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Fussball

Schweigen als Warnsignal

Von SPOX
Mirko Slomka steht beim Hamburger SV gehörig unter Druck
© Getty

Nach Hamburgs Pleite in Hannover wird die Luft für Trainer Mirko Slomka immer dünner. Dietmar Beiersdorfer will sich nicht äußern - doch sein Schweigen sagt einiges aus: Slomkas zentraler Wunsch dürfte unerfüllt bleiben.

Stimmen:

Tayfun Korkut (Trainer Hannover 96): "Die Mannschaft hat super umgesetzt, was wir besprochen haben. Wir sind verdient in Führung gegangen. Wir hatten eine Phase, in der wir Hacke und Spitze gespielt haben. Bei uns ist noch nicht alles perfekt, aber wir sind zufrieden."

Mirko Slomka (Trainer Hamburger SV): "Dass Kritik kommt nach nur einem Punkt aus drei Spielen, ist klar. Wir müssen die Unruhe von außen abprallen lassen und nur an unsere Arbeit denken. In der zweiten Halbzeit haben wir uns gefangen und deutlich besser präsentiert."

Leonardo Bittencourt (Hannover 96): "Wir können uns freuen, oben zu stehen - die obere Tabellenhälfte ist auch unser Ziel. Entscheidend war, dass wir unseren Plan umgesetzt haben, früh in Führung zu gehen. Wir wussten, dass es dann schwer wird, für die Hamburger zurückzukommen."

Dennis Diekmeier (Hamburger SV): "Wir waren die ersten Minuten ungeordnet, deswegen sind auch die Gegentore gefallen. Danach wurde es besser und in der Halbzeit haben wir uns vorgenommen, aggressiv zu spielen und nochmal anzugreifen. Wenn wir ein Ding machen, geht es ganz anders weiter, die Chancen dazu waren ja da."

Johan Djourou (Hamburger SV): "Zu Beginn des Spiels haben wir Hannover zu viel Platz und zu viel Zeit gelassen und selbst nur lange Bälle gespielt. Das wurde dann im Laufe des Spiels besser, aber die Gegentore fallen natürlich zu einfach, erst nach dem 0:2 haben wir besser gestanden. Insgesamt müssen wir sicher noch besser kommunizieren, aber mit vielen neuen Spielern braucht das seine Zeit. Und vorne müssen wir natürlich ein Tor machen, auch wenn wir mit Latte und Schüssen knapp am Tor vorbei auch Pech hatten."

Nachbetrachtung:

Mirko Slomka blieb sachlich. Auf jede Frage des "Sky"-Reporters antwortete er besonnen und analytisch. Auch im emotionalen Moment der Niederlage war er nicht aus dem Konzept zu bringen.

Nur einmal zögerte er kurz, als Rollo Fuhrmann plötzlich fragte: "Was macht sie optimistisch, dass Dietmar Beiersdorfer weiter mit ihnen zusammenarbeiten will?"

Slomka überlegte kurz, schien innerlich mit den Schultern zu zucken und lieferte dann die erwartete Antwort. Von guter Zusammenarbeit und gemeinsamen Zielen war die Rede, doch der einzig markante Satz fiel erst am Ende: "Wir brauchen ein wenig Zeit", schloss Slomka seine Ausführungen ab. Damit war alles gesagt.

Kein Bekenntnis von Beiersdorfer

Denn Zeit ist für Slomka der entscheidende Faktor. Und die Frage, wie viel ihm davon noch bleibt. Seit Amtsantritt ist er quasi angezählt - angesichts seiner Bilanz und der teils konfusen Auftritte seiner Mannschaft nachvollziehbar. Die üblichen Mechanismen des Geschäfts eben, die bei nur drei Siegen aus 16 Bundesligaspielen ihre Berechtigung haben.

Nach dem 0:2 in Hannover kochten die Diskussionen wie erwartet abermals hoch. Doch der Vorstandsvorsitzende Dietmar Beiersdorfer schwieg, wollte sich nicht zur Personalie Slomka äußern. Ein Schweigen, das für Slomka nichts Gutes bedeutet.

Denn an sich wäre ein Bekenntnis zu Slomka nach dieser Partie nicht schwerer zu rechtfertigen als in den Wochen zuvor. Denn die Pleite in Hannover an sich war nicht alarmierend.

"Es war klar, dass so etwas passiert"

Sieben Neuzugänge standen in der Startelf, darunter viele Last-Minute-Neulinge, die noch nie zusammengespielt haben. Die Niederlage war zwar nicht erwartbar, aber nachvollziehbar. Zudem stimmte der Wille, die Mannschaft bewies im zweiten Durchgang Moral und Kampfgeist.

"Hannover war im Gegensatz zu uns voller Selbstvertrauen", erklärte Slomka. "Wir sind bei zweiten Bällen zurückgewichen. Aber bei den vielen Wechseln war es klar, dass so etwas passiert." Über all das hätte auch Beiersdorfer referieren und seinem Trainer so den Rücken stärken können. Er hätte unterstreichen können, dass er langfristig mit ihm plant - falls das überhaupt der Fall ist.

Auch Aufsichtsrat Jürgen Hunke forderte bei "Sky 90", Beiersdorfer solle Slomka "öffentlich zur Seite stehen. Das wäre ein Zeichen". Doch Beiersdorfer vermied es. Er wollte wohl bewusst kein Zeichen setzen, an das man ihm bei einem möglichen Rauswurf Slomkas erinnern würde.

Slomkas Wunsch nach mehr Zeit

Vielleicht tat er das auch mit Blick auf das nächste Wochenende, wenn die Bayern nach Hamburg kommen. Eine dritte Pleite in Folge - angesichts der sportlichen Lage das wahrscheinlichste Szenario - würde den katastrophalen Saisonstart abrunden und eine Entlassung Slomkas noch leichter rechtfertigen.

Seit der Übernahme durch Beiersdorfer wird spekuliert, ob dieser überhaupt Slomka auf der Trainerbank haben will. Ob ein echter Neustart aus seiner Sicht überhaupt mit dem alten Trainer möglich sei. Ob Beiersdorfer an ein langfristiges Konzept mit Slomka glaubt.

Nach der Niederlage gegen Hannover wäre ein guter Zeitpunkt gewesen, um dies zu unterstreichen. Doch auch Beiersdorfers Schweigen ist vielsagend. Es ist ein Zeichen für Slomka, dass seine Bitte nach mehr Zeit wohl kaum erfüllt wird.

Hannover - Hamburg: Daten zum Spiel

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