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Fussball

3:3! Bremen ringt Bayer einen Punkt ab

Aluminium mal wieder... Leverkusen traf im ersten Abschnitt drei Mal nicht genau genug
© Getty

Bayer 04 Leverkusen und Werder Bremen haben sich beim 3:3 (1:1) zum Auftakt des 3. Spieltags der Bundesliga ein hochklassiges Duell geliefert. Die Werkself traf dabei drei Mal nur Aluminium und musste die ersten Pflichtspielpunktverluste in dieser Saison hinnehmen.

Vor 30.210 Zuschauern in der ausverkauften BayArena ging Leverkusen durch Tin Jedvaj nach 17 Minuten in Führung - und schoss damit das 2000. Bundesligator in seiner Geschichte.

Nachdem die Hausherren in der Folge drei Mal am Aluminium scheiterten, kam Werder kurz vor der Pause wie aus dem Nichts zum Ausgleich durch Fin Bartels (45.).

Nach einem Konter ging Bremen durch Franco di Santo nach einer Stunde Spielzeit sogar in Führung. 162 Sekunden später kam die Werkself aber zum Ausgleich, Hakan Calhanoglu traf per direktem Freistoß.

Zwölf Minuten nach seiner Einwechslung brachte Heung-Min Son Leverkusen wieder in Führung (73.). Sebastian Prödl erzielte fünf Minuten vor dem Ende das 3:3.

Werder bleibt für Bayer somit das Team, gegen das man so oft wie gegen kein anderes remis spielte (28 Mal).

Reaktionen:

Roger Schmidt (Trainer Leverkusen): "Ich glaube, in der ersten Halbzeit müssen wir das Spiel entscheiden. Es muss 5:0 stehen, ohne zu übertreiben. Das 1:1 zur Halbzeit ist ein Witz. Aber Fußball ist nicht immer gerecht, wir haben zu viele Chancen ausgelassen. Wir haben uns nicht belohnt für das, was wir gezeigt haben."

Robin Dutt (Trainer Bremen): "Es ist klasse, wie die Mannschaft sich entwickelt. Es ist ein Fehler, uns spielen und am Leben zu lassen. Bis zum 1:0 haben wir ganz hervorragend gespielt und uns gut aus dem Pressing befreit. Mit dem 1:0 haben wir den Faden verloren."

SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Leverkusens Coach Roger Schmidt nimmt zwei Änderungen im Vergleich zum 4:2 gegen Hertha BSC vor: Für Rolfes (Riss des Syndesmosebandes) und Son (Bank) dürfen Bender und Öztunali von Beginn an ran. Für Öztunali ist es das Startelfdebüt in einem Pflichtspiel, für Bender der erste Pflichtspieleinsatz in dieser Saison.

Werder stellt nach dem 1:1 gegen Hoffenheim einmal um: Bartels ersetzt Hajrovic, der vorerst auf der Bank Platz nehmen muss.

6.: Calhanoglu steckt auf links für Bellarabi durch, der den Ball flach ins Zentrum schlägt. Öztunali lauert am zweiten Pfosten, doch Fritz geht vor ihm auf Nummer sicher und klärt zur Ecke.

11.: Nach einem Einwurf von Jedvaj kann Calhanoglu den Ball für Castro, der aus etwas mehr als 20 Metern abzieht, ablegen. Der Schuss des defensiven Mittelfeldspielers knallt wie an einer Schnur gezogen gegen den linken Innenpfosten und prallt von dort zurück ins Feld.

17., 1:0, Jedvaj: Calhanoglu legt den Ball auf der linken Außenbahn mit der Hacke für Kießling auf. Der Stürmer behält die Übersicht und bedient den auf rechts aufgerückten Jedvaj. Der nimmt den Ball an und zieht dann fulminant ab. Das Leder knallt gegen die Querlatte und von dort hinter die Linie.

21.: Bremer Fehler im Aufbau, Bayer schaltet schnell um. Bellarabi lässt einen Schuss aus der Distanz los. Wolf lässt nur abklatschen. Kießling muss nur noch einschieben, zielt mit links aber genau in Wolfs Arme. Riesenchance!

25.: Leno kommt nur mit einer Hand an eine Elia-Flanke heran und wehrt das Leder nach vorne ab. Bartels rauscht heran, kann durch den nachsetzenden Leno jedoch noch so bedrängt werden, dass sein Schuss über das Tor geht.

28.: Kießling köpft eine scharf getretene Calhanoglu-Ecke am zweiten Pfosten auf Spahic zurück. Der Bosnier verlängert den Ball an die Latte.

35.: Öztunali verschafft sich gegen Fritz im Strafraum mit einer starken Körpertäuschung Platz und zieht aus der Drehung sofort mit links ab. Der Strahl des Youngsters knallt jedoch gegen die Querlatte, der anschließende Nachschuss geht am Tor vorbei.

45., 1:1, Bartels: Bei einer Hereingabe von Garcia stimmt im Zentrum die Zuordnung nicht, Boenisch rückt ein, verpasst das Leder im Zweikampf mit Di Santo jedoch. Der Ball gelangt zu Bartels, der Leno aus rund 15 Metern per Flachschuss ins kurze Eck überwindet.

60., 1:2, di Santo: Boenisch geht völlig übermotiviert in einen Zweikampf im Mittelfeld und lässt die linke Seite somit komplett frei. Die Hereingabe von Junuzovic rutscht zu Di Santo durch, der Leno im Eins-gegen-Eins das Leder durch die Beine schiebt.

