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Friede, Freude, Spitzenduo

Sonntag, 26.10.2014 | 23:53 Uhr
Auf dem Feld ging's hoch her - am Ende konnte alle mit dem Remis leben
© Getty
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Die Borussia aus Mönchengladbach bringt dem FC Bayern in einem turbulenten Spitzenspiel den dritten Punktverlust der laufenden Spielzeit bei. Die Fohlen untermauern ihr herausragende Form und sind endgültig in der Spitze angekommen. Auch beim Rekordmeister ist man zufrieden - auch, wenn ein Problem ungelöst bleibt.

So wirklich passten die letzten Minuten des Topspiels zwischen Fohlen und Bayern nicht mit den Reaktionen nach Schlusspfiff zusammen.

Es lief die 94. Minute im Borussia Park. Pep Guardiola belagerte die vierte Offizielle Bibiana Steinhaus und muss nach seinem ruppigen Handshake womöglich mit einem Nachspiel rechnen. Auch Lucien Favre tobte ob der ausgiebigen Extra-Minuten in der Coaching-Zone, auf dem Platz war das Tete-a-Tete zwischen Andre Hahn und Rafinha kurz zuvor nicht die einzige hitzige Szene.

Danach, da war man sich einig, hatten sich alle wieder lieb. "Zufrieden" war Favre, "sehr zufrieden" zeigte sich Guardiola und welchem Akteur man auch immer zuhörte: Das Wort "zufrieden" kam so ziemlich aus jedem Mund.

"Kann Abschluss nicht immer verhindern"

Von Ernüchterung ob der Torflaute nach den Gala-Auftritten unter der Woche auf europäischem Parkett - Gladbach bezwang Limassol mit 5:0, Bayern zerlegte die Roma 7:1 - war weit und breit nichts zu sehen. "Es hat ein wenig im Abschluss gefehlt", analysierte Bayerns Coach. "Aber ich bin stolz, wir haben es gut gemacht."

Die großen Probleme bei schnell umschaltenden Gegnern begleiten die sonst so starken Bayern aber weiterhin. Auch wenn Guardiola von einer "geschlossenen" Leistung sprach und Thomas Müller ebenso nur "zwei oder drei Konterchancen, bei denen man den Torabschluss nicht immer verhindern kann" sah, durften sich die Münchner nach den 90 Minuten im Borussia Park hauptsächlich bei Manuel Neuer bedanken, einen Punkt mit in die bayerische Landeshauptstadt zu nehmen.

Zeigten die Münchner in der Königsklasse gegen Rom noch eine sensationelle Mannschaftsleistung, was das konstante und hohe Pressing anging, gewährten die Münchner den Fohlen mit ihren pfeilschnellen Offensivspielern zu viele Räume.

Dabei machte sich vor allem das Fehlen von Jerome Boateng bemerkbar. Denn weder Benatia, der ansonsten eine ansprechende Leistung zeigte, noch Dante konnten bei schnellen Kontern das Tempo der Angreifer mitgehen. Es ist definitiv die größte Baustelle, die es für Guardiola in dessen neuem System noch aufzuarbeiten gilt. Und die am nächsten Samstag gegen den geschundenen BVB wieder zum Problem werden könnte. Denn so sehr es bei den Schwarzgelben auch kriselt: In München wird Dortmund seiner Lieblingsspielweise frönen dürfen.

Robben fehlt dem Münchner Angriff

In der Offensive zeigte der Ausfall von Arjen Robben, dass auch die weltklasse besetzte Mannschaft des amtierenden Double-Siegers mit dem Niederländer noch eine Stufe gefährlicher und vor allem zielstrebiger ist. Franck Ribery, der nach seiner Verletzung langsam wieder herangeführt werden soll und deshalb nur 24 Minuten auf dem Platz stand, konnte seine Klasse gegen die kompakt verteidigenden Gladbacher andeuten, aber nicht ausleben.

Hinzu kam, dass die Spielweise der Bayern den Gladbachern am Ende sogar noch in die Karten spielte. Das Spiel gegen die zunächst ultradefensiv aufgestellten Gastgeber über die Außenverteidiger Bernat und Rafinha extrem in die Breite zu ziehen, ermöglichte den Bayern wertvolle Räume. Dabei verzichteten die Münchner rund um den Strafraum aber auf Kombinationsspiel und suchten ihr Heil immer wieder in Flanken - genau das, was der Borussia mit Verteidigerkanten wie Martin Stranzl entgegen kommt.

Insgesamt 24 Mal segelte eine Hereingabe der Münchner in Yann Sommers Strafraum - auch dank des aufmerksamen Spiels des Gladbacher Schlussmanns wurde es dabei nicht einmal wirklich gefährlich.

"Das ist schon eine gute Mannschaft"

Am Ende konnte man im Lager der Roten mit dem Punkt dennoch gut leben. Denn auch wenn man noch weit weg vom Nimbus der Unbesiegbarkeit ist, den man letzte Spielzeit zur gleichen Zeit innehatte, ist das 0:0 auswärts beim Tabellenzweiten kein Genickbruch. Zumal Guardiola auch nach dem Schlusspfiff seine Lobeshymnen auf die Borussia weiter sang: "Gladbach hat großes Potenzial. Das ist schon eine gute Mannschaft."

Vor allem ist die Borussia eine Mannschaft, die sich nach dem Punktgewinn gegen den Rekordmeister in der Spitze des deutschen Fußballs angekommen sehen darf. Hatten manche den Fohlen sogar ein ähnliches Schicksal wie der Roma prophezeit, stellten die Gastgeber den Rekordmeister vor handfeste Probleme - vor allem in den zweiten 45 Minuten.

Zuvor verschanzte sich die Borussia in und am eigenen Sechzehner und überließ den Münchnern den Ball. Es entstanden surreale Ballbesitzwerte von über 82 Prozent für den FCB, viele große Möglichkeiten ließen die Fohlen allerdings nicht zu. "Wir haben intelligent verteidigt und wenige Fouls gemacht", lobt Fohlen-Coach Favre im Anschluss. Nach vorne stotterte das Spiel ein wenig, ehe sich in der zweiten Hälfte aus dem Kick and Rush tatsächlich ein strukturiertes Spiel entwickelte.

Kaderbreite für Gladbach Gold wert

Vor allem in der Phase nach einer Stunde, in der das Pressing der Gäste immer weiter abnahm, wurden die Fohlen frech und überrannten die Bayern ein ums andere Mal. "Blitzschnell und gut organisiert", resümierte Müller nach dem Abpfiff. Und wenn auch mit Verspätung war Gladbach nach sechs bayerischen Siegen bei 24 zu einem Tor die erste Mannschaft seit dem HSV, die dem Rekordmeister aktiv die Stirn bot.

Auch die Kaderzusammenstellung darf der Borussia als Zeugnis für eine Spitzenmannschaft ausgelegt werden. Fünfmal konnte Favre nach Limsssol ohne Qualitätsverlust rotieren, die Stärke in der Breite - vor allem in der Offensive - wird der Borussia in dieser Saison noch den ein oder anderen Punkt sichern. In einer engen Spitzengruppe mit den punktgleichen Wölfen und Hoffenheimern sowie dem noch unkonstanten Leverkusen ist das Gold wert.

Gladbach - Bayern: Daten zum Spiel

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