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Fussball

Grotesk. Abstrus. Schlimm.

Von SPOX
SC-Trainer Christian Streich will mit Freiburg den Wiederaufstieg angehen
© Getty

Weil eine Klub-Ikone zur Unzeit eine falsche Entscheidung trifft, muss der SC Freiburg in die 2. Liga. Ein angeschlagener Christian Streich tut sich auf der Suche nach Gründen schwer und wehrt sich gegen seiner Einschätzung nach dumme Fragen. Während der Trainer bleiben will, steht der Mannschaft eine starke Veränderung bevor.

Natürlich wollte Pavel Krmas helfen. Natürlich wollte er retten, was noch zu retten war. Und natürlich darf man dem Freiburger Abwehrspieler keinen Vorwurf machen. Aber er hat in diesem einen Moment einfach die völlig falsche Entscheidung getroffen.

Roman Bürki hatte erst fantastisch reagiert und den Ball anschließend von der Linie gefaustet, dabei aber nicht mit dem energischen Einsatz von Krmas gerechnet. Mit voller Wucht drosch der Tscheche den Ball ins eigene Tor und besiegelte damit den ersten Freiburger Abstieg aus der Bundesliga seit 2005. In seinem letzten Spiel für den Sportclub nach acht Jahren, seinem 100. in der Bundesliga.

Krmas' Eigentor steht sinnbildlich für eine Saison, in der Freiburg immer wieder teils unfassbare Nackenschläge verkraften musste. Sechs Mal verspielten die Breisgauer in der Schlussphase Siege, nur gegen die Bayern am 33. Spieltag konnten sie den Spieß einmal umdrehen.

"Wir haben so viele Spiele in den letzten Minuten noch hergeben. Heute gab es die Quittung dafür", analysierte Vereinsboss Fritz Keller knallhart. Umso emotionaler reagierten Spieler und Trainer auf das schreckliche Ende einer Saison, die Christian Streich schon vor dem letzten Spiel als "eine an Intensität nicht zu überbietende" bezeichnet hatte.

Spiegelbild einer grotesken Saison

Während Admir Mehmedi, Bürki und Nils Petersen, der übrigens nach einem heftigen Tritt gegen eine Werbebande, ihren Tränen auf dem Platz und später in der Kabine freien Lauf ließen, blickte Streich sorgenvoll in die Zukunft.

"Das ist leider auch in diesem Moment ein Spiegelbild einer total grotesken Saison, die ich so noch nie erlebt habe. Jetzt müssen wir leider in die Zweite Liga absteigen. Das ist sehr traurig für uns. Der Verein ist ein kleiner, aber ein großer in seinem Wesen. Die Fassungslosigkeit und die Trauer kommen nie in diesem Moment. Das wird eine schlimme, schlimme Woche, weil du alles durchgehst", sagte Streich und verabschiedete sich aus dem Presseraum mit feuchten Augen.

Mit dem Absturz von Platz 14 auf 17 geht der erneute Verlust einiger Leistungsträger einher. Mehmedi und Jonathan Schmid werden nicht zu halten sein, bei einigen anderen sind die Entscheidungsträger auf die eigene Überzeugungskraft und die Loyalität der Spieler angewiesen. Streich geht davon aus, dass die Mannschaft stark verändert wird.

"Es wird einen Umbruch geben, keine Frage. Das tut mir wahnsinnig weh. Die Mannschaft war sehr talentiert und ich habe zu allen Spielern besondere Beziehungen aufgebaut. Spieler wie Petersen oder Bürki haben in kurzer Zeit eine unglaubliche Identifiktion zum Verein aufgebaut. Aber wir können nichts dran ändern. Bei uns schüttet keiner Millionen rein", so Streich.

Streich bleibt Trainer

Er selbst möchte den Neuanfang gerne mitgestalten. "Ich habe die Frage, ob ich weitermache oder nicht, von acht Journalisten gestellt bekommen. Das ist unglaublich. Da sieht man, in was für einer Gesellschaft wir mittlerweile leben. Wenn ich einen Vertrag unterschreibe, unterschreibe ich den Vertrag. Ob ich Erfolg habe oder nicht. Alles andere ist abstrus. Natürlich mache ich weiter. Ich habe dem Verein so viel zu verdanken", versprach Streich.

Rückendeckung erhielt der Trainer von Präsident Keller und vom Sportdirektor. "Der Abstieg war unnötig, aber nachdem man sich einmal geschüttelt hat, werden wir alles daran setzen, eine gute Mannschaft zusammenzustellen und den Wiederaufstieg natürlich anzupeilen", sagte Jochen Saier.

Nach dem letzten Abstieg aus der Bundesliga benötigte Freiburg vier Spielzeiten, um wieder zur Beletage des deutschen Fußballs zu gehören. Seitdem ist es dem Klub aber gelungen, sich zu etablieren und sogar Europa League zu spielen.

Anteilnahme aus Madrid

"Die Strukturen sind erstligareif", meinte Kapitän Julian Schuster. "Wenn man die Trauer ein wenig ausblendet, hat sich der Klub aber so entwickelt, dass er in die Bundesliga gehört. Und da wollen wir auch wieder hin."

Das wünscht sich sogar Prominenz aus dem fernen Madrid. "Christian Streich wird der Bundesliga fehlen", schrieb Toni Kroos. Und auch die unmittelbare Konkurrenz fühlte mit. "Ich bin traurig, was mit Freiburg passiert ist", sagte Hannover-Coach und Ex-SCF-Spieler Michael Frontzeck.

Trotz allem nur ein schwacher Trost in einer bitteren Stunde für den Sportclub Freiburg.

Hannover - Freiburg: Daten zum Spiel

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