63., 2:2, Calhanoglu: Postwendend die Antwort der Gastgeber. Calhanoglu tritt einen Freistoß aus knapp 25 Metern direkt aufs Tor und zirkelt das Leder perfekt ins Eck. Wolf fliegt vergeblich.

64.: Nach einem schnell ausgeführten Konter taucht Selke nach einem Elia-Pass frei vor Leno auf, der mit einer blitzschnellen Fußabwehr jedoch die Chance vereitelt.

73., 3:2, Son: Jedvaj behält auf dem rechten Flügel die Übersicht und spielt Son den Ball in den Fuß. Der Südkoreaner geht noch zwei Schritte und schließt dann überlegt mit links rechts unten ins Eck ab.

85., 3:3, Prödl: Der eingewechselte Busch flankt den Ball von rechts auf den kurzen Pfosten. Toprak lässt Petersen dort zu viel Platz, sodass der Angreifer das Leder auf Prödl verlängern kann, der aus kurzer Distanz mit Hilfe der Latte zum Ausgleich trifft.

89.: Bremen kontert und hat plötzlich Überzahl. Hajrovic lässt im Sechzehner erst Toprak stehen, macht dann jedoch zwei Haken zu viel und kann vom Ball getrennt werden. Mehrere Mitspieler standen zum Abspiel frei.

Fazit: Hochklassige Partie, die Leverkusen während der ersten 45 Minuten hätte entscheiden müssen. Bremen war eiskalt vor dem Kasten und nimmt aufgrund einer kämpferisch starken Leistung nicht unverdient einen Punkt mit.

Der Star des Spiels: Hakan Calhanoglu. Drehte vor allem im ersten Durchgang auf und war von Werders Defensive kaum einzufangen. Technisch eine Augenweide, setzte er seine Mitspieler immer wieder sinnvoll ein. Schönes und in dieser Phase enorm wichtiges Freistoßtor zum Ausgleich. Hatte zudem die meisten Ballkontakte aller Spieler auf dem Feld und schoss vier Mal selbst aufs Tor.

Der Flop des Spiels: Alejandro Galvez. Rannte die meiste Zeit nur hinterher und fand nie wirklich Zugriff im Zentrum. Gewann gerade einmal jeden dritten Zweikampf und brachte weniger als 40 Prozent seiner Zuspiele an den Mann.

Der Schiedsrichter: Licht und Schatten bei Christian Dingert. Bewertete einige Zweikämpfe nicht korrekt und pfiff Leverkusen nach Foul von Lukimya an Kießling eine ausgezeichnete Vorteilssituation ab. Die persönlichen Strafen waren in Ordnung. Auch richtig, nach dem vermeintlichen Handspiel von Galvez im Bremer Strafraum nicht auf Elfmeter zu entscheiden (70.).

Das fiel auf:

  • Leverkusen brauchte anfangs ein paar Minuten, spielte dann aber relativ schnell wieder wie aus einem Guss: Die Formation stand enorm hoch, ging jedem Ballverlust im Verbund nach und kombinierte nach Ballgewinn schnell und vertikal.
  • Der druckvolle Spielvortrag der Hausherren schnürte Bremen ein. Die Norddeutschen fanden keinerlei spielerische Mittel, um das Leverkusener Pressing zu überspielen. Die beiden Stürmer agierten in Werders 4-4-2 häufig über die Flügel und wurden mit langen Bällen gesucht. Allerdings kamen diese Bälle dort zu selten an beziehungsweise konnten nicht verarbeitet oder gehalten werden.
  • Leverkusen war lange Zeit Herr über die zweiten Bälle, weil immer gut nachgerückt wurde und die Gäste auf solche Situationen auch zu schlafmützig agierten. Läuferisch riss die Werkself ein hohes Pensum ab und lief in den ersten 45 Minuten 13 (!) Kilometer mehr als Werder - das sind über einen Kilometer mehr pro Spieler.
  • Bayer entzog sich geschickt dem Einfluss der Bremer Sechser im Zentrum, indem man die Angriffe meist über die Außenpositionen aufbaute. Dort spielten Öztunali und vor allem Bellarabi ihre Schnelligkeit aus und schafften es, häufig in den Rücken der Werder-Defensive zu kommen. Nur die Chancenverwertung war schlecht.
  • Die Partie zeigte im zweiten Abschnitt ein gänzlich anderes Gesicht: Das Spiel wurde hektischer und giftiger, Leverkusen ließ sich davon vor allem defensiv anstecken. Bremen schnappte sich im Gegenpressing ein paar Bälle, fuhr schnelle Konter und nutzte dabei den großen Raum, den Leverkusens zu weit aufgerückte Außenvertreidiger entblößten.
  • Werder bleibt damit weiterhin ein Phänomen: Zum dritten Mal in Serie schwankt Bremens Leistung während der 90 Minuten hin und her. Zum dritten Mal in Serie braucht Bremen einen Rückstand, um aufzuwachen - und kommt dann aber dennoch zum dritten Punktgewinn. Moral und Einsatz stimmten erneut, die Konter stark ausgespielt, die Kaltschnäuzigkeit vor dem Kasten beeindruckend.

Leverkusen - Bremen: Die Statistik zum Spiel

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