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Fussball

Für die Zukunft

Stand jetzt wird Gojko Kacar den Hamburger SV am Saisonende verlassen müssen
© Getty

Gojko Kacar erlebte in seinen fünf Jahren beim Hamburger SV elf Trainer, vier Sportchefs und drei neue Vereinsspitzen - und soll am Saisonende gehen. Doch der oft Verschmähte sichert dem HSV im Abstiegskampf derzeit überlebenswichtige Punkte - wie am Freitag gegen Freiburg. Gibt's ein Happy End?

Kratzen, beißen, spucken, Gras fressen - im Abstiegskampf werden Jahr für Jahr dieselben Parolen ausgegeben, die als unabdingbare Grundstimmung herhalten müssen. Doch kann man diese Werte erwarten, wenn mit Hamburg das bis dato zweikampfschwächste Rückrundenteam der Bundesliga auf den SC Freiburg trifft, der gar die wenigsten direkten Duelle der gesamten Saison gewann?

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Die Partie war zwar von Kampf und Einsatzbereitschaft geprägt, doch lange Zeit geriet das Spiel auch relativ körperlos. Hamburg agierte im ersten Abschnitt nämlich fast ohne Mittelfeld und verlor die Bälle viel zu schnell, nach der Pause hatten die Breisgauer teilweise viel Platz und wenig Druck gegen sich.

Das überraschte, war es doch der HSV, der zuletzt zwei Siege in Folge einfuhr, während Freiburg alle vier Partien zuvor nicht gewinnen konnte. Vom Selbstvertrauen, das man aufgrund der Erfolgserlebnisse von den Rothosen erwartete, war nichts zu sehen.

Drei Jahre kein Tor, dann zwei in einer Woche

Am Ende können sich die Hanseaten glücklich schätzen, mit einem Punktgewinn davon gekommen zu sein. Den haben sie zwar auch ihrer Moral zu verdanken, das 1:1 wurde letztlich erzwungen - auch eine Eigenschaft, die im Kampf um den Klassenverbleib wertvoll sein kann.

Allen voran geht der Zähler, der die Rothosen in der Tabelle weiter vor dem Sportclub stehen lässt, aber auf die Kappe des Torschützen zum späten 1:1, Gojko Kacar. Der spielt bereits seit fünf Jahren in Hamburg. Doch seine persönliche Geschichte erzählt von einem ständigen Auf und Ab, das es verrückt erscheinen lässt, dass ausgerechnet er zuletzt zum Punktegarant für den HSV avancierte.

Zur Verdeutlichung: Kacars traf über drei Jahre nicht mehr in der Bundesliga für Hamburg, netzt dann aber innerhalb von einer Woche zwei Mal. Ohne seine Tore stünde der Verein unter dem Strich mit drei Punkten weniger da.

Elf verschiedene Trainer

Kacars Personalie ist in diesen Tagen deshalb so skurril, weil seine Zeit an der Elbe dem sportlichen Niedergang des Klubs ähnelt. Der Serbe kam 2010 für stolze 5,5 Millionen Euro Ablöse von Hertha BSC, dort mutierte er in seiner letzten Saison zum unumstrittenen Leistungsträger.

Doch in Hamburg war vom Berliner Kacar fast nie etwas zu sehen, aus unzähligen Gründen. Während der HSV seit seiner Ankunft elf Mal den Übungsleiter austauschte, vier neue Sportchefs einsetzte und drei Mal die Vereinsspitze wechselte, fiel auch Kacar immer tiefer. Bei den meisten Trainern hatte er einen schweren Stand, keiner baute von Anbeginn auf ihn.

Dass Kacar nicht Fuß fasste, lag aber auch am Pech. Als in Thorsten Fink ein neuer Chefcoach auf ihn setzte, brach sich der 28-Jährige den Knöchel und musste monatelang pausieren. Als er wieder zur Verfügung stand, fand man keine Verwendung mehr für ihn. Wechsel zu Eintracht Frankfurt und Hannover 96 platzten, Kacar wurde in die U23 abgeschoben - nur um unter Bert van Marwijk wieder in den Profikader berufen zu werden.

Slomka setzt auf Kacar

Hamburg verkam im Laufe der Zeit immer mehr zu einer sportlichen Lachnummer, die man zwar irgendwie bemitleidete, der man aufgrund der himmelschreienden Inkompetenz auf Funktionärsebene aber auch die dutzenden Denkzettel gönnte. Aus dem teuren Kacar, der dazu noch einen gut dotierten Vertrag besitzt, wurde ein Sinnbild sportlicher Misswirtschaft.

Kacar zog daraufhin die Reißleine, er ließ sich nach Japan ausliehen, um irgendwo in Ruhe kontinuierlich Fußball spielen zu können. Das liegt jetzt etwas mehr als ein Jahr zurück. Als er in Hamburg den Neuanfang starten wollte, geriet dieser auch verheißungsvoll.

Unter Mirko Slomka konnte er sich vor allem in der Saisonvorbereitung als Innenverteidiger empfehlen, doch kurz vor dem 1. Spieltag der aktuellen Saison verletzte er sich erneut am Fuß. Als Kacar wieder fit war, stand Slomka schon nicht mehr an der Seitenlinie.

Kacar trifft für die Zukunft

"Ich habe in all der Zeit immer nur dann gespielt, wenn alle anderen verletzt oder gesperrt waren", sagte Kacar kürzlich dem Hamburger Abendblatt, "und wenn die Verletzten und Gesperrten wieder zurück waren, dann musste ich wieder weichen."

Weichen soll Kacar auch am Saisonende. Sein Vertrag läuft aus und sein Name stand auf der schwarzen Liste von Sportchef Dietmar Beiersdorfer, die dieser Ende März mit der Öffentlichkeit teilte. Doch seit Bruno Labbadia den HSV übernommen und dem Klub wieder Leben und vor allem Emotionen eingehaucht hat, ist Kacar wichtiger Bestandteil der Truppe - als Sechser im defensiven Mittelfeld.

Dort bringt Kacar in erster Linie Zweikampfhärte und Dynamik ein, kurbelt aber auch immer wieder die Offensive an und stand zuletzt eben zwei Mal in Folge goldrichtig. Den Mund aufreißen will er deshalb nicht, das entspräche auch nicht seinem Charakter. Stattdessen trifft er für die Zukunft - für seine eigene und die des HSV in der 1. Liga.

Labbadia: "Er arbeitet super"

"Hamburg ist mein Verein", sagte er im Anschluss an die Partie gegen Freiburg. Wie es letztlich mit ihm, dessen Abschied eigentlich längst verkündet ist, weitergehen wird, entscheiden wohl die beiden letzten Saisonspiele. "Ich wünsche mir, dass ich gesund bleibe, für einen guten Verein spiele und Stammspieler werde. Wir werden uns mit dem HSV austauschen und entscheiden, was für beide Seiten das Beste ist", sagte er kürzlich diplomatisch.

Labbadia, der ihn am Freitagabend im ersten Abschnitt einen ordentlich Anpfiff mit auf den Weg gab, der allerdings auch seinen Mitspielern gegolten haben dürfte, hat schon einmal das Türchen ein wenig geöffnet. "Es freut mich sehr für Kacar, er arbeitet super. Man kann nichts für seine Zukunft ausschließen."

Das gilt allerdings auch für den Hamburger SV. Nächste Woche steht in Stuttgart das nächste Abstiegsendspiel auf dem Programm - mit Gojko Kacar in der Hamburger Startelf.

Hamburg - Freiburg: Daten zum Spiel

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