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Bayerns erste Heimniederlage

Mehr als ein Betriebsunfall

Montag, 23.03.2015 | 09:12 Uhr
Arjen Robben musste nach einem Foul von Tony Jantschke ausgewechselt werden
© Getty
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Was die Meisterschaft angeht, kann der FC Bayern München die zweite Pleite der Saison durchaus verkraften. Doch ist das 0:2 gegen Borussia Mönchgengladbach mehr als ein Schuss vor den Bug zur rechten Zeit. Denn es zeigt, dass die beiden größten Schwachstellen lange nicht abgestellt sind. Und jetzt fehlt auch noch Arjen Robben.

Gut drauf war freilich keiner von ihnen. Dennoch wollte kein Spieler des FC Bayern in den Katakomben der Allianz Arena Krisenstimmung verbreiten. "Es ist nichts dramatisches passiert", resümierte Kapitän Philipp Lahm. Es sei "keine Katastrophe ausgebrochen", meinte Manuel Neuer. Und als Thomas Müller nach der Abhängigkeit von Arjen Robben und Franck Ribery gefragt wurde, lachte der Angreifer, schob ein "Diese Diskussion gibt es jetzt, seitdem ich hier bin" hinterher - und ging einfach von dannen.

64 Punkte hat der Tabellenführer aus München in der laufenden Saison schon gesammelt. Das sind zehn mehr als der ärgste Verfolger aus Wolfsburg. 70 Tore haben sie geschossen, 13 mehr als der VfL, und 13 Gegentore kassiert - das sind 16 weniger als die Wölfe. In der Champions League wartet im Viertelfinale das machbare Los FC Porto, im DFB-Pokal stehen die Münchner ebenfalls in der Runde der letzten Acht.

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Was das "unter dem Strich" angeht, könnte es für die Bayern nicht viel besser laufen. Doch hat das Spiel gegen Gladbach - es war die erste Heimniederlage in der Liga seit dem 0:3 gegen Borussia Dortmund im April 2013 - eindrucksvoll gezeigt, dass die Münchner noch zwei Problemzonen in den Griff zu bekommen haben. Zumindest, wenn am Ende die Trophäen in der bayerischen Landeshauptstadt stehen sollen, die man sich erwartet. Also alle.

"Welche Schwäche?"

Zum einen wäre da die oft zitierte Konteranfälligkeit gegen gut und schnell umschaltende Teams. Eine Schwäche, die nach Wolfsburg beim 1:4 zum Rückrundenauftakt auch die Fohlen aufgedeckt haben - mannschaftsintern aber wohl nicht als solche deklariert wird. "Welche Schwäche?", wollte Kapitän Lahm, angesprochen auf die Problemzone, nach der Partie wissen. "Anders kassieren wir keine Tore, weil es anders gegen uns nicht möglich ist."

Man könne "gerne ausdiskutieren, wie oft wir gegen Donezk ausgekontert worden sind und wir können gerne schauen, wie viele Gegentore wir in der Bundesliga bekommen haben", so der 31-Jährige. "Dann können wir darüber sprechen, wo wir überall ausgekontert worden sind."

Womit der Kapitän natürlich Recht hat und was für die Münchner Spielweise durchaus als Kompliment herhalten darf, Tore in der Tat fast exklusiv durch einen Weg zu kassieren. Was aber den Fakt nicht schönt, dass es gerade gegen die Großen immer wieder passiert. Und dafür muss nicht einmal das letztjährige Debakel gegen Real in der Königsklasse herhalten.

Dass sich im extrem hohen Spiel der Münchner Konter nie gänzlich abstellen lassen, dass es in jedem Spiel zu Umschaltsituationen kommen wird, ist klar. Dennoch: Schon im Hinspiel gegen die Fohlen durften sich die Bayern am Ende bei Manuel Neuer bedanken, mit einem torlosen Remis den Rückweg an die Isar anzutreten. Und gegen perfekt umschaltende Wölfe gab's zum Rückrundenbeginn gleich vier Stück.

