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Champagner aus der Arbeiterklasse

Samstag, 28.02.2015 | 21:14 Uhr
Henrikh Mkhitaryan erzielte gegen Schalke 04 sein erstes Saisontor
© Getty
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Borussia Dortmund setzt seinen Aufwärtstrend in der Bundesliga auch im Derby gegen Schalke 04 fort und zeigt dabei teilweise berauschenden Fußball. Trotzdem spricht Klopp weiter vom Abstiegskampf. Es bleibt die Frage: Ist der alte BVB zurück?

Mit seiner Einschätzung lag Jürgen Klopp komplett daneben. "Gegen eine Mannschaft, die mit acht Mann relativ tief verteidigt, werden die Chancen nicht im Sekundentakt da sein", sagte der BVB-Trainer auf der Pressekonferenz vor dem Spiel.

Nach den 90 Minuten Derby am Samstagnachmittag hatte nicht nur Klopp "massenhaft Torchancen" gesehen. Noch dazu nur von seiner Mannschaft. 31 Schüsse Richtung Tor, 13 davon auf den Kasten. Es gab Phasen, da rollte tatsächlich alle paar Sekunden eine Angriffswelle auf das Schalker Tor zu.

Man muss Klopp zugutehalten, dass mit einem derart einseitigen Spiel tatsächlich nicht zu rechnen war, da Schalke als defensiv sehr stabiles Team die paar Kilometer nach Dortmund gefahren kam. Aber trotz der unterirdischen Schalker Leistung schien sich zumindest eine Wahrnehmung Klopps als richtig zu erweisen. Eine "wahre Ergebnismaschine" seien die Schalker.

Der BVB hilft sich selbst

Das stimmte immerhin bis zur 78. Minute. Das 0:0 war ein Geschenk für die Gäste, die zu diesem Zeitpunkt schon mit vier, fünf Toren in Rückstand hätten liegen können. Aber es stand halt nach wie vor 0:0 und der phänomenale Druck des BVB der ersten Halbzeit war in den 20 Minuten zuvor etwas abgeflaut. Schalke schien - wie auch immer - einem Punktgewinn immer näher zu kommen.

Die ganze Szenerie erinnerte ein bisschen an die Partie gegen Borussia Mönchengladbach im November des Vorjahres, als die Dortmunder ebenfalls beste Möglichkeiten ungenutzt ließen und der Gegner in 90 Minuten keinen Schuss auf das Tor von Roman Weidenfeller abgeben konnte.

Damals kam die Hilfe in Person von Christoph Kramer vom Gegner. Diesmal half sich der BVB selbst, auch wenn Dennis Aogo und Roman Neustädter unterstützend eingriffen.

Zwischen Abstiegskampf und Europa League

Der BVB hat auch in der Vorrunde seine PS in einzelnen Spielen auf den Platz gebracht, aber sich selten belohnt und noch viel öfter mit katastrophaler Abwehrleistung bestraft. Die Defensive lieferte auch in den Spielen gegen Mainz, Stuttgart und Juventus noch keinen Grund, an die endgültige Wende zu glauben.

Dass diese jetzt geschafft ist, wollten weder Trainer noch Spieler nach dem Derbysieg bejahen. "Wenn ich die Tabelle anschaue, haben wir morgen Abend aber weiterhin nur maximal fünf Punkte Vorsprung nach hinten, obwohl wir vier Spiele in Folge gewonnen haben", sagte Klopp. "Daran sieht man, in was für einer Situation wir waren und immer noch sind."

Daran sieht man aber auch, wie in Dortmund zumindest in der offiziellen Sprachregelung aktuell gelesen wird: von unten nach oben. Aus der anderen Blickrichtung fehlen dem BVB aber auch nur noch sieben Punkte auf den Erzrivalen Schalke und damit die Europa-League-Plätze.

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Mit Basistugenden zum Champagner-Fußball

Nach den beiden schwachen Auftaktspielen gegen Leverkusen und Augsburg ist der BVB zumindest offensiv ins Rollen gekommen und hat in vier Spielen 13 Tore erzielt. Erstaunlich dabei: die mangelnde Chancenverwertung ist nach wie vor ein Thema und hätte gegen Schalke bald den Sieg verhindert. Erst der 28. Torschuss saß.

Im Abstiegskampf dürfe man keinen Champagner-Fußball erwarten hatte Klopp zu Beginn der Rückrunde erklärt, da gehe es um die elementaren Dinge. Gegen Schalke war wieder einmal deutlich zu sehen, dass Dortmund aus den Basistugenden des Fußballs, Einsatz, Leidenschaft und Wille, aber durchaus Prickelndes zustande bringen kann.

Arbeit und Grandezza schließen sich in Dortmund nicht aus. Die Kausalkette funktioniert aber nur in eine Richtung. Die Grundlagen müssen stimmen, erst daraus kann sich das begeisternde Offensivspiel entwickeln.

Und nur dann funktioniert auch das Kollektiv, in dem selbst Ausfälle mühelos kompensiert werden können und Ergänzungsspieler wie Oliver Kirch gute Leistungen abliefern. Fehlt es aber am Fundament, entsteht eine Situation wie in der Hinrunde. Erfolg allein durch spielerische Mittel ist nicht die Erfolgsformel des BVB unter Klopp.

Mkhitaryans bestes Spiel in Dortmund

Der Trainer hat seit Beginn der Rückrunde die bessere Fitness und Fortschritte im taktischen Bereich herausgestellt. Er sieht sein Team zwar immer noch im Abstiegskampf, aber auch auf dem richtigen Weg zum eigentlichen Gesicht des Klubs.

Bei den nächsten Schritten helfen auch die "tollen kleinen Nebengeschichten" der Partie, die Klopp ansprach. Dazu zählte er den Batman-und-Robin-Jubel von Pierre-Emerick Aubameyang und Marco Reus, aber vor allem den Treffer des ewig zweifelnden Henrikh Mkhitaryan. Dem Armenier bescheinigte Klopp defensivtaktisch sogar "das beste Spiel, was ich von ihm für Borussia Dortmund gesehen habe".

Ganz so euphorisch sah Klopp den Maskenjubel dagegen nicht. Es gäbe zwar auch positive Seiten, wie das passende Stimmung in der Mannschaft für solche Aktion und das Selbstbewusstsein Aubameyangs von einem Treffer auszugehen, "aber dafür gibt es Gelbe Karten, deshalb sehe ich das natürlich nicht so gerne".

Klopp wird seinem Stürmer nochmal ins Gewissen reden, auf solche Aktionen zukünftig zu verzichten und meint, ein gutes Argument dabei auf seiner Seite zu haben: "Ich glaube, jetzt haben wir fast alle Masken durch."

Nächster Stopp: Angstgegner

Klopp wäre es vermutlich auch am liebsten, wenn er alle Variationen von Masken und Gesichtern seiner Mannschaft in dieser Saison schon gesehen hätte und in Zukunft immer das Derby-Gesicht zum Vorschein kommt.

Ob das Team in allen Bereichen schon stabil genug ist, um auch schon wieder der alte BVB zu sein, lässt sich auch nach dem 23. Spieltag nicht bewerten, zu wechselhaft war die Spielzeit bisher.

Wobei Klopp im nächsten Ligaspiel sicher auch auf das alte BVB-Gesicht verzichten könnte. Am kommenden Samstag geht es zum Hamburger SV. Vier der letzten fünf Spiele gegen die Hanseaten gingen verloren. Das wäre wieder ein Rückschlag im Abstiegskampf - oder bei anderer Lesart: auf der Jagd nach den Europa-League-Plätzen.

Dortmund - Schalke: Daten zum Spiel

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