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Hamburg rettet sich in die Relegation

Von Daniel Reimann
Samstag, 23.05.2015 | 17:22 Uhr
Das Hinspiel im vergangenen Dezember endete 0:0
© Getty
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Noch tickt die Uhr: Der Hamburger SV muss wie schon im Vorjahr in die Relegation. Gegen ein besorgniserregend schwaches Schalke 04 gewann der HSV mit 2:0 und steht damit zum Abschluss auf Platz 16.

Vor 57.274 Zuschauern in der ausverkauften Imtech-Arena lieferten sich beide Teams ein Fußballspiel auf sehr überschaubarem Niveau, das auf der einen Seite von Angst und Mittellosigkeit sowie auf der anderen Seite von Zurückhaltung geprägt war.

Hamburg erlitt einen frühen Rückschlag, als Pierre-Michel Lasogga in der 27. Minute wegen einer Schulterverletzung ausgewechselt werden musste. Ihn ersetzte Artjoms Rudnevs.

Nach Wiederanpfiff waren es zwei Standardsituationen, die die HSV-Fans jubeln ließen: Erst traf Ivica Olic per Abstauber nach einer Ecke (49.), dann köpfte Slobodan Rajkovic eine Freistoßflanke von Lewis Holtby ins Netz (58.).

Der Hamburger SV ist damit bis zum Relegationsrückspiel auch nach 51 Jahren noch immer Bundesligist und damit weiterhin das einzige verbliebene Gründungsmitglied der Bundesliga, das nie abgestiegen ist.

Schalke blieb damit in sechs der letzten neun Spiele ohne Tor und beendet eine enttäuschende Saison auf einem Europa-League-Qualifikationsplatz.

Reaktionen:

Bruno Labbadia (Trainer Hamburger SV): "Die Anspannung war enorm, aber jetzt bin ich schon wieder etwas ruhiger. Ich bin mit der Art und Weise, wie meine Mannschaft sich diesen Sieg erkämpft hat, sehr zufrieden. In der Relegation habe ich keinen Lieblingsgegner, ich nehme es wie es kommt."

Roberto Di Matteo (Trainer Schalke 04): "Leider haben wir zwei Gegentore nach Standards kassiert, da hätten wir aufmerksamer sein müssen. Aber wenn der Wurm erst einmal drin ist, dann ist er drin. Ich bin natürlich unzufrieden mit dem Resultat, so gesehen beenden wir die Saison mit einem Tiefpunkt."

Der Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: In der Startelf des HSV gibt es zwei Neue: Diaz und Holtby ersetzen van der Vaart und Jansen.

In der Schalker Anfangsformation gibt es vier Änderungen im Vergleich zum 1:0 gegen Paderborn am vergangenen Samstag. Friedrich, Neustädter, Höger und Sane spielen für Höwedes, Aogo, Kirchhoff und Choupo-Moting.

27.: Immer wieder griff sich Lasogga an die rechte Schulter, auf die er beim Zweikampf mit Friedrich fiel. Jetzt muss der Angreifer runter. Die Hoffnungen im Angriff ruhen künftig auf Rudnevs.

29.: Westermann schaltet sich nach vorne mit ein, wird von Holtby bedient und legt von der Grundlinie zurück auf Rudnevs. Der trifft den Ball zwölf Meter vor dem Tor aber nicht richtig und schiebt ihn freistehend am Kasten vorbei.

41.: Katastrophen-Fehlpass von Diaz im Aufbauspiel, sodass Farfan über rechts Tempo aufnimmt. Seine Hereingabe verlängert Meyer auf Huntelaar, der aus elf Metern halbrechter Position im Strafraum volley nimmt, aber zu ungenau zielt. Zwei Meter rechts vorbei.

49., 1:0, Olic: Der Dino lebt! Nach einer Ecke von der linken Seite verlängert Djourou mit dem Hinterteil auf Olic, der die Kugel vom linken Fünfereck aus frei ins lange Eck wuchtet. Die Schalker Hintermannschaft schaut geschlossen zu.

58., 2:0, Rajkovic: Wieder schauen die Schalker zu, wie Holtbys Flanke aus dem linken Halbfeld am langen Pfosten Rajkovic findet, der den Ball aus sechs Metern locker ins linke Eck nickt. Neustädter ist zwar dran, steigt aber nicht ernsthaft mit hoch.

83.: Riesiger Bock von Rajkovic, der Choupo-Moting am Sechzehner den Ball direkt vor die Füße spielt. Keeper Adler bügelt den Fehler seines Vordermannes aus, indem er den Schuss des Kameruners glänzend pariert und den Ball um den Pfosten dreht.

88.: Kacar nimmt Rudnevs links am Strafraum mit, der Lette zimmert das Leder aus 15 Metern ans linke Außennetz

Fazit: Hamburg gewinnt ein grusliges Kampfspiel dank zweier Standardtore. Schalke zeigte über weite Strecken seinen harmlosesten Auftritt dieser Saison.

Der Star des Spiels: Ivica Olic. Mit 35 Jahren immer noch eine vorbildlich kämpfende Pferdelunge. Spulte abermals Kilometer im zweistelligen Bereich ab, sorgte auf dem rechten Flügel gemeinsam mit Westermann immer wieder für Action und erzielte das erlösende 1:0.

Der Flop des Spiels: Leroy Sane. Blieb auf Linksaußen ohne nennenswerte Impulse im Offensivspiel. Forderte zu wenige Bälle, gewann kaum einen Zweikampf und fiel im Vergleich zu seinem Pendant Farfan klar ab.

Der Schiedsrichter: Tobias Welz. Bekam es von Anfang an mit einer hart geführten Partie zu tun. Beließ es bei einigen grenzwertigen Szenen bei Ermahnungen, bis ihm Kolasinac mit seinem Scherenschnitt gegen Holtby keine Wahl ließ (26.). Zog zweimal die Wut von Farfan auf sich, als er zweimal in zweifelhaften Szenen weiterlaufen ließ.

Das fiel auf:

  • Labbadia setzte im Abstiegskampf gnadenlos auf Erfahrung. Seine Startelf hatte ein Durchschnittsalter von 28 Jahren und 91 Tagen. Unbekümmerten Offensivfußball hatte ohnehin keiner erwartet, doch es kam noch schmutziger: Langer Hafer auf Lasogga, der nimmermüde galoppierende Olic oder vereinzelte kreative Elemente von Kacar waren Hamburgs Stilmittel in der Anfangsphase. Durchschlagskraft? Fehlanzeige.
  • Schalke führte den Di-Matteo-Fußball der Rückrunde gnadenlos fort: Zurückgezogen agierend, oft mit neun Mann hinter dem Ball, galt der Fokus einer sicheren Defensive. Aufgrund mangelnder Kreativität und Variabilität des Hamburger Offensivspiels war Schalkes Viererkette auch kaum gefordert. So neutralisierten sich beide Teams über weite Strecken.
  • Wenn bei Königsblau etwas nach vorne ging, dann meist über rechts. Farfan hielt sich mit Defensivarbeit elegant zurück, sorgte dafür im Angriff häufig für Wirbel. Diaz und Ostrzolek hatten mit dem quirligen Peruaner so ihre Schwierigkeiten.
  • Dass kaum Spielfluss zustande kam, lag auch an einer verheerend hohen Anzahl von Fehlpässen. Schalke hatte in Durchgang eins eine indiskutable Passquote von 62 Prozent, während sich der HSV (80 Prozent) vor allem folgenschwere Fehlpässe im Spielaufbau leistete.
  • Dass die beiden Hamburger Tore nach einer Standardsituation fielen, war ebenso zwangsläufig wie erwartbar: Die letzten fünf Tore des HSV fielen unmittelbar nach Standards. Aus dem Spiel heraus kam viel zu wenig. Schalkes Leistung auf der anderen Seite spottet aufgrund von Harmlosigkeit und mangelnden Engagements jeder Beschreibung.

Hamburg - Schalke: Die Statistik zum Spiel

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