Mäßige Bilanz gegen die Großen

Generell liest sich die Münchner Bilanz gegen die aktuelle Top-Fünf der Liga nicht gerade ideal. Gegen Wolfsburg (2:1, 1:4), Gladbach (0:0, 0:2), Leverkusen (1:0) und Schalke (1:1, 1:1) gab es in sieben Spielen nur zwei Siege bei drei Unentschieden und zwei Pleiten.

Auch was das Toreschießen angeht, hapert es in den großen Spielen. Bis auf das Saisoneröffnungsspiel gegen Wolfsburg gelang dem Rekordmeister nie mehr als ein Tor. Es ist die zweite Problemzone der Münchner: Man tut sich schwer gegen mauernde Gegner, vor allem aber ohne Arjen Robben und Franck Ribery.

Die Abhängigkeit von Robbery ist nicht nur mit Zahlen belegbar. Auch gegen die Fohlen war es der Niederländer, der bis zu seiner verletzungsbedingten Auswechslung Dampf machte, die kompakten Gladbacher mit seinen Flügelläufen entzerrte und für Gefahr sorgte. Die linke Seite, in Abwesenheit von Ribery mit Bernat und Götze besetzt, fiel merklich ab.

"Für uns war es dann aber ein Stück weit angenehmer zu spielen", sagte Martin Stranzl zum Spiel nach Robbens Ausfall. "Das hat uns sicherlich etwas in die Karten gespielt." Eine Meinung, die in der Führungsetage der Münchner geteilt wird. Karl-Heinz Rummenigge vermisste seine beiden "Flügelflitzer, die mit ihren Dribblings Lücken reißen können", auch Pep Guardiola meinte: "Arjen und Franck haben gefehlt."

Robben fehlt wochenlang

Fehlen wird zumindest Robben sogar länger. Ein Bauchmuskelriss wurde beim Niederländer diagnostiziert, mehrere Wochen Pause sind die Folge. Ein Ausfall zur Unzeit, so ist es wohl keine Beleidigung gegenüber den restlichen Offensiv-Stars der Münchner, wenn man festhält, dass ein Robben in dieser Form noch ein Stück herausragt.

Im Angesicht der entscheidenden Wochen im Saisonendspurt griff Rummenigge zu drastischen Worten. "Noch unangenehmer" als die Niederlage sei der Ausfall von Robben."Solche Spieler wie Franck und Arjen fehlen, das wird immer so sein, weil sie exzellente Fußballer sind", mahnte Lahm mit Blick auf die Spiele, die über eine erfolgreiche, gute oder enttäuschende Saison entscheiden werden. "Jeder weiß, was im nächsten Monat auf dem Spiel steht, wie wichtig dieser Monat für uns ist."

"Ich mache heute nicht den Mahner"

Trotz des personell vielleicht größtmöglichen Rückschlags will der Bayern-Zug nach der Länderspielpause wieder rollen. "Wenn man verliert, wird beim FC Bayern alles in Frage gestellt", sagte Lahm. "Das werden wir intern auch machen, analysieren, was wir besser machen können."

Sogar Matthias Sammer sieht trotz allem keinen Grund zur Panik. "Ich mache heute auf jeden Fall nicht den Mahner, weil es keinen Sinn macht", stellte der Sportvorstand mit einem Augenzwinkern klar. "Unsere Spieler sind Menschen und keine Maschinen", das müsse man akzeptieren. "Aber nur an einem Tag - und nicht an allen anderen."

Nicht einmal der Ausfall von Robben trieb dem 47-Jährigen Sorgenfalten auf die Stirn. "Dafür haben wir andere Spieler im Kader, das müssen wir auffangen und kompensieren können", resümierte Sammer. "Dazu müssen wir in der Lage sein."

Ob sie das sind, wird sich in zwei Wochen zeigen, wenn der FCB bei den "alten Freunden aus Dortmund" (Rummenigge) gastiert. Einer Mannschaft, die das Umschaltspiel in der Theorie in der Perfektion beherrscht - und im Hinspiel gegen die Münchner so getroffen hat.

Bayern - Gladbach: Daten zum Spiel

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