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Der FC Bayern ohne Innenverteidiger

Mia san mia im Auenland

Montag, 15.02.2016 | 10:00 Uhr
Für Joshua Kimmich (M.) gab's das nächste Sonderlob von Guardiola
© Getty
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An Tag eins nach dem Drama um Holger Badstuber hat sich der FC Bayern beim Sieg in Augsburg den Frust von der Seele gespielt. Mit der Mammutaufgabe Juventus in Sichtweite kommt der Rekordmeister langsam in Tritt. Weil das Sturmduo mittlerweile sogar Geschichte schreibt - und Pep Guardiola einen Plan für die Defensive hat.

Nach dem eigentlichen Thema des Abends musste man nicht lange suchen. Schon vor dem Anpfiff hallten Sprechchöre aus dem Block der Münchner durch die Augsburger Arena. In Minute 28 wurde es nochmals laut bei den Anhängern der Gäste, sogar lange nach Abpfiff skandierten sie einen Namen.

Und die Mannschaft? Die war geschlossen mit dem gleichen T-Shirt aufgelaufen. Auf dem Rücken: Die Nummer 28. Herrmann Gerland zog es nicht mehr aus, auch Pep Guardiola trug an diesem verregneten Sonntagabend rot. Durchgehend. Etwas befremdlich, zugegeben, wie ein immer elegant und adrett gekleideter Lehrer, dem man das Motto-Shirt der Klassenfahrt übergestreift hatte. Knallig rot, mit ungelenken großen Lettern darauf.

Doch was da zu lesen war, es war das eigentlich wichtige Thema des Abends: "Wir sind bei dir. Du schaffst es wieder!" Worte, gerichtet an Holger Badstuber, der seiner ohnehin fast surrealen Leidensgeschichte mit einer Sprunggelenksfraktur das nächste bittere Kapitel hinzugefügt hat. Und die Abwehrnot bei den Roten - ja, das geht - noch einmal verschlimmert hat. Abgesehen vom konditionell und taktisch noch nicht bereiten Serdar Tasci hat der FC Bayern genau keinen einzigen Innenverteidiger mehr zur Verfügung. Null.

Der Katastrophe getrotzt

Als "Katastrophe" betitelte Sportvorstand Sammer die erneut schwere Verletzung des "außergewöhnlichen Sportsmanns und Charakters". Egal ob Philipp Lahm, Thomas Müller oder Arjen Robben - allen war es ein Anliegen, dem Eigengewächs der Münchener Zuspruch zukommen zu lassen. "Das ist ein Alptraum und nicht normal", sagte Guardiola. Die Stimmung am Samstagabend und auch bei der Anreise im Bus sei dementsprechend bescheiden gewesen, wie der Kapitän schilderte.

Doch wartete am Ende der Busfahrt noch ein Bundesligaspiel, sogar ein Derby, auf die Münchner. Mit dessen Verlauf war das Lager des Rekordmeisters unisono zufrieden. Nicht nur, weil die Mannschaft dem Schock der Verletzung getrotzt hatte. Nein, auch siegte der Klub bei einem der größten Angstgegner der letzten Jahre - wenn man davon überhaut sprechen darf - in mehr als souveräner und unaufgeregter Manier.

Der FCB scheint langsam in Tritt zu kommen im Angesicht der heißen Wochen mit dem Achtelfinale in der Königsklasse. Das ist nicht zuletzt dem Sturmduo Robert Lewandowski und Thomas Müller zu verdanken.

"Der soll bitte so weitermachen", sagte der eine zum anderen, sagte Müller über Lewandowski, der mit seinen Saisontoren 20 und 21 nach 21 Spieltagen in der Torjägerliste jetzt an Dortmunds Pierre-Emerick Aubameyang vorbeigezogen ist. Mit 36 Toren insgesamt - Müller traf selbst noch zum 3:0 - stellten die beiden gar einen neuen Bundesligarekord auf, der alte lag nach gleichvielen Spieltagen bei einem Treffer weniger. Gehalten von einem Duo namens Gerd Müller und Uli Hoeneß.

Hoch stehen, schnell sein, klug sein

Doch ist der Angriff nicht der Bereich, in dem der Schuh drückt. Es ist die Abwehr, die Sorgen macht. Beziehungsweise sorgen machen könnte, denn in München ist die Panik ob des Verteidiger-Notstandes längst Trotz und Pragmatismus gewichen.

"Wir können lamentieren", meinte Guardiola nach Abpfiff, "oder wir können sagen: Wir sind, wer wir sind!" Es bleibe nichts anderes, als die beste verbliebene Mannschaft aufzustellen, war der Tenor unter den Spielern. "Wir können uns ja keine Innenverteidiger schnitzen", grinste der Kapitän.

Mia san mia also. Das war gegen den FCA eine Verteidigung wie aus dem Auenland, durchschnittlich 1,74 Meter groß. "Die Jungs haben bis auf die Größe alles, was man braucht", sprach Müller dann das an, was auch Guardiola ins Reden brachte. Man dürfe eben nur nicht tief stehen. Egal ob gegen Darmstadt oder Juventus. Wenn "Flanke, Flanke, Flanke" käme, habe der FCB keine Chance. Hoch sollen die Münchner Verteidiger stehen, ihre Intelligenz und Schnelligkeit ausnutzen.

Das gilt nicht nur für die gesetzten Alaba und Kimmich. "Wir haben noch ein paar so Zwerge", flachste Sammer. Zum Beispiel einen Juan Bernat, der bei seinem Startelf-Comeback nach 120 Tagen ein Extralob vom Kapitän bekam, oder Rafinha, der selbst immer besser in Tritt kommt.

Es kommt letztlich auf die Unterstützung der vorderen Reihen an. "Wir wurden vom Trainer gut eingestellt", verriet Lahm, wie man körperlich unterlegen "am besten absichert und zweite Bälle gewinnt".

"Abschreiben brauchen wir den nicht!"

So kann es auch mit dem 1,80 Meter großen Alaba als Abwehrhünen gegen einen Gegner vom Kaliber Juve gut gehen. Oder mit einem Joshua Kimmich, über den Guardiola sagt, dass es "unmöglich" sei, auf der ungewohnten Position besser zu spielen als er in den letzten drei, vier Spielen.

Unter dem Strich schaut der Rekordmeister durchaus positiver in die Zukunft, als es das Fanlager tut. "Wir haben einen Schritt nach vorne gemacht", war Sammers Fazit nach dem Auftritt in Augsburg. "Das war die beste Saisonleistung der Rückrunde."

Zumindest war es eine, auf der die Bayern aufbauen können. In ferner Zukunft, weit nach Darmstadt und Turin, wartet schon die nächste große Aufgabe auf den Verein. "Wir müssen diese Pechsträhne gemeinsam weggrätschen", sagte Sammer über Badstuber, der voraussichtlich erst zur Saison 2016/17 wieder auf dem Platz stehen wird. "Abschreiben", weiß Müller, "brauchen wir den aber nicht!"

Augsburg - Bayern: Daten zum Spiel

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