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Die Ankunft verzögert sich

Sonntag, 05.04.2015 | 00:09 Uhr
Dortmunds Kevin Kampl gewann gegen den FC Bayern nur 38 Prozent seiner Zweikämpfe
© Getty
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Da Red Bull Salzburg und Borussia Dortmund einen ähnlichen Fußball spielen, hoffte man beim BVB darauf, dass Winterneuzugang Kevin Kampl keine Anlaufschwierigkeiten im schwarzgelben Dress haben würde. Dies lässt sich nach den bisherigen Auftritten des slowenischen Nationalspielers allerdings nicht behaupten.

Während des Wintertrainingslagers im spanischen La Manga wurden zwei Dinge bei Borussia Dortmund augenscheinlich: Dem Großteil der sportlich angeschlagenen Dortmunder Belegschaft impfte Coach Jürgen Klopp das Einmaleins des Dortmunder Fußballs ein - defensive Absicherung, Gegenpressing, schnelles Umschaltspiel. Auch Kevin Kampl war Adressat der Ausführungen des Trainers, doch es wurde schnell deutlich, dass der Neuzugang von Red Bull Salzburg einen gewissen Vorsprung mitbrachte.

Im Falle von Kampl war Klopp nicht gezwungen, verschütt gegangenes Können wieder an die Oberfläche hieven zu müssen. Salzburg spielt einen ähnlich auf Gegenpressing-Maßnahmen ausgelegten Fußball wie Dortmund. Kampl hatte also viele Impulse, die für diese Art von Fußball essentiell sind, schon auf der Festplatte.

Der slowenische Nationalspieler wirkte in seinen ersten Tagen beim BVB daher auch enorm quirlig, lauffreudig und präsent in den Paradedisziplinen der Borussia. Diesen Eindruck bestätigten die Testspiele, Kampl hatte zum Rückrundenauftakt seinen Platz in der Anfangsformation sicher.

Kampl bislang wenig effektiv

Dies war allerdings auch wenig verwunderlich, wenn man bedenkt, unter welchen Vorzeichen Kampl zum BVB gekommen ist. Bayer Leverkusen stand schon längere Zeit mit seinem ehemaligen Spieler in Kontakt und wollte mit Red-Bull-Sportchef Ralf Rangnick folgenden Deal abwickeln: Nach einer halbjährigen Leihe zu RB Leipzig, wo Kampl den Sachsen idealerweise zum Aufstieg in die Bundesliga verhilft, sollte Kampl nach Leverkusen zurückkehren - und zwar zu einem günstigeren Preis als im Winter.

Rangnick ließ sich von dieser Variante aber nicht überzeugen. Dortmund bekam Wind von den gescheiterten Verhandlungen, hatte Kampl ebenfalls auf dem Radar, sah eine sportliche Notwendigkeit und legte das erforderliche Geld auf den Tisch. Nach SPOX-Informationen lag die Ausstiegsklausel bei knapp 15 Millionen Euro - und nicht wie bislang kolportiert bei zwölf.

Es hätte somit verwundert, wenn es ein solch teurer Spieler nach der Winterpause nicht auf Anhieb in die verunsicherte Dortmunder Mannschaft schafft. Kampl stand in den ersten fünf Bundesligapartien bei Anpfiff auf dem Platz. Die Durchschlagskraft, die man sich von ihm in der Offensive versprach, lässt allerdings noch zu wünschen übrig. Zwar gehört der 24-Jährige regelmäßig zu den laufstärksten Dortmundern und zieht viele Sprints an, die Effektivität geht seinen Bemühungen jedoch fast vollständig ab.

Umstellung auf Bundesliga noch nicht gelungen

Kampls Statistiken aus Österreich wiesen ihn im vorderen Drittel noch reichlich zielstrebig aus, er bereitete viele Tore vor (54) und schoss auch selbst welche (29). In Dortmund sind ihm in diesem Bereich des Spielfelds noch sehr wenige kluge Aktionen gelungen. Kampl verheddert sich mit seinen Laufwegen regelmäßig in vielbeinigen Abwehrreihen, sein Kreuzen und Einlaufen passen nur selten zu den Bewegungen und Zuspielen seiner Mitspieler.

"Wir erwarten viel von ihm. Er muss hier keine Wunderdinge vollbringen, aber er darf gerne vorweggehen und Impulse geben", sagte Klopp nach Kampls Verpflichtung. Doch die Umstellung auf das sowohl physisch wie auch spielerisch höhere Niveau der Bundesliga bereitet Kampl unbestritten größere Probleme als seine Auftritte in La Manga erahnen ließen.

Dass ihm der Durchbruch in dieser kurzen Startphase noch nicht gelang, ist besonders angesichts der traditionellen Schwerfälligkeit Dortmunder Neuzugänge nicht die größte Überraschung. Die hohe Ablösesumme in Kombination mit den Stimmen der BVB-Verantwortlichen nach Kampls Transfer, der Mittelfeldspieler werde dem Dortmunder Spiel auf direktem Wege weiterhelfen, haben die bisherigen Leistungen des Winterneuzugangs jedoch noch nicht rechtfertigen können.

Dies wirft zum jetzigen Zeitpunkt wiederum kein günstiges Licht auf die zuletzt unglückliche Einkaufspolitik der Westfalen.

Stärkster Gegner - schwächstes Spiel

Bei der Pleite gegen den FC Bayern stand Kampl trotz einer anstrengenden Länderspielreise (über Slowenien und Katar zurück nach Dortmund) erstmals seit dem 22. Spieltag wieder in der Startformation. Der Rekordmeister war der qualitativ stärkste Gegner, auf den Kampl im Dress der Borussia bislang traf - und er zeigte ihm gewissermaßen die Grenzen auf. Kampl machte gegen die Bayern sein bislang schwächstes Spiel beim BVB.

Auch wenn Dortmund in der Rückrunde - mit Kampl - die Kurve bekommen hat und aus dem Gröbsten heraus ist, befindet sich Kampl wie praktisch all seine Teamkollegen ein wenig auf der Suche nach sich selbst. Die Top-Form, verinnerlichte mannschaftstaktische Abläufe, individuelle Zielstrebigkeit - diese Attribute gehen Dortmunds Spielern noch immer ab und werden im Laufe dieser verkorksten Saison wohl auch nicht mehr in Gänze zurückkehren.

"Er braucht noch ein bisschen Zeit", sagte Klopp bereits nach Kampls Auftaktpartie gegen Leverkusen. Diesem Urteil ist auch zwei Monate später nichts hinzuzufügen.

Dortmund - Bayern: Daten zum Spiel

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