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Selbst die Frauen sind machtlos

Samstag, 20.02.2016 | 22:00 Uhr
Thomas Müller (2.v.r.) erzielte gegen Darmstadt seine Saisontore 16 und 17
© Getty
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Thomas Müller zeigte beim 3:1-Sieg des FC Bayern München gegen Darmstadt 98 einmal mehr, warum es auf der Welt nur einen Thomas Müller geben kann. Generell scheint die gesamte Bayern-Offensive rechtzeitig zur Crunchtime in Fahrt zu kommen.

Karl-Heinz Rummenigge gewährte nach dem Spiel Einblicke in die Bayern-Kabine. "Thomas Müller hat einige Kratzer an der linken Schulter. Wie von einer Frau, mit der er was auch immer angestellt hat", sagte der Vorstandsvorsitzende.

Was Rummenigge augenscheinlich mit erotischen, etwaig auch ekstatischen Abenteuern verbindet, war das Andenken eifriger 98-Verteidiger für einen Spieler, dem es immer wieder aufs Neue gelingt, sich selbst, seine Mitspieler, die Gegner, Fans und Fachleute zu verblüffen.

Es kommt nicht selten vor, dass Thomas Müller etwas lange braucht, um in ein Spiel zu finden. Dann springen ihm einfache Bälle vom Fuß oder er lässt dicke Torchancen aus. Jupp Heynckes sagte einmal, dass er des Öfteren mit einer vorzeitigen Auswechslung des Bayern-Eigengewächses kokettiert habe. "Aber er hat mich dann stets eines Besseren belehrt", so der Ex-Bayern-Trainer.

Mehr als ein Phänomen

Gegen Darmstadt war wieder einer dieser typischen Müller-Tage. Kaum sichtbar in Hälfte eins, unmittelbar nach Wiederanpfiff aber voll da. Seine Ballannahme bzw. -weiterverarbeitung vor dem 1:1 war schon sehenswert. Würde man das 2:1 als Kunstwerk malen oder modellieren wollen, wäre es von unschätzbarem Wert.

"Thomas Müller ist mehr als ein Phänomen", schwärmte Matthias Sammer, ehe auch der Sportchef Intimes aus dem Heiligtum preisgab. "In der Halbzeit hat man bei ihm gespürt, einerseits die Gruppe zu führen, andererseits auch die Ruhe zu bewahren, als Vorbild voranzugehen. Es ist bei ihm inhaltlich nicht immer zu beschreiben, aber es ist außergewöhnlich gut."

Mit überschwänglichem Lob kann Müller generell nicht all zu viel anfangen. Auch diesbezüglich war das Darmstadt-Spiel erneut Müller-typisch. "Es war sicherlich ein schönes Tor zum 2:1. Aber ich will das nicht so hoch hängen. Wenn ich ein hässliches Tor mache, ist das genauso viel wert. Wir sind froh, dass wir ganz wichtige drei Punkte eingefahren haben. Dienstag in Turin müssen wir abgezockter sein, da dürfen wir nicht ganz so viele Chancen liegenlassen."

Jagd auf Grafite und Dzeko

Immerhin hat es zu drei Treffern gereicht und einmal mehr wurden diese unter Müller und Robert Lewandowski aufgeteilt. 39 Mal haben beide in der Addition in 22 Bundesligaspielen getroffen. Der Torrekord für ein Stürmer-Tandem liegt bei 54, aufgestellt von Grafite und Edin Dzeko in Wolfsburgs Meistersaison 2008/09. Bei zwölf ausstehenden Spielen sollten weitere 16 Treffer von Müller und Lewandowski für eine neue Bestmarke kein großes Problem darstellen.

Abgesehen vom FC Barcelona, bei dem sich die nicht normalen Lionel Messi, Neymar und Luis Suarez Woche für Woche austoben, hat kein europäischer Topverein derzeit Vergleichbares zu bieten. Die Vielzahl der Tore von Müller und Lewandowski ist das eine, die Art und Weise, wie sie erzielt werden, das andere.

Beide sind stark im Verwerten von Torchancen mit einem Kontakt, doch sie haben mehr drauf als nur das Fußreinhalten. Müller bereitete sich die beiden Tore gegen Darmstadt praktisch selbst vor, Lewandowski erzielte erst kürzlich im Pokal in Bochum einen Treffer, bei dem er auf die Unterstützung seiner Mitspieler nicht unbedingt angewiesen war.

Bayern-Offensive kommt in Fahrt

Rummenigge hält den Ball dennoch flach. "Man muss auch sagen, dass beide Spieler immer sehr gut eingesetzt werden. Ob von Douglas Costa, Arjen Robben oder jetzt auch wieder Franck Ribery. Das, was um Lewandowski und Müller herum passiert, ist nicht so schlecht."

Für Robben zählt ohnehin nur das Kollektiv. "Klar ist es schön für uns, wenn beide regelmäßig treffen. Aber das kann nur funktionieren, wenn wir als Mannschaft funktionieren", sagte der Niederländer.

Mit dem von Rummenigge angesprochenen Ribery hat Trainer Pep Guardiola eine weitere wertvolle Option im Angriffsspiel wieder zur Verfügung. "Ich bin froh, dass Franck sein Comeback gefeiert hat, auch wenn es noch nicht für 90 Minuten reicht. Aber er hat gezeigt, wie wichtig er für uns ist", sagte der Trainer.

Robben, Ribery, Costa, Lewandowski, Müller, dazu noch Kingsley Coman und Mario Götze, der gegen Darmstadt in den Kader zurückkehrte - die Offensive des FC Bayern scheint rechtzeitig für die anstehenden, entscheidenden drei Monate so richtig in Fahrt zu kommen. Da können die Gegenspieler noch so oft zu den Waffen der Frauen greifen.

Bayern - Darmstadt: Daten zum Spiel

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