Die Frage muss erlaubt sein, ob der BVB dieses Spiel auch ohne Überzahl am Ende noch so fulminant gedreht hätte?

Rudy rustikal

Denn Hoffenheim präsentierte sich nach dem Befreiungsschlag gegen Mainz in der Vorwoche erneut in guter Verfassung, Nagelsmann hatte sein Team sehr gut eingestellt. Das kompakte 5-2-3 gegen den Ball verlangte von Dortmund einen präzisen, schnellen Spielaufbau, wozu der BVB ohne Gündogan nicht in der Lage war. Umgekehrt setzte Hoffenheim mit seinen Kontern immer wieder gefährliche Nadelstiche - bis zur 58. Minute.

Weil Rudy Aubameyang im Mittelfeld von hinten ohne Chance auf den Ball umgrätschte, zückte Peter Sippel glatt Rot. Eine harte, aber vertretbare Entscheidung. "Man muss ihn vielleicht nicht geben, aber wir können uns auch nicht darüber beschweren", gab Nagelsmann zu und schob gleich hinterher: "In Unterzahl waren wir weit weg von dem Fußball, den wir spielen wollten."

Genauer gesagt: Hoffenheim wurde von Minute zu Minute passiver, Entlastung gab es kaum noch einmal. Die BVB-Tore schienen im Laufe der zweiten Halbzeit ob der Belagerung des Strafraums tatsächlich die logische Konsequenz. So verspielte Hoffenheim trotz guter erster Hälfte zum elften Mal in dieser Saison eine eigene Führung und bleibt auf dem vorletzten Tabellenplatz.

"Wir müssen auf der ersten Halbzeit aufbauen. Wir hatten gute Ansätze und waren das gefährlichere Team, auch wenn wir weniger Ballbesitz und subjektiv weniger Zugriff aufs Spiel hatten. Wenn man da durch Kevin Volland 2:0 in Führung geht, läuft das Spiel anders", betonte Nagelsmann. Auch der Gegner zeigte sich in Person von Michael Zorc beeindruckt: "Hoffenheim ist eine sehr gute Mannschaft. Ich weiß gar nicht, warum sie so weit unten stehen."

"Vollgas" in der zweiten Halbzeit

Im Hoffenheimer Lager dürften sie sich das inzwischen auch fragen. Der Aufwärtstrend ist aber unverkennbar - während Dortmund weiter marschiert. Die Borussia hat in dieser Saison im eigenen Stadion 31 von 33 möglichen Punkten geholt und im Jahr 2016 noch nicht verloren. Auch wenn es angesichts der schmerzhaft fehlenden Puzzle-Teile Hummels und Gündogan am Sonntag deutlich spannender wurde als erhofft.

"Ich bin fix und fertig. Normalerweise war das heute ein Spiel, das man nicht gewinnt", gab Watzke schließlich doch zu, allerdings nicht ohne sein Vertrauen in die Mannschaft hinterher zu schieben: "Nach dem 1:1 war ich hoffnungsfroh, dass wir gewinnen."

Und Gündogan? "Es hat einfach nicht für mehr als 45 bis 60 Minuten gereicht", fasste der Mittelfeldmann zusammen und verriet: "In der zweiten Halbzeit wollte und konnte ich aber Vollgas geben."

Das, und jedem im Signal-Iduna-Park war es bewusst, war der Schlüssel für die drei Punkte.

Dortmund - Hoffenheim: Daten zum Spiel

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