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Kein Sieger in hektischem Krisenduell

Von Daniel Reimann
Samstag, 28.02.2015 | 17:19 Uhr
Neuzugang Serey Die (r.) machte sein zweites Spiel von Beginn an für Stuttgart
© Getty
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Stuttgart und Hannover trennten sich in einem überschaubar attraktiven Fußballspiel 1:1 (0:0). Am Ende wurde es hektisch, kurz vor Schluss flogen noch zwei Spieler vom Platz.

Vor 40.200 Zuschauern in der HDI-Arena brachte Christian Gentner den VfB nach einer schwachen ersten Hälfte im zweiten Durchgang in Führung (53.). Lars Stindl glich wenig später jedoch für Hannover 96 aus (70.).

In der 89. Minute kam es nach einem Handspiel von Stindl zu einer Rudelbildung, im Zuge derer Hannovers Kapitän mit Gelb-Rot und Martin Harnik wegen eines Schubsers mit glatt Rot vom Platz gestellt worden.

Beide Teams warten damit seit nunmehr sieben Spielen auf einen Sieg.

Reaktionen:

Tayfun Korkut (Trainer Hannover 96): "Das war kein sehr gutes Spiel und auch kein gutes Spiel von uns. Wir haben wieder zu viel liegenlassen und zu viele Zweikämpfe verloren. Das Unentschieden ist nicht genug, das wissen wir alle. Wir werden ganz ruhig weiterarbeiten, die Mannschaft ist intakt."

Huub Stevens (Trainer VfB Stuttgart): "Ich habe seit meiner Zusammenarbeit mit Robin Dutt nichts von anderen Trainern gehört. Ich mache meinen Job so gut wie möglich. Mehr kann man nicht machen. Ich hoffe, dass ich nächste Woche noch auf der Bank sitzen darf."

SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Im Vergleich zum 1:1 in Köln wechselt Korkut auf vier Positionen: Andreasen, Sakai, Prib und Schulz rücken für Hirsch, Sane (beide nicht im Kader), Perreira (Gelb-Rot) und Bittencourt (Bank) ins Team.

Stevens stellt auf drei Positionen um: Baumgartl (krank), Gruezo und Hlousek (beide Bank) werden durch Gentner, Ginczek und Maxim ersetzt.

15.: Erste Möglichkeit für den VfB: Gentner flankt von der rechten Außenbahn mit links auf den langen Pfosten, wo Werner und Harnik postiert sind. Der Youngster kommt mit dem Kopf an den Ball, setzt die Kugel aber etwa einen Meter neben den langen Pfosten.

21.: Ein Niedermeier-Bock kurz hinter der Mittellinie bringt Joselu ins Spiel. Der Spanier läuft frei auf Ulreich zu, versucht's von der Strafraumkante dann aber mit einem viel zu lässigen Heber. Der Versuch des Angreifers segelt deutlich über das Gebälk hinweg.

25.: Sakai setzt Maxim im Strafraum schön in Szene. Der Rumäne legt auf Gentner ab. Der Kapitän hält von der Strafraumkante drauf, Schulz fälscht das Leder ab und der Schuss zischt nur haarscharf am rechten Pfosten vorbei. Da wäre Zieler niemals herangekommen.

35.: Erneut leistet sich der VfB einen gefährlichen Ballverlust im Spielaufbau. Diesmal knickt Niedermeier bei einem zu kurzen Die-Pass weg. Aus der anschließenden Zwei-gegen-zwei-Situation machen Stindl und Joselu aber zu wenig. Ulreich wehrt den Schuss des Spaniers letztendlich zur Ecke ab.

53., 0:1, Gentner: Jetzt patzen auch die 96er in der Abwehr - und die Schwaben bestrafen es eiskalt. Sakai bekommt das Leder nach einer Kopfballverlängerung von Werner nicht weg und legt das Leder Gentner praktisch in den Lauf. Der Stuttgarter Kapitän sagt "Danke" und schießt aus rund elf Metern an Zieler vorbei ein.

54.: Im Gegenzug sorgen die 96er sofort für Gefahr. Briand verpasst eine Hereingabe von rechts mit einem Fallrückzieherversuch, doch der Ball landet bei Stindl, der es von der Strafraumkante direkt versucht. Der Schuss des Hannoveraner Kapitäns geht aber rechts am Tor vorbei.

70., 1:1, Stindl: Albornoz flankt von links ins Zentrum, wo Ulreich auf der Linie bleibt, obwohl die Flanke sehr lange unterwegs ist. Niedermeier verliert das Kopfballduell gegen Joselu, der auf Stindl ablegt. Der Kapitän ist an der Fünfergrenze völlig frei und schießt am chancenlosen Ulreich vorbei ein.

74.: Das hätte die Führung sein müssen! Joselu lässt vor dem Sechzehner Schwaab stehen und steht plötzlich frei vor dem Tor. Sein Schuss, der ebenso gut auch ein Pass hätte sein können, geht aber deutlich am Tor vorbei.

89.: Stindl sieht erst Gelb für das Handspiel und dann direkt Gelb-Rot für eine angedeutete Kopfnuss gegen Harnik.

89.: Harnik schubst Stindl um, der wie ein sterbender Schwan fällt. Stark deutet es als Tätlichkeit und hält Harnik die Rote Karte unter die Nase.

Fazit: Hannover war zum Ende hin deutlich druckvoller und hätte auch einen Sieg verdient gehabt. Der VfB hatte lediglich nach der Halbzeit vorübergehend eine starke Phase.

Der Star des Spiels: Christian Gentner. War der zuverlässigste Mann beim VfB und der einzige im Defensivverbund, der sich keine gravierenden Fehlpässe leistete. Offensiv immer wieder mit spielerischen Impulsen und guten Abschlüssen. Schoss dreimal aufs Tor und gewann fast zwei Drittel seiner Zweikämpfe.

Der Flop des Spiels: Jimmy Briand. Offensiv fand Briand kaum statt. Kein Schuss, keine Vorlage, kaum nennenswerte Ideen. Wählte häufig den falschen Laufweg und war damit oft nicht anspielbar.

Der Schiedsrichter: Wolfgang Stark. Erwischte keinen guten Tag. Sehr kleinlich, ließ wenig laufen, blieb dabei aber konsequent. Dazu mit vielen kleinen strittigen Entscheidungen. Pribs Foul aus der 30. Minute war nicht gelbwürdig, da er fast ausschließlich den Ball traf. Ein Handspiel von Sakai übersah er ebenso wie die Abseitsstellung von Ginczek bei einer Kopfballchance (60.). Dazu hätte Stindl für sein Foul an Sakai Gelb sehen müssen (72.). Gelb-Rot für Stindl geht in Ordnung, glatt Rot für Harniks Schubser war jedoch zu hart (90.).

Das fiel auf:

  • Das Spiel in Hannover war fußballerisch kein Leckerbissen. Viel Kampf, viele Fehler und herausgespielte Chancen nur in homöopathischen Dosen. Beiden Teams konnte man nur zeitweise ein echtes spielerisches Konzept unterstellen. Die meisten Torgelegenheiten entstanden als unmittelbare Konsequenz von Fehlern.
  • Die Partie war vor allem von Fehlpässen geprägt. In der ersten Halbzeit kamen beide Teams auf rund 64 Prozent erfolgreiche Zuspiele. Hannover brachte in der gegnerischen Hälfte sogar nur jeden zweiten Ball an den Mann - eine üble Quote.
  • Die 96er agierten nicht ganz so verunsichert wie der VfB, waren aber oft zu mutlos. Das Offensivpressing war bisweilen sehr unkoordiniert und damit ineffektiv. Dafür zeigte sich Hannover stark im Umschaltspiel, wo sich vor allem Stindls kreative Impulse als wertvoll erwiesen.
  • Stuttgart setzte im Vorwärtsgang oft auf lange Bälle, die in der recht sicheren Innenverteidigung der Gastgeber untergingen. Gefährlich wurden die Schwaben dann, wenn Harnik oder Werner das Spiel schnell machten. In der Rückwärtsbewegung war Stuttgart allerdings viel zu behäbig, weshalb Hannovers Konter oft in guten Torchancen resultierten.
  • In der zweiten Halbzeit zeigte sich 96 plötzlich um eine Klasse schlechter. Der Defensivverbund wirkte verunsichert, hinten kamen die Gastgeber kaum noch in die Zweikämpfe. Allerdings fehlte es beim VfB oft am finalen Pass. Nach dem Ausgleich war Hannover die bessere Mannschaft, verpasste es aber, aus den zahlreichen Stuttgarter Stellungsfehlern Profit zu schlagen.

Hannover - Stuttgart: Die Statistik zum Spiel